Marten-Brache soll Wohnquartier werden

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Gütersloh. Die seit Jahren brachliegende Fabrikruine an der Bismarckstraße in Gütersloh könnte vor einem grundlegenden Wandel stehen. Auf dem ehemaligen Marten-Gelände soll ein neues Wohnquartier entstehen. Nach längerem Stillstand haben Stadt und Investor ihre Gespräche wieder aufgenommen. Nun soll die Gütersloher Politik den Weg für ein städtebauliches Auswahlverfahren freimachen. Geplant ist eine sogenannte Mehrfachbeauftragung. Fünf gemeinsam von Stadt und Investor ausgewählte Architektenteams sollen Konzepte für das Areal entwickeln. Eine Jury soll die Entwürfe anschließend bewerten und eine Empfehlung für die weitere Planung aussprechen. Das Verfahren soll bewusst auch die Öffentlichkeit einbeziehen. Erste Zwischenstände sind für Ende November 2026 und Anfang März 2027 vorgesehen.

Wohnraum für unterschiedliche Generationen

Vorgesehen ist überwiegend Geschosswohnungsbau mit unterschiedlichen Wohnungsgrößen. Familien, Berufstätige, Senioren, Studierende und gemeinschaftliche Wohnformen sollen berücksichtigt werden. Ein Drittel der Wohnungen soll als geförderter beziehungsweise förderfähiger Wohnraum entstehen. Die Gebäude sollen überwiegend drei bis vier Vollgeschosse umfassen. An einzelnen Stellen könnten bis zu fünf Geschosse zugelassen werden. Entlang der Moltkestraße ist eine niedrigere Bebauung vorgesehen.

Grün, Klimaschutz und Mobilität im Fokus

Bei der Entwicklung soll nicht ausschließlich neuer Wohnraum entstehen. Die Stadt verlangt auch eine starke Durchgrünung des Quartiers, öffentliche beziehungsweise teilöffentliche Wege sowie einen Quartiersplatz mit Aufenthaltsbereichen und Kinderspielplatz. Photovoltaikanlagen sollen verpflichtend werden, zusätzlich sind begrünte Dächer und gegebenenfalls Fassaden vorgesehen. Auch der Schutz der am Standort vorkommenden Mauersegler soll berücksichtigt werden. Bei der Mobilität stehen unter anderem Radverkehr, öffentlicher Nahverkehr, Elektromobilität und Stellplätze auf der Agenda.

Geschichte der Ruine soll sichtbar bleiben

Von der früheren Fabrik soll trotz der geplanten Neubebauung etwas erhalten bleiben. Teile der historischen Bausubstanz werden grundsätzlich als erinnerungswürdig betrachtet. Eine vollständige Erhaltung der maroden Gebäude gilt allerdings offenbar nicht als realistisch. Stattdessen sollen Spuren und Bezüge zur Geschichte des Standorts in die neue Architektur einfließen – ohne dass das künftige Wohnquartier zu einem reinen Museumsstandort wird.

Vom Lost Place zum neuen Stadtquartier?

Die Marten-Brache gilt seit Jahren als markanter Lost Place mitten in Gütersloh. Die verfallene Fabrikanlage hat sich längst selbst überlassen und ist inzwischen auch zum Rückzugsraum für Tiere geworden. Mit dem geplanten Verfahren könnte nun die entscheidende Wende bevorstehen. Ob aus der bekannten Ruine tatsächlich ein modernes, grünes und sozial gemischtes Wohnquartier entsteht, soll sich in den kommenden Monaten zeigen. Voraussetzung ist zunächst die Zustimmung der Gütersloher Politik zum geplanten Auswahlverfahren.

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