Kaum Chancen für das Kinderkrankenhaus Weißensee

Foto: Tobias Balzer/CC BY-SA 3.0
Foto: Tobias Balzer/CC BY-SA 3.0

Berlin. Einst ein Leuchtturmprojekt der Kindermedizin, heute ein kostspieliges Sorgenkind des Bezirks: Das ehemalige Kinderkrankenhaus Weißensee steht seit über 25 Jahren leer – und die Zukunft des historischen Areals ist ungewisser denn je. Trotz zahlreicher Ideen und Planungen bleibt das Gelände an der Hansastraße ein Ort des Stillstands, belastet von Millionenkosten und politischen Zielkonflikten.

Das unter Denkmalschutz stehende Areal wurde 1911 als erstes kommunales Säuglings- und Kinderkrankenhaus Preußens eröffnet, entworfen vom renommierten Gemeindebaurat Carl James Bühring. Es galt einst als Modellprojekt moderner Kindermedizin. Nach seiner Schließung im Jahr 1997 verwandelte sich das einstige Vorzeigeobjekt in ein verfallendes Mahnmal missglückter Stadtentwicklungspolitik.

Gescheiterte Visionen: Schulcampus und Krebszentrum

Zahlreiche Nachnutzungskonzepte für die Klinik sind seitdem gescheitert. In den 2000er Jahren sollte das Areal in ein Krebsforschungszentrum umgewandelt werden – vergeblich. Auch die Idee, die Gebäude für Verwaltungszwecke oder einen modernen Schulcampus zu nutzen, zerschlug sich unter dem Druck explodierender Baukosten und fehlender finanzieller Spielräume. Der jüngste Versuch aus dem Jahr 2019, ein Bildungszentrum für bis zu 900 Schüler mit Sporthalle zu errichten, wurde 2024 offiziell begraben. Die Sanierungskosten von rund 20 Millionen Euro für die denkmalgeschützte Substanz sowie weitere 70 Millionen für Neubauten machten das Projekt für den Bezirk Pankow untragbar.

„Es gibt kein Geld für Sonderlösungen wie Weißensee“, erklärte Bildungsstadtrat Jörn Pasternack (CDU) gegenüber der Berliner Morgenpost – eine klare Absage an das Prestigeprojekt. Stattdessen sollen dringend benötigte Schulplätze an anderen, günstigeren Standorten entstehen.

Lost Place mit Sicherheitsrisiken

Während die politische Debatte stagniert, schreitet der Verfall unaufhaltsam voran. Die leerstehenden Gebäude sind inzwischen ein beliebtes Ziel für sogenannte Urban Explorer, werden regelmäßig von Vandalismus, Bränden und Graffiti heimgesucht. Das Gelände gilt als „Lost Place“ mit erheblichen Sicherheitsrisiken. Allein die Kosten für Bewachung und Notmaßnahmen zur Absicherung belaufen sich laut Bezirksamt auf rund 1,1 Millionen Euro jährlich – ohne dass eine konkrete Perspektive in Sicht ist.
Wohnungsbau als Rettung? Neue Nutzungsoptionen in Prüfung

Angesichts der verfahrenen Lage denkt das Bezirksamt inzwischen laut über neue Wege nach. Selbst Optionen, die früher als Tabu galten, stehen zur Debatte – darunter eine Kombination aus Schulbau und Wohnnutzung. Stadtrat Pasternack bringt sogar einen Teilverkauf an private Investoren ins Spiel, sofern die Entwicklung verantwortungsvoll gestaltet werde. Ein Modell, bei dem Wohnungsbau die immensen Sanierungskosten abfedert, könnte zum Rettungsanker für das Areal werden.

Kritik an Investorenlösung: Denkmalschutz in Gefahr?

Doch eine mögliche Privatisierung ruft Kritik hervor. Die SPD im Bezirk warnt vor einer Entwicklung, bei der Investoren vor allem Renditeinteressen verfolgen und der Denkmalschutz ins Hintertreffen gerät. Schon das Scheitern früherer Projekte sei auf fragwürdige Investorenwahl zurückzuführen gewesen, so die Mahnung aus der Opposition.

Ein umfassendes Gutachten von 2023 unter dem damaligen Baustadtrat Cornelius Bechtler (Die Grünen) hatte verschiedene Entwicklungsszenarien skizziert – darunter zwei L-förmige Neubauten im denkmalgeschützten Parkbereich sowie eine Sanierung der alten Klinikgebäude für Verwaltungsnutzung. Die prognostizierten Gesamtkosten lagen bei bis zu 150 Millionen Euro – damals noch als tragfähig eingeschätzt, angesichts teurerer Alternativen zur Schulflächengewinnung.

Doch mit der angespannten Haushaltslage des Berliner Senats hat sich das Blatt gewendet. Große Infrastrukturprojekte werden zurückgestellt, Sanierungsvorhaben verschoben. Für das Kinderkrankenhaus Weißensee könnte das erneut das Aus bedeuten – und damit den endgültigen Verfall eines architektonischen und historischen Erbes in Kauf nehmen.

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