Schloss Rothestein öffnet sich als Lost Place

Foto: Asurnipal/CC BY-SA 4.0
Foto: Asurnipal/CC BY-SA 4.0

Bad Sooden-Allendorf. Ein historisches Schloss im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis wird zum besonderen Ziel für Lost-Place-Fotografen: Schloss Rothestein bei Bad Sooden-Allendorf kann im Rahmen organisierter Touren erkundet werden. Während die Sanierung des im 19. Jahrhundert errichteten Bauwerks weiterläuft, erhalten Besucher zeitlich begrenzte Einblicke in Bereiche, die später nicht mehr zugänglich sein werden. Das Interesse an dem ungewöhnlichen Fotomotiv ist groß. Deshalb werden 2026 insgesamt sieben weitere Termine angeboten. Die dreieinhalb Stunden dauernden Veranstaltungen verbinden die Atmosphäre eines verlassenen Schlosses mit einer kontrollierten und begleiteten Besichtigung.

Schloss Rothestein blickt auf lange Geschichte zurück

Der Grundstein für Schloss Rothestein wurde 1891 gelegt. Noch während der Bauarbeiten wechselte das Schloss den Besitzer: 1897 wurde es an den Großindustriellen Louis von Knoop verkauft. Das historische Gebäude prägt bis heute die Landschaft rund um Bad Sooden-Allendorf. Seine gegenwärtige Ausstrahlung entsteht vor allem durch das Zusammenspiel von historischer Architektur, Leerstand und sichtbaren Spuren des Alters. Genau diese Kombination macht das Schloss für die Lost-Place-Szene und für Fotografen interessant.

Einblicke, die nach der Sanierung verschwinden

Die angebotenen Touren verstehen sich ausdrücklich als besondere Gelegenheit während der laufenden Sanierung. Besucher können das Gebäude in einem Zustand erleben, der sich mit den Arbeiten zunehmend verändert. Geführt werden die Teilnehmer durch das historische Schloss. Alternativ ist auch eine eigenständige Besichtigung innerhalb des zugänglichen Bereichs möglich. Damit richtet sich das Angebot nicht nur an klassische Lost-Place-Enthusiasten, sondern ausdrücklich auch an Menschen, die sich für historische Architektur und Fotografie interessieren.

Lost Place mit festen Regeln

Mit dem freien Erkunden eines verlassenen Gebäudes hat die Tour allerdings wenig gemeinsam. Der Zugang erfolgt ausschließlich im Rahmen der angemeldeten Veranstaltungen. Die Veranstalter setzen damit auf einen kontrollierten Umgang mit der historischen Bausubstanz. Festes Schuhwerk, warme Kleidung und eine Taschenlampe gehören zur empfohlenen Ausrüstung. Fotografen sollten außerdem Weitwinkelobjektiv, Stativ, zusätzliche Akkus und ausreichend Speicherkarten mitbringen.

Sieben Termine stehen 2026 noch an

Für 2026 sind noch sieben Lost-Place-Touren vorgesehen. Sie finden am 12. April, 17. Mai, 21. Juni, 6. September, 25. Oktober, 15. November und 13. Dezember statt. Beginn ist jeweils um 11.30 Uhr. Die Teilnahme kostet 55 Euro pro Person. Kinder können ab zwölf Jahren teilnehmen und zahlen ebenfalls den regulären Preis. Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich. Während einer Kaffeepause werden unter anderem Kaffee aus einer regionalen Rösterei, Laugenbrezeln und Müsliriegel angeboten. Hunde dürfen nicht mit auf die Tour.

Fotografieren erlaubt – aber nicht alles

Für Fotografen gelten besondere Bedingungen. Die entstandenen Bilder dürfen ausschließlich privat verwendet werden. Professionelle Shootings mit Models sind während der regulären Lost-Place-Touren nicht gestattet. Auch Drohnenaufnahmen sind grundsätzlich möglich, müssen jedoch vorher angemeldet werden. Voraussetzung ist außerdem ein entsprechender Versicherungsnachweis für die Drohne. Wer das Schloss als exklusive Foto- oder Filmkulisse nutzen möchte, kann dafür separate Angebote in Anspruch nehmen.

Zwischen Lost Place und Denkmal

Schloss Rothestein zeigt beispielhaft, wie sich der Umgang mit historischen Leerständen verändern kann. Statt das Gebäude sich selbst zu überlassen oder den Zugang ungeregelt zu ermöglichen, wird der besondere Zustand des Schlosses kontrolliert erlebbar gemacht. Gerade für Fotografen ist das interessant: Der aktuelle Zustand wird zu einem zeitlich begrenzten Motiv. Mit jedem Sanierungsschritt verändert sich die Atmosphäre – und damit auch das fotografische Bild des Schlosses. Der Reiz des Lost Places liegt somit nicht allein im Verfall. Entscheidend ist der Moment zwischen Vergangenheit und Zukunft, in dem das Gebäude noch Spuren seines früheren Zustands zeigt und gleichzeitig auf eine neue Phase vorbereitet wird.

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