Spaniens berühmtes Geisterhotel vor dem Abriss

Foto: Untipografico/CC BY 2.0
Foto: Untipografico/CC BY 2.0

An der Küste Andalusiens steht seit Jahren ein gewaltiger Hotelrohbau, der längst zum Symbol für Bausünden und gescheiterten Küstenschutz geworden ist. Das Hotel El Algarrobico bei Carboneras in der Provinz Almería soll nun tatsächlich verschwinden. Der 21 Stockwerke hohe Gebäudekomplex mit mehr als 400 Zimmern wurde nie eröffnet. Stattdessen steht der Bau unmittelbar an einer geschützten Bucht des Naturparks Cabo de Gata-Níjar und ragt nur wenige Meter vom Strand entfernt in die Landschaft.

Nach mehr als zwei Jahrzehnten ist ein entscheidender Schritt für den möglichen Abriss erfolgt. Der Gemeinderat von Carboneras hat die ursprüngliche Baugenehmigung für das Hotel offiziell widerrufen. Damit reagierte die Kommune auf eine Vorgabe des Oberlandesgerichts von Andalusien. Die Entscheidung schafft die rechtliche Grundlage dafür, dass die auf geschütztem Grund errichteten Gebäudeteile beseitigt werden können. Die Abstimmung verlief allerdings nicht ohne Konflikte. Vier Gemeinderäte verließen unmittelbar vor der historischen Entscheidung den Sitzungssaal. Gleichzeitig wurde vor möglichen wirtschaftlichen Folgen für Carboneras gewarnt.

Das Algarrobico als Symbol für Spaniens Bausünden

Der Hotelkomplex steht sinnbildlich für die Auseinandersetzungen um die massive Bebauung der spanischen Küsten. Während das damalige Rathaus den Bau unterstützte, formierte sich früh Widerstand von Umweltschützern. Die Organisation Salvemos Mojácar erreichte bereits 2006 einen Baustopp. Auch Greenpeace machte bundesweit beziehungsweise international auf das Projekt aufmerksam. Kritiker sahen in dem riesigen Gebäudekomplex einen massiven Eingriff in eines der letzten weitgehend unberührten Küstengebiete Andalusiens. Besonders problematisch ist die Lage: Das Hotel steht innerhalb beziehungsweise am Rand des geschützten Küstenbereichs und befindet sich weniger als 50 Meter vom Strand entfernt.

Jetzt soll die Küste wiederhergestellt werden

Nach dem Widerruf der Genehmigung liegt der Ball nun bei der Regionalregierung von Andalusien. Sie muss die weiteren Schritte für den Rückbau des gewaltigen Komplexes einleiten und anschließend die betroffene Küstenlandschaft wiederherstellen. Umweltschützer drängen auf einen möglichst schnellen Abriss. Gleichzeitig ist das Verfahren weiterhin kompliziert. Der Bauträger Azata del Sol könnte gegen die Entscheidungen vorgehen. Zudem liegt das betreffende Küstengebiet in einem Zuständigkeitsbereich, bei dem auch die spanische Zentralregierung in Madrid eine Rolle spielt.

Sieben Millionen Euro für den Rückbau

Der Abriss des ungeliebten Hotelkolosses dürfte allerdings teuer werden. Die Kosten für den Rückbau werden derzeit auf rund sieben Millionen Euro geschätzt. Damit ist die politische Entscheidung zum Abriss noch nicht gleichbedeutend mit einem unmittelbar bevorstehenden Abbruch. Zwischen der Regionalregierung Andalusiens und Madrid müssen Zuständigkeiten und Finanzierung geklärt werden. Hinzu kommen mögliche rechtliche Auseinandersetzungen.

Ein Geisterhotel mit ungewöhnlicher Geschichte

Das Algarrobico ist längst mehr als ein unvollendetes Hotel. Der Betonkoloss wurde über die Jahre zu einem bekannten Beispiel für die Folgen einer ausufernden Küstenbebauung. Während rundherum eine weitgehend ursprüngliche Landschaft erhalten blieb, dominiert der riesige Gebäudekomplex die Bucht. Sollte der Abriss tatsächlich umgesetzt werden, könnte sich das Bild der Küste grundlegend verändern. Wo heute ein 21-stöckiger Hotelrohbau steht, soll langfristig wieder eine möglichst naturnahe Landschaft entstehen. Nach 23 Jahren könnte damit eines der umstrittensten Bauprojekte Spaniens endgültig vor seinem letzten Kapitel stehen. Ob der Hotelkoloss tatsächlich zeitnah verschwindet, hängt nun jedoch von weiteren politischen und juristischen Entscheidungen ab.

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