Sonnenstein. Die Kirchenruine des ehemaligen Klosters Gerode in Sonnenstein erhält erneut Unterstützung. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) stellt in diesem Jahr weitere 20.000 Euro für die Sanierung des Mauerwerks der Nordwand bereit. Möglich wird die Förderung durch die Erträge aus Stifterdarlehen. Die Arbeiten sind dringend notwendig. Die mächtigen Mauern der ehemaligen Klosterkirche waren über Jahrzehnte weitgehend ungeschützt der Witterung ausgesetzt. Feuchtigkeit drang in das Mauerwerk ein, Mörtel wurde ausgewaschen und es entstanden Risse und weitere Schäden. Bereits in den vergangenen Jahren wurden deshalb umfangreiche Sicherungsmaßnahmen umgesetzt.
Kirche wegen Einsturzgefahr aufgegeben
Die Klosterkirche wurde zwischen 1790 und 1796 errichtet. Bereits wenige Jahrzehnte später zeichnete sich jedoch das Ende ihrer Nutzung ab. 1835 wurde die Kirche wegen Einsturzgefahr geschlossen. Die ungünstige statische Belastung durch den Turm hatte erhebliche Risse verursacht. 1842 mussten schließlich Dach und Gewölbe abgetragen werden. Auch der Turm wurde wenig später beseitigt. Übrig blieb eine eindrucksvolle Ruine, deren rund 50 Meter lange Kalksteinwände bis heute das Bild der ehemaligen Klosterkirche bestimmen.
Barocke Architektur trotz Ruinenzustand
Vom ursprünglichen Kirchenbau ist deutlich mehr erhalten, als der Begriff „Ruine“ vermuten lässt. Die einschiffige Saalkirche besitzt einen gerade geschlossenen Ostchor und eine repräsentative Westfassade. Profilierte Pilaster, auskragende Gesimse und dekorative Akanthusmotive zeugen von der einst aufwendigen barocken Gestaltung. Besonders wertvoll sind zudem erhaltene Bereiche des historischen Putzes und Reste der ursprünglichen Raumfassung. Damit ist die Kirchenruine nicht nur ein Zeugnis der Klostergeschichte, sondern auch ein bedeutendes Beispiel historischer Baukunst im Eichsfeld.
Klosteranlage mit wechselvoller Geschichte
Die Ursprünge von Kloster Gerode reichen bis um 1100 zurück. Damit gehört die Anlage zu den ältesten Klostergründungen im Eichsfeld. Im Laufe der Jahrhunderte entstand ein weitläufiges Ensemble aus Kloster- und Wirtschaftsgebäuden, das bis heute von einer nahezu geschlossenen mittelalterlichen Klostermauer eingefasst wird.
Erhalten sind unter anderem ehemalige Konventgebäude, das Klostertor von 1681, ein Pferdestall aus dem Jahr 1707 und eine Scheune von 1778. Nach dem Ende der klösterlichen Nutzung diente das Ensemble unter anderem als Kinderheim und als Standort der DDR-Grenztruppen. 1994 wurde die Anlage an den gemeinnützigen Verein „Weg der Mitte“ verkauft.
Stück für Stück gegen den Verfall
Die aktuelle Förderung setzt eine seit Jahren laufende Sicherungsgeschichte fort. Bereits seit 2013 gehört Kloster Gerode zu den von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Thüringen unterstützten Denkmalen. Auch an anderen Teilen der Anlage wurden in den vergangenen Jahren Sanierungsmaßnahmen gefördert.
Die 20.000 Euro werden die Kirchenruine nicht wieder zu einer Kirche machen. Sie sollen etwas ebenso Wichtiges leisten: das bewahren, was von ihr noch vorhanden ist. Bei einer Ruine wie Gerode bedeutet Denkmalschutz deshalb vor allem, den Verfall immer wieder zurückzudrängen – Stein für Stein und Abschnitt für Abschnitt.
