Denkmalareal Sayner Hütte (1/2021)

Die Sayner Hütte in Bendorf (Rheinland-Pfalz) blickt auf eine bedeutende Industriegeschichte zurück, die bis ins späte 18. Jahrhundert reicht. Ab 1778 entstanden auf dem Gelände zwei Hochöfen sowie mehrere Hammerwerke, die durch Wasserkraft des Saynbachs betrieben wurden. Die Lage am Hang des Burgbergs ermöglichte eine einfache Beschickung der Hochöfen von oben – ein technischer Vorteil jener Zeit.

1802 übernahm das Herzogtum Nassau die Hütte als Landesdomäne, bevor sie 1815 in preußischen Besitz überging. In dieser Zeit entwickelte sich die Sayner Hütte neben den Hütten in Berlin und Gleiwitz zu einem der drei führenden Standorte für Eisenkunstguss in Preußen. Unter dem Hüttenleiter Franz Moritz wurden zunächst vor allem Bau- und Kriegsmaterialien wie Geschütze gefertigt.

Foto: Marion Halft/CC BY-SA 4.0
Foto: Marion Halft/CC BY-SA 4.0

Ein Wendepunkt kam 1818 mit Carl Ludwig Althans, der die künstlerische Gussproduktion einführte und damit den Ruf der Hütte als Zentrum hochwertiger Eisenkunst festigte. In den folgenden Jahren wurde die Anlage durch neue Gebäude wie ein Lehmformhaus (1818), ein Kanonenbohrwerk (1824) und eine imposante Gießhalle mit Hochofen (1828–1830) erweitert. Letztere gilt als erste Industriehalle in Deutschland mit tragender Gusseisenkonstruktion – ein Meilenstein des Ingenieurbaus.

1865 übernahm Alfred Krupp das gesamte Areal mitsamt der benachbarten Mülhofener Hütte und den Erzgruben in Horhausen. Obwohl noch 1870 eine neue Halle in Sayn errichtet wurde, verlagerte Krupp die Hauptaktivitäten auf die Mülhofener Hütte und schloss 1878 den Sayner Hochofen. 1926 wurde der Betrieb vollständig eingestellt, und ein Jahr später übernahm die Stadt Bendorf die Anlagen.

Ein drohender Abriss wurde 1976 durch den Erwerb durch die Heinrich Strüder AG verhindert. Seitdem engagieren sich Stadt, Initiativen wie der Freundeskreis Sayner Hütte e.V. und das Land Rheinland-Pfalz für den Erhalt des Industriedenkmals. 2010 wurde die Sayner Hütte von der Bundesingenieurkammer als „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ ausgezeichnet.

Foto: Wikipetermann/CC BY-SA 3.0 de
Foto: Wikipetermann/CC BY-SA 3.0 de

Zwischen 2011 und 2014 erfolgte eine umfangreiche und denkmalgerechte Sanierung, die vom Land Rheinland-Pfalz mit mehreren Millionen Euro gefördert wurde. Heute ist die Sayner Hütte nicht nur ein geschütztes Kulturdenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz, sondern auch ein international anerkanntes Kulturgut nach der Haager Konvention. Seit 2012 bemüht sich das Land zudem um die Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste.

Die Sayner Hütte ist damit nicht nur ein beeindruckendes Zeugnis der frühen Industrialisierung, sondern auch ein Ort technischer Innovation, kultureller Identität und lebendiger Geschichte.

Mehr Informationen unter www.saynerhuette.org

Denkmal des Quartals

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