Osterode am Harz. Die Sanierung der historischen Schachtrupp-Villa in Osterode am Harz entwickelt sich zunehmend zu einer finanziellen Herausforderung. Für die weitere Sanierung müssen zusätzliche 750.000 Euro bereitgestellt werden. Die Stadt begründet den erneuten Mehrbedarf mit Verzögerungen im Bauablauf, gestiegenen Material- und Personalkosten sowie zusätzlichen Arbeiten an der historischen Bausubstanz.
Hausschwamm sorgt für hohe Zusatzkosten
Bereits im vergangenen Jahr war der Kostenrahmen deutlich angehoben worden. Bei den Bauarbeiten waren massive Schäden entdeckt worden, die zuvor in diesem Umfang nicht absehbar waren. Besonders schwer wog der Befall mit echtem Hausschwamm. Darüber hinaus mussten Fachwerkbereiche, Deckenkonstruktionen, der Gebäudesockel und der Dachstuhl aufwendig saniert beziehungsweise teilweise erneuert werden. Auch Schadstoffbelastungen führten zu zusätzlichen Arbeiten und Verzögerungen. Die historische Bausubstanz stellt damit weiterhin hohe Anforderungen an Planung, Restaurierung und Bauausführung.
Weitere Kosten nicht ausgeschlossen
Die jetzt benötigten 750.000 Euro gehen laut Stadt nicht auf eine einzelne außergewöhnlich teure Maßnahme zurück. Vielmehr summieren sich Mehrkosten aus verschiedenen Gewerken. Neben den Bauverzögerungen spielen die gestiegenen Einkaufs-, Personal- und Materialkosten sowie zusätzliche Mengen bei einzelnen Bauleistungen eine Rolle. Die Stadt schließt deshalb weitere finanzielle Belastungen ausdrücklich nicht aus. Für das aktuelle Haushaltsjahr sollen die zusätzlichen Mittel zunächst durch eine Umschichtung vorhandener Investitionsmittel bereitgestellt werden.
Aus Villa soll moderne Stadtbibliothek werden
Trotz der Kostenentwicklung hält Osterode am eigentlichen Ziel des Projekts fest. Die denkmalgeschützte Villa soll nach Abschluss der Arbeiten als moderne Stadtbibliothek und Begegnungsort genutzt werden. Geplant sind neben der Bibliotheksnutzung auch Veranstaltungs- und Aufenthaltsbereiche. Das klassizistische Gebäude wurde ab 1819 errichtet und befindet sich seit 1858 im Besitz der Stadt. Seit 2012 wurde die Villa nur noch eingeschränkt genutzt. Mit der Sanierung soll dem historisch bedeutenden Gebäude wieder eine dauerhafte öffentliche Funktion gegeben werden.
Millionenprojekt mit schwieriger Vorgeschichte
Die Kostenentwicklung ist bereits seit mehreren Jahren ein Thema. Ursprünglich wurde für die Sanierung und Umnutzung ein deutlich niedrigerer Betrag angesetzt. 2025 erhöhte die Stadt den Kostenrahmen bereits auf rund 11,37 Millionen Euro, nachdem unter anderem der Hausschwammbefall, denkmalpflegerische Anforderungen und Schadstoffprobleme bekannt geworden waren. Mit der jetzt notwendigen zusätzlichen Finanzierung steigt der finanzielle Druck auf das Projekt erneut. Gleichzeitig sind wesentliche Arbeiten inzwischen weit fortgeschritten. Im Frühjahr 2026 wurden unter anderem die neuen Eichentreppenstufen der zentralen Wendeltreppe fertiggestellt. Auch an der Fassade und der Dachentwässerung wurde gearbeitet.
Gerüst soll bald verschwinden
Trotz der erneuten Kostensteigerung nähert sich die Villa sichtbar ihrer Fertigstellung. Nach Angaben der Stadt soll das Gerüst Anfang September vollständig entfernt werden. Damit wird das Gebäude erstmals seit längerer Zeit wieder weitgehend in seinem erneuerten äußeren Erscheinungsbild sichtbar. Die Sanierung der Schachtrupp-Villa bleibt damit ein Spannungsfeld zwischen Denkmalschutz, steigenden Baukosten und dem Anspruch, ein historisches Gebäude langfristig für die Öffentlichkeit zu erhalten. Für Osterode ist die Villa nicht nur ein kostspieliges Bauprojekt, sondern zugleich ein prägendes Baudenkmal, das künftig als moderner Kultur- und Bildungsort neues Leben erhalten soll.
