Historische Wandgräber werden vor Verfall bewahrt

Foto: Thomas Schubert
Foto: Thomas Schubert

Berlin. Vier historische Wandgräber auf dem Alten Zwölf-Apostel-Kirchhof in Berlin-Schöneberg sollen vor weiterem Verfall bewahrt werden. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) stellt dafür 45.000 Euro zur Verfügung. Die Förderung kommt den Grabanlagen der Familien Dieckmann, Schroeder, Bütow und Münkwitz zugute. Die Arbeiten sollen wertvolle Grabarchitektur aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert sichern und zugleich eine neue Nutzung der historischen Grabstellen ermöglichen.

Historische Grabarchitektur braucht dringend Hilfe

Die vier Wandgräber befinden sich an der südlichen Friedhofsmauer. Ihre Oberflächen sind teilweise stark geschädigt, Risse und Fehlstellen gefährden die historische Substanz. Hinzu kommen verwitterte Putzflächen, Schäden am Ziegelmauerwerk und beeinträchtigte Natur- und Kunststeinelemente. Auch Abdeckungen und Wandanschlüsse müssen instand gesetzt werden. Die geplanten Arbeiten umfassen eine schonende Reinigung und Festigung der Oberflächen sowie die Sicherung beschädigter Bauteile. Am Wandgrab der Familie Schroeder sollen außerdem erhaltene Reste der historischen Farbfassung untersucht und gesichert werden. Ziel ist es, möglichst viel der originalen Bausubstanz zu bewahren und den fortschreitenden Substanzverlust aufzuhalten.

Vier Gräber, vier unterschiedliche Gestaltungssprachen

Die Grabmale entstanden zwischen 1891 und 1914 und zeigen, wie vielfältig die Sepulkralkultur – die Gestaltung von Gräbern und Begräbnisstätten – um die Wende zum 20. Jahrhundert war. Drei der Anlagen greifen klassizistische Formen auf. Die Grabanlage Schroeder setzt dagegen mit ihrer aufwendigen neugotischen Architektur einen deutlichen Kontrast. Das Wandgrab Schroeder erinnert in seiner Gestaltung an einen Altar oder Reliquienschrein. Säulchen, Blendmaßwerk und eine zentrale Nische mit Engelskopf prägen das Erscheinungsbild. Die Bekrönung endet in einer Kreuzblume, hinter der sich ein zusätzliches, heute nur fragmentarisch erhaltenes Kreuz erhebt. Das Grabmal verdeutlicht, wie stark mittelalterliche Architekturformen im Historismus wieder aufgegriffen wurden.

Die Anlagen Dieckmann, Bütow und Münkwitz wirken dagegen antikisierend. Pilaster, Dreiecksgiebel und architektonisch gegliederte Wandflächen verleihen ihnen eine repräsentative Wirkung. Bei den Gräbern Bütow und Münkwitz sind einzelne Bauteile inzwischen stark verwittert. Historische Aufnahmen dokumentieren zudem Elemente, die heute fehlen, darunter Inschriftentafeln und ein schmiedeeisernes Gitter an der Münkwitz-Anlage.

Ein Gartendenkmal mitten in Schöneberg

Der Alte Zwölf-Apostel-Kirchhof an der Kolonnenstraße 24–25 wurde 1864 als Begräbnisplatz der damals neu gegründeten Zwölf-Apostel-Gemeinde angelegt. Die Gestaltung als Alleequartierfriedhof und die erhaltenen historischen Wege verleihen dem Gelände bis heute einen parkartigen Charakter. Der Kirchhof ist als Gartendenkmal geschützt.

Besonders entlang der Einfassungsmauern haben sich zahlreiche repräsentative Erbbegräbnisse aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert erhalten. Sie bilden eine nahezu geschlossene Folge historischer Grabarchitektur und machen den Friedhof zu einem bedeutenden Zeugnis der Berliner Bestattungskultur. Zu den hier beigesetzten Persönlichkeiten zählt der Historienmaler Anton von Werner, dessen Grabstätte sich in der Nähe der nun geförderten Wandgräber befindet.

Denkmalpflege mit einer neuen Nutzung verbinden

Die Sanierung soll nicht nur historische Architektur sichern. Nach Abschluss der Arbeiten sollen die vier bislang brachliegenden Grabstellen als Urnengemeinschaftsanlage genutzt werden. Damit verbindet das Vorhaben den Erhalt historischer Substanz mit einer zeitgemäßen Funktion innerhalb des weiterhin betriebenen Friedhofs. Solche Konzepte können helfen, aufwendige historische Grabmale langfristig zu erhalten. Denn viele ältere Erbbegräbnisse verlieren ihre ursprüngliche Funktion, während die Kosten für Pflege und Instandsetzung bestehen bleiben. Eine neue Nutzung kann dazu beitragen, dass die Anlagen nicht nur als historische Kulisse bestehen bleiben, sondern weiterhin Teil des lebendigen Friedhofsbetriebs sind.

Die Förderung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wird durch private Spenden und Mittel der Lotterie GlücksSpirale ermöglicht. Die Arbeiten auf dem Zwölf-Apostel-Kirchhof zeigen, dass Denkmalpflege nicht allein Kirchen, Schlössern oder Industrieanlagen gilt: Auch historische Friedhöfe bewahren bedeutende Zeugnisse von Architektur, Kunst und gesellschaftlicher Geschichte.

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