Über viele Jahre hinweg war die alte Mälzerei in Angermünde ein Sorgenkind der Stadtentwicklung – heute ist sie ein architektonisches Highlight und ein gelungenes Beispiel für den behutsamen Umgang mit historischem Erbe. Dank einer aufwändigen Sanierung wurde das markante Industriegebäude am Mündesee in eine moderne Wohn- und Pensionsnutzung überführt, ohne dabei seinen historischen Charakter zu verlieren.
Die Mälzerei, ursprünglich Teil der Brauerei des Unternehmers Franz Pasche, wurde zwischen 1899 und 1900 auf dem geschichtsträchtigen Areal der ehemaligen Burg Angermünde errichtet – direkt am nördlichen Zugang zur Altstadt. Der viergeschossige Sichtziegelbau mit seiner erhöhten Darre war damals wie heute ein Blickfang am Seeufer. In dem markanten Gebäude wurde über Jahrzehnte hinweg Getreide zu Braumalz verarbeitet. Während die Brauerei und angrenzende Bauten später abgetragen wurden, blieb das Speicher- und Mälzerei-Gebäude als seltenes Zeugnis der Industriearchitektur erhalten – inklusive der außergewöhnlichen Darre, die deutschlandweit ihresgleichen sucht.
Nach Aufgabe der Brauerei diente die Mälzerei noch lange Zeit als Lager, bevor sie schließlich leer stand. Verschiedene Konzepte zur Wiederbelebung, unter anderem als Kulturzentrum mit Bibliothek, Museum und Jugendgästehaus, wurden über die Jahre entwickelt, jedoch nicht umgesetzt. 2008 erfolgte zumindest eine Sicherung des Gebäudes, um den weiteren Verfall zu stoppen.
Der entscheidende Durchbruch kam 2016, als private Investoren das Baudenkmal übernahmen. Mit finanzieller Unterstützung aus der Städtebauförderung konnte die Sanierung beginnen. Die ehemalige Mälzerei wurde in barrierefreie Wohnungen und Pensionszimmer umgebaut – und das unter weitgehender Wahrung der historischen Bausubstanz. Besonders die Darre mit ihren imposanten Fenstern wurde originalgetreu erhalten und verleiht dem Gebäude weiterhin seine unverwechselbare Silhouette,
Mit dem Abschluss der Arbeiten ist die letzte große Industriebrache im historischen Zentrum Angermündes verschwunden. Die gelungene Verbindung von Denkmalschutz, Wohnnutzung und touristischer Infrastruktur macht das Gebäude heute zu einem echten Aushängeschild der Stadt. Zwar konnte die geplante Würdigung als „Denkmal des Monats“ durch die Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ coronabedingt nicht als Präsenzveranstaltung stattfinden, doch ein Filmprojekt rückt die Bedeutung des Projekts digital ins Licht.
Begleitet wurde das Vorhaben von der Brandenburgischen Stadterneuerungsgesellschaft (BSG), die die Stadt Angermünde über Jahre hinweg beratend unterstützte und die baufachliche Prüfung übernahm.
Was einst eine verfallende Industriebrache war, ist heute ein lebendiges Denkmal und neuer Anziehungspunkt in der Altstadt – ein Musterbeispiel für gelungene Stadtsanierung im historischen Kontext.
Denkmal des Quartals
Dieses Objekt wurde vom Onlinemagazin rottenplaces.de als „Denkmal des Quartals“ ausgewählt und online sowie im rottenplaces Magazin explizit vorgestellt. Sie möchten dieses Denkmal und die Arbeit der vielen Stiftungen, Organisationen, Vereine, Ehrenamtler usw. unterstützen? Dann finden Sie weitere Informationen zu diesem „Denkmal des Quartals“ über den jeweiligen Link im Artikel.
