Großsanierung des Tanklagers beginnt

Foto: Robert Zindel, STRABAG Umwelttechnik GmbH
Foto: Robert Zindel, STRABAG Umwelttechnik GmbH

Bremen-Farge. Jahrzehntelang wurden im ehemaligen Tanklager Bremen-Farge große Mengen Kraftstoff gelagert und umgeschlagen. Die Spuren dieser militärischen Nutzung sind bis heute im Boden und Grundwasser sichtbar. Nun beginnt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) mit einem der aufwendigsten Altlastensanierungsprojekte des Bundes. Im Mittelpunkt steht zunächst der ehemalige Verladebahnhof II. Dort werden rund 185.000 Kubikmeter belastetes Erdreich ausgehoben, gereinigt und anschließend wieder eingebaut. Die Arbeiten haben im Februar 2026 begonnen und sollen voraussichtlich rund zwei Jahre dauern. Die Kosten werden auf etwa 17,5 Millionen Euro geschätzt.

Eine Altlast mit enormen Dimensionen

Das Tanklager Farge gehört zu den größten ehemaligen Militär-Tanklagern Deutschlands. Die Anlage wurde zwischen 1935 und 1943 errichtet und verfügte über 78 Tanks mit einer Gesamtkapazität von mehr als 300.000 Kubikmetern. Zunächst diente das unterirdische Tanklager der Wehrmacht. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen die US-Streitkräfte den Standort, später wurde er von der Bundeswehr genutzt. Über Jahrzehnte wurden dort Kraftstoffe gelagert, umgeschlagen und über Rohrleitungen weitertransportiert. Die intensive Nutzung hinterließ entsprechende Spuren. Heute muss der Bund die Altlasten beseitigen, die über Jahrzehnte im Untergrund entstanden sind.

Bis zu 16 Meter tief wird der Boden ausgehoben

Die aktuellen Arbeiten konzentrieren sich auf eine rund 7.900 Quadratmeter große Fläche am ehemaligen Verladebahnhof II. Der Boden wird dort teilweise bis zu 16 Meter tief ausgehoben. Bis Mitte Juli waren nach Angaben der BImA bereits rund 94.000 Kubikmeter Erdreich bewegt worden. Das belastete Material wird nicht einfach abtransportiert und entsorgt. Es wird in einer speziellen Aufbereitungsanlage im Bremer Industriehafen gereinigt. Anschließend kann das aufbereitete Material wieder auf dem Gelände eingebaut werden. Damit verfolgt die BImA das Ziel, die eigentliche Schadstoffquelle direkt im Untergrund zu beseitigen.

Schadstofffahne reicht bis zur Unterweser

Besonders problematisch ist die Belastung des Grundwassers. Nach Angaben der BImA reichen die Schadstoffe im Bereich des Verladebahnhofs II bis zu 30 Meter tief in den Untergrund. Die Belastungsfahne erstreckt sich über rund einen Kilometer in Richtung Unterweser. Damit geht es bei der Sanierung nicht lediglich um die Wiederherstellung eines belasteten Grundstücks. Auch der Schutz des Grundwassers spielt eine zentrale Rolle. Neun Förderbrunnen pumpen deshalb belastetes Grundwasser aus dem Untergrund. Das Wasser wird anschließend in einer speziellen Reinigungsanlage behandelt, bevor es wieder in den natürlichen Wasserkreislauf gelangen kann.

Neue Reinigungsanlage schützt das Grundwasser

Die zusätzliche Grundwasserreinigung wurde Ende Juni 2026 in Betrieb genommen. Sie soll verhindern, dass während der umfangreichen Erdarbeiten weitere Schadstoffe in das Grundwasser gelangen. Gleichzeitig bleibt eine bereits seit 2010 betriebene Sanierungsanlage aktiv. Sie hat nach Angaben der BImA bislang rund 130 Tonnen Kraftstoffphase aus dem Grundwasser entfernt. Damit laufen Bodenaustausch und Grundwassersanierung parallel. Die Behörden wollen so verhindern, dass die massive Belastung aus dem historischen Tankbetrieb weiter in Richtung Unterweser wandert.

Das Tanklager war einst ein unterirdischer Rekordbau

Die Dimensionen der heutigen Sanierung spiegeln die ursprüngliche Größe der Anlage wider. Das Tanklager Bremen-Farge galt als das größte künstlich angelegte unterirdische Tanklager der Welt. 78 Tanks boten zusammen mehr als 300.000 Kubikmeter Fassungsvermögen. Dazu kamen Verladebahnhöfe, Abfüllanlagen und ein weit verzweigtes Rohrleitungssystem. Die unterirdische Konstruktion machte die Anlage während des Zweiten Weltkriegs zu einem wichtigen Bestandteil der deutschen Treibstoffversorgung. Nach 1945 setzte sich die militärische Nutzung fort. Erst im Laufe des 21. Jahrhunderts begann der endgültige Rückzug aus dem Gelände.

2016 begann die vollständige Stilllegung

Die Bundeswehr gab das Tanklager bereits 2013 auf. Anschließend ging die Verantwortung auf die BImA über. Die eigentliche Stilllegungsphase begann 2015. Seitdem werden die technischen Anlagen schrittweise zurückgebaut und kontaminierte Bereiche saniert. Bereits in den vergangenen Jahren wurden einzelne Teile des Areals bearbeitet. Dazu gehörte unter anderem die ehemalige Ölpier an der Weser. Die jetzt gestartete Bodensanierung stellt jedoch einen besonders großen Schritt dar. Mit dem Austausch des belasteten Erdreichs soll die zentrale Schadstoffquelle am Verladebahnhof II beseitigt werden.

Auch die Kriegsgeschichte steckt im Untergrund

Das Tanklager ist nicht nur mit Altlasten belastet. Die militärische Vergangenheit bedeutet auch eine mögliche Gefahr durch Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Gelände wurde während des Krieges bombardiert. Auch Jahrzehnte später wurden bei Arbeiten wiederholt Kampfmittel gefunden. Die Sanierung muss deshalb unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen erfolgen. Erdarbeiten auf ehemaligen Militärflächen können jederzeit auf Überreste der Kriegszeit stoßen. Damit verbindet sich auf dem Gelände eine doppelte Hinterlassenschaft: Schadstoffe aus dem jahrzehntelangen Umgang mit Kraftstoffen und mögliche Kampfmittel aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Bund übernimmt Verantwortung für historische Altlast

Für die BImA ist das Projekt Teil ihrer Verantwortung für ehemalige Bundesliegenschaften. Vorstandsmitglied Dorothee Martin bezeichnete Farge als einen Ort, der die Lasten der Geschichte trage. Mit dem Bodenaustausch soll nun der entscheidende Schritt von einer bloßen Sicherung hin zu einer dauerhaften Beseitigung der Schadstoffquelle erfolgen. Die Sanierung ist damit auch ein Beispiel dafür, welche langfristigen Kosten militärische Hinterlassenschaften verursachen können. Zwischen der ursprünglichen Nutzung und der vollständigen Beseitigung der Folgen liegen Jahrzehnte.

17,5 Millionen Euro für die Sanierung

Die aktuellen Arbeiten sind mit einem erheblichen finanziellen Aufwand verbunden. Die Kosten werden derzeit auf etwa 17,5 Millionen Euro veranschlagt. Die Arbeiten sollen rund zwei Jahre dauern. Dabei wird nicht nur eine gewaltige Menge Erdreich bewegt. Auch die Aufbereitung des Bodens, die Grundwasserförderung und die laufende Kontrolle der Schadstoffsituation sind Bestandteil des komplexen Projekts. Für die zuständigen Behörden ist deshalb eine kontinuierliche Überwachung erforderlich.

Was aus dem 320 Hektar großen Gelände wird

Die Sanierung wirft zugleich die Frage nach der langfristigen Zukunft des ehemaligen Tanklagers auf. Das gesamte Areal umfasst rund 320 Hektar. Große Teile liegen in einem Wasser- und Landschaftsschutzgebiet. Ursprünglich war für die Fläche vor allem eine forstwirtschaftliche Nutzung vorgesehen. Inzwischen wird allerdings geprüft, ob das ehemalige Militärgelände künftig als strategische Reserve für die Bundeswehr erhalten bleiben soll. Eine endgültige Entscheidung über die zukünftige Nutzung steht noch aus. Damit könnte das Gelände trotz Stilllegung und Sanierung auch künftig eine sicherheitspolitische Bedeutung behalten.

Von der militärischen Infrastruktur zum Sanierungsfall

Das Tanklager Farge erzählt damit eine ungewöhnliche Geschichte deutscher Militär- und Umweltgeschichte. Was einst als gigantischer unterirdischer Treibstoffspeicher für militärische Zwecke errichtet wurde, wurde über Jahrzehnte weiter genutzt. Heute muss der Bund Millionen investieren, um die Folgen dieser Nutzung zu beseitigen. Die Dimensionen sind enorm: 185.000 Kubikmeter Boden, Schadstoffe in bis zu 30 Metern Tiefe, eine Grundwasserbelastung über rund einen Kilometer und ein Sanierungszeitraum von etwa zwei Jahren.

Die Altlasten verschwinden nicht über Nacht

Mit dem Beginn der Bodensanierung ist das Problem nicht sofort gelöst. Die aktuelle Maßnahme konzentriert sich zunächst auf einen besonders belasteten Bereich. Parallel müssen Grundwasser und Untergrund weiterhin überwacht und gereinigt werden. Die Geschichte des Tanklagers zeigt damit eindrucksvoll, wie lange industrielle und militärische Altlasten nachwirken können. Der Bund versucht nun, die Schadstoffquelle Schritt für Schritt aus dem Untergrund zu entfernen. Aus dem einstigen Rekordbauwerk unter der Erde wird damit eine der größten Altlastenbaustellen des Bundes – und zugleich ein Beispiel dafür, wie teuer die Hinterlassenschaften jahrzehntelanger militärischer Nutzung werden können.

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