Preetz. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) stellt 40.000 Euro für Instandsetzungsarbeiten an der Klosterkirche des Adeligen Klosters in Preetz bereit. Den Fördervertrag soll Wolfgang von Ancken, Ortskurator der Stiftung in Kiel, am 4. November 2026 an Priorin Erika von Bülow überreichen. Die Mittel stammen aus privaten Spenden und den Erträgen der Lotterie GlücksSpirale. Mit dem Zuschuss werden Arbeiten an den Außenwänden und an der sogenannten Laterne unterstützt. Dabei handelt es sich um einen Dachaufbau, dessen baulicher Zustand besondere Aufmerksamkeit erfordert. Die Förderung ist Teil eines längerfristigen Engagements: Bereits mehrfach hat die Stiftung das Adelige Kloster bei der Erhaltung seiner historischen Gebäude und Ausstattungsstücke unterstützt.
Risse im Mauerwerk und Schäden am Dachreiter
Die Klosterkirche weist an einzelnen Bauteilen erhebliche Schäden auf. Besonders betroffen ist ein überwiegend original erhaltener westlicher Mauerpfeiler. Dort sind Risse, verwitterte Ziegel, ausgewaschene Fugen und Abplatzungen festzustellen. Die Schäden machen eine fachgerechte Instandsetzung erforderlich, um die historische Bausubstanz dauerhaft zu sichern. Auch der Dachreiter beziehungsweise die Laterne ist beeinträchtigt. Eindringende Feuchtigkeit hat die Konstruktion geschädigt, die Spitze sackt bereits ab. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ist die Tragfähigkeit der Konstruktion nicht mehr gewährleistet. Die geplanten Arbeiten sollen dazu beitragen, weitere Schäden zu verhindern und die langfristige Erhaltung des Bauwerks zu ermöglichen.
Klostergründung im frühen 13. Jahrhundert
Die Geschichte des Adeligen Klosters Preetz reicht bis in die Jahre 1210 und 1211 zurück. Damals wurde das Benediktinerinnenkloster „Campus Beatae Mariae“ gegründet. Durch Schenkungen und wirtschaftliche Erträge entwickelte sich die Einrichtung über die folgenden Jahrhunderte zu einem bedeutenden geistlichen und wirtschaftlichen Zentrum. Neben den Einkünften aus den Klosterdörfern und dem Zehnten verfügte das Kloster über umfangreiche grundherrliche Rechte. Es übte außerdem die höhere und niedere Gerichtsbarkeit sowie das Patronatsrecht über Kirchen aus. Mit der Reformation wurde die Einrichtung 1542 in ein Evangelisches Adeliges Damenstift der Schleswig-Holsteinischen Ritterschaft umgewandelt. Die institutionelle Tradition besteht bis heute fort.
Backsteingotik aus dem 14. Jahrhundert
Die Klosterkirche entstand zwischen 1325 und 1340 auf den Resten eines älteren Vorgängerbaus. Der Backsteinbau ist Teil des weitläufigen Klosterhofs und besitzt eine außergewöhnliche historische Bedeutung. Besonders bemerkenswert ist, dass die liturgische Raumordnung der ehemaligen Nonnenkirche bis heute weitgehend erhalten geblieben ist. Das dreischiffige Langhaus wird im Osten durch einen über die Seitenschiffe hinausragenden Chor abgeschlossen. Im Westen befindet sich ein barocker Glockenturm mit kupfernem Zwiebeldach. Die schlichte Außenfassade wird durch gotische Maßwerkfenster und Stützpfeiler geprägt. Darüber erhebt sich das imposante Walmdach.
Auch im Inneren bewahrt die Kirche bedeutende historische Ausstattung. Dazu gehört das hölzerne Chorgestühl mit seinen Malereien. Der Nonnenchor befindet sich ungewöhnlicherweise im Mittelschiff und nicht auf einer Empore. Im westlichen Teil liegt zusätzlich eine räumlich getrennte Laienkirche. Die besondere Anordnung gibt bis heute Einblick in die religiöse Praxis und die soziale Struktur des mittelalterlichen Konvents.
Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt Preetz seit 1993
Die aktuelle Förderung ist nicht die erste Unterstützung für das Adelige Kloster. Seit 1993 beteiligt sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz an der Erhaltung der Anlage. In der Vergangenheit wurden unter anderem Arbeiten an der Bibliothek, die Restaurierung von Holzbauteilen der Orgel sowie Dachinstandsetzungen am Konventhaus und an der Klosterkirche gefördert. Die Bibliothek des Klosters ist ebenfalls von besonderem kulturhistorischem Wert. Sie wurde 1726 über zwei Geschosse hinweg eingerichtet und bewahrt einen weitgehend barocken Buchbestand. Zusammen mit der Kirche, dem Konventhaus und den historischen Ausstattungsstücken bildet sie ein bedeutendes Ensemble norddeutscher Kloster- und Kulturgeschichte.
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat nach eigenen Angaben seit 1993 in Schleswig-Holstein bereits mehr als 280 Denkmale gefördert. Die Unterstützung in Preetz zeigt, dass der Erhalt historischer Bauwerke häufig auf langfristige Finanzierung und wiederkehrende Instandsetzungsmaßnahmen angewiesen ist.
Erhalt eines außergewöhnlichen Kulturdenkmals
Die 40.000 Euro sind ein weiterer Baustein für die Sicherung der Klosterkirche. Die Schäden an Mauerwerk und Dachaufbau machen deutlich, wie wichtig kontinuierliche Baupflege für historische Gebäude ist. Gerade bei mittelalterlichen Backsteinbauten können eindringende Feuchtigkeit, verwitterte Fugen und geschädigte Tragkonstruktionen langfristig erhebliche Folgen haben.
Mit den vorgesehenen Arbeiten soll ein bedeutendes Zeugnis norddeutscher Klostergeschichte erhalten bleiben. Die Klosterkirche ist nicht nur ein prägendes Bauwerk im Stadtbild von Preetz, sondern bewahrt mit ihrer Architektur und Ausstattung einen seltenen Einblick in die Lebens- und Glaubenswelt eines mittelalterlichen Frauenkonvents.
