Sanierung des Werler Wachturms noch möglich

Foto: rottenplaces Archivfoto
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Werl. Verlassen, beschmiert, mit eingeschlagenen Scheiben – so präsentiert sich derzeit der alte Wachturm auf dem KonWerl-Gelände in Werl. Für das Forstamt Soest-Sauerland ist er ein „Lost Place“ im eigenen Zuständigkeitsbereich. Doch das Bauwerk ist mehr als nur ein Relikt am Rande der Stadt: Es ist ein seltenes Zeugnis der deutschen und europäischen Nachkriegsgeschichte.

Vergessener Zeitzeuge des Kalten Krieges

Der Turm, knapp 250 Meter nördlich des A.T.U-Zentrallagers gelegen, gehörte ursprünglich zum ehemaligen Fliegerhorst Werl. Erbaut in den 1930er-Jahren, diente das Gelände zunächst der Luftwaffe, später den Alliierten und bis in die frühen 1990er-Jahre den belgischen Streitkräften. Besonders brisant: In den 1970er-Jahren wurde der Turm genutzt, um westliche Atomraketen in Werl zu überwachen.

Geplant war, den Turm zu einem „Leuchtturm der Erinnerung“ zu entwickeln – ein Projekt, das 2020 mit Kosten von rund 55.000 Euro skizziert wurde. Neben der Sanierung sollten auch Infotafeln entstehen, die seine Geschichte greifbar machen.

Von der Vision zur Realität?

Doch trotz beantragter Fördermittel, auch aus dem Leader-Programm, ist seither nichts geschehen. Die Pandemie habe die Verwaltungsprozesse stark verzögert, erklärt Anja Starkemeier von der Förderstelle der Stadt. Vorrang hätten bislang Maßnahmen zur Innenstadtentwicklung gehabt, etwa die Sanierung der Fußgängerzone, des Stadthallenumfeldes oder von Schulen.

Ganz aufgegeben sei das Projekt jedoch nicht: „Im Rahmen der Haushaltsplanung 2026 wird die mögliche Sanierung des alten Wachturms erneut geprüft“, so Starkemeier.

Vergleich mit Berlin

Wie groß das Potenzial ist, zeigt der Blick nach Berlin: Dort steht ein baugleicher Turm am Potsdamer Platz. Er wurde 2001 unter Denkmalschutz gestellt, saniert und ist heute eine anerkannte Sehenswürdigkeit. Touristen können dort aus der Perspektive eines DDR-Grenzsoldaten in die Vergangenheit blicken.

Während in Berlin Geschichte erlebbar gemacht wird, verfällt der Werler Turm zusehends. Einst standen mehr als 200 dieser Bauwerke an der Berliner Mauer. Heute existieren nur noch zwei – einer in der Hauptstadt, einer in Werl.

Chance für Tourismus und Stadtgeschichte

Ob der Werler Turm den Weg vom „Lost Place“ zum „Leuchtturm“ findet, hängt nun von politischem Willen, Finanzierung und Bürgerinteresse ab. Die Lage an einer beliebten Radroute – den „Kleeblatt-Strecken“ – könnte ihn zu einem lohnenden Anlaufpunkt machen.

Noch aber bleibt der Turm ein Mahnmal des Stillstands: ein Stück Zeitgeschichte, das auf seine zweite Chance wartet.

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