Küsten-Gühlitz. Eine historische Hofanlage im niedersächsischen Küsten-Gühlitz erhält finanzielle Unterstützung für dringend notwendige Sanierungsarbeiten. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) stellt 100.000 Euro für die Erneuerung des Schieferdachs eines historischen Stallgebäudes bereit. Damit soll ein charakteristischer Bestandteil des denkmalgeschützten Hofensembles langfristig gesichert werden. Für die Stiftung ist es zugleich die erste Förderung eines Denkmals in der Gemeinde Küsten.
Rundlingsdorf mit besonderer Siedlungsgeschichte
Gühlitz liegt im Landkreis Lüchow-Dannenberg und zählt zu den besonders gut erhaltenen Rundlingsdörfern des Wendlands. Diese historische Siedlungsform ist durch eine kreisförmige Anordnung der Hofstellen um einen zentralen Dorfplatz gekennzeichnet. Die Gebäude richten ihre Giebel traditionell zur Dorfmitte aus. Gühlitz wurde 1450 erstmals urkundlich als „Gulitze“ erwähnt. Seit 1972 gehört der Ort zur Gemeinde Küsten.
Die Hofanlage Gühlitz 7 befindet sich im östlichen Bereich des Dorfkreises und liegt in einer weitläufigen Umgebung aus Wiesen und altem Baumbestand. Zum Ensemble gehört auch ein eigener Zugang zum historischen Gühlitzer Mühlenbach. Die Hofstelle steht unter Ensembleschutz und vermittelt bis heute einen Eindruck von der traditionellen bäuerlichen Bau- und Lebensweise im Wendland.
Hallenhaus von 1838 und Stallgebäude aus dem 19. Jahrhundert
Das zentrale Hallenhaus der Hofanlage entstand 1838 als Vierständerbau. Eine Inschrift vom 8. Mai dokumentiert das Baudatum und nennt die damaligen Bauherren aus der Familie Schultz. Diese lässt sich bereits im 18. Jahrhundert anhand historischer Versicherungsakten an diesem Standort nachweisen. Das Fachwerkgebäude besitzt eine Ausfachung aus Backstein. Eine ältere Landkarte aus dem Jahr 1825 zeigt an dieser Stelle noch einen kleineren Vorgängerbau.
Zum Ensemble gehören außerdem ein leicht versetzt angeordnetes Stallgebäude und eine quer zu den Ländereien ausgerichtete Scheune. Letztere wurde 1937 errichtet und ersetzte einen älteren Vorgängerbau. Die unterschiedlichen Bauzeiten und Konstruktionen machen die Hofanlage zu einem anschaulichen Zeugnis der regionalen Agrar- und Baugeschichte.
Schieferdach stammt aus dem Jahr 1903
Auch das Stallgebäude besitzt eine nachvollziehbare Baugeschichte. Die Familie Schultz ließ den ursprünglich vergleichsweise kleinen Backsteinbau 1896 errichten. Bereits sieben Jahre später wurde das Gebäude um mehr als zwölf Meter verlängert und aufgestockt. Zu diesem Zeitpunkt gehörte die Hofstelle der Familie Buchhorn vom benachbarten Hof Nr. 6. Mit der Erweiterung erhielt das Gebäude auch sein Schieferdach, das nun nach mehr als einem Jahrhundert erneuert werden muss.
Der ältere Gebäudeteil besteht aus massivem Backsteinmauerwerk, während die Erweiterung von 1903 als Fachwerkkonstruktion mit Ziegelausfachungen ausgeführt wurde. Das Gebäude erfüllte unterschiedliche landwirtschaftliche Funktionen: Es diente als Remise, Pferdestall und Backhaus. Im Obergeschoss befand sich ein Speicher, außerdem waren dort kleine Wohnkammern eingerichtet. Die historische Dachdeckung ist damit nicht nur ein konstruktives Bauteil, sondern auch ein wesentliches Zeugnis der Bauphase zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Neue Nutzung soll das Gebäude langfristig sichern
Die Eigentümer sanieren die Hofanlage bereits seit 2015 schrittweise. Das seit längerer Zeit leerstehende Stallgebäude soll nach Abschluss der Arbeiten künftig zu Wohnzwecken genutzt werden. Die Erneuerung des Schieferdachs ist dafür eine zentrale Voraussetzung. Sie schützt die historische Bausubstanz vor eindringender Feuchtigkeit und schafft die Grundlage für die weitere Instandsetzung und Umnutzung.
Die Förderung in Höhe von 100.000 Euro ermöglicht einen wichtigen Schritt zur Erhaltung des Ensembles. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz konnte nach eigenen Angaben in Niedersachsen bislang mehr als 580 Denkmale unterstützen. Die Sanierung in Küsten-Gühlitz zeigt, wie private Eigentümer und Förderinstitutionen gemeinsam dazu beitragen können, historische ländliche Baukultur zu bewahren und durch eine zeitgemäße Nutzung in die Zukunft zu führen.
