Besseringen. Am Ortsrand von Besseringen, einem Stadtteil von Merzig, steht mit dem Haus Sonnenwald ein Gebäudekomplex, der über Jahrzehnte als Erholungsheim des Sozialverbands VdK genutzt wurde. Seit 2013 ist die Einrichtung geschlossen, Anfang 2016 übernahm die Stadt Merzig das inzwischen leerstehende Objekt. Seitdem wartet das Haus auf eine neue Perspektive. Der Leerstand hat Spuren hinterlassen. Aus dem einstigen Erholungsheim wurde ein Problemobjekt, dessen Zukunft lange unklar war. Doch inzwischen zeichnet sich eine neue Entwicklung ab.
Investor soll das Haus wiederbeleben
Die Stadt hatte ein Interessenbekundungsverfahren durchgeführt und schließlich der ACT Projekt GmbH & Co. KG den Zuschlag erteilt. Ausschlaggebend war neben dem Kaufpreis vor allem das vorgelegte Nutzungskonzept. Dieses sieht vor, den Gebäudekomplex weitgehend in seiner ursprünglichen Form zu erhalten und den historischen Charakter mit modernen und nachhaltigen Elementen zu verbinden. Geplant sind vor allem Ferienwohnungen und Fremdenzimmer, ergänzt durch Wohneigentum. Hinzu kommen Gastronomie, Seminar- und Tagungsräume sowie Wellness-, Fitness-, Abenteuer- und Freizeitangebote. Auch die Außenanlagen sollen neu gestaltet werden.
Bebauungsplan schafft die Grundlage
Damit aus den Plänen Realität werden kann, war zunächst eine planungsrechtliche Hürde zu überwinden. Das Haus liegt im unbeplanten Außenbereich. Deshalb musste ein vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt werden. Der Merziger Stadtrat brachte das Verfahren bereits 2024 auf den Weg und beschloss 2025 die öffentliche Beteiligung. Die dafür erforderlichen Unterlagen umfassen ein rund 2,1 Hektar großes Plangebiet. Auch der notwendige Durchführungsvertrag zur Revitalisierung des leerstehenden Gebäudes wurde vorbereitet. Er regelt unter anderem die Verpflichtungen des Vorhabenträgers und ist Voraussetzung für den Satzungsbeschluss des Bebauungsplans.
Jetzt ist der Verkauf beschlossen
Im September 2026 stand das Haus Sonnenwald erneut auf der Tagesordnung des Merziger Stadtrates – diesmal im Zusammenhang mit dem Verkauf beziehungsweise dem Interessenbekundungsverfahren. Die Stadt führt das Objekt damit aus der kommunalen Verantwortung in eine neue Entwicklungsphase. Der Schritt beendet eine jahrelange Hängepartie. Nach Angaben aus dem städtischen Umfeld konnte das Haus inzwischen an eine Investorengemeinschaft veräußert werden. Vorgesehen sind Ferienwohnungen, ergänzendes bezahlbares Wohneigentum, Gastronomie sowie Abenteuer- und Freizeitangebote. Die Stadt geht davon aus, dass im kommenden Jahr die konkrete Planung beginnen kann.
Vom Lost Place zur neuen Adresse?
Das Haus Sonnenwald ist damit noch lange nicht gerettet. Zwischen einem Nutzungskonzept auf dem Papier und einer tatsächlich sanierten Immobilie liegen bei einem seit rund zehn Jahren leerstehenden Gebäudekomplex erhebliche planerische, finanzielle und bauliche Herausforderungen. Trotzdem hat sich die Ausgangslage grundlegend verändert. Aus einem jahrelangen Leerstand soll wieder ein genutzter Ort werden. Für Besseringen wäre das mehr als eine Sanierung: Ein weithin sichtbares Problemobjekt könnte wieder Teil des örtlichen Lebens werden.
Das Beispiel zeigt zugleich, wie lang der Weg vom Lost Place zur Nachnutzung sein kann. Erst wenn Eigentum, Finanzierung, Baurecht und Nutzung zusammenpassen, bekommt ein leerstehendes Gebäude tatsächlich eine zweite Chance.
