Förderzusage für Brikettfabrik in Zeitz

Foto: Dguendel/CC BY 4.0
Foto: Dguendel/CC BY 4.0

Zeitz. Die historische Brikettfabrik Herrmannschacht in Zeitz kann aufatmen: Für dringend notwendige Sanierungsarbeiten an dem einzigartigen Industriedenkmal sind nun Fördermittel bewilligt worden. Bund und Land Sachsen-Anhalt übernehmen gemeinsam 95 Prozent der Baukosten. Damit ist der Weg frei für die Erhaltung eines der ältesten erhaltenen Brikettwerke Deutschlands.

Industriekultur mit einzigartiger Geschichte

Die Wurzeln des Herrmannschachts reichen bis in die 1870er und 1880er Jahre zurück. Ursprünglich als Nasspressstein-Fabrik errichtet, entwickelte sich die Anlage wenig später zu einer Brikettfabrik. Ihr Hauptzweck bestand zunächst darin, die bereits bestehende Zuckerfabrik in Zeitz zuverlässig mit Energie zu versorgen. Unternehmer Richard Herrmann ließ dafür nahegelegene Braunkohlefelder erschließen. Die geförderte Kohle wurde über eine Seilbahn direkt zur Fabrik transportiert und dort zu Briketts verarbeitet. Durch diese Veredelung konnte der Brennwert deutlich gesteigert werden.

Nach der Stilllegung im Jahr 1959 wurde die Anlage bereits zwei Jahre später unter Denkmalschutz gestellt. Heute gilt der Herrmannschacht als eines der ältesten noch erhaltenen Zeugnisse der frühen Brikettindustrie und besitzt eine herausragende Bedeutung für die Industrie- und Bergbaugeschichte Mitteldeutschlands.

Dringender Sanierungsbedarf am historischen Areal

Seit vielen Jahren engagieren sich die Stadt Zeitz und der Mitteldeutsche Umwelt- und Technikpark e.V. (MUT) für den Erhalt der historischen Anlage. Doch zahlreiche Gebäudeteile weisen inzwischen erhebliche Schäden auf, sodass umfangreiche Sanierungsmaßnahmen notwendig geworden sind. Um den langfristigen Erhalt sicherzustellen, stellte die Stadt Zeitz einen Förderantrag im Bundesprogramm „InKult“. Das Programm unterstützt die Sicherung und Umgestaltung bedeutender Industrieanlagen zu lebendigen Kulturdenkmälern in den ehemaligen Kohleregionen.

Im Mittelpunkt der aktuellen Baumaßnahme stehen das Heizhaus und der sogenannte Heinzelmann. Beide Bauwerke sollen grundlegend instand gesetzt werden.

Fast eine Million Euro für Bauarbeiten

Die veranschlagten Baukosten belaufen sich auf rund 959.000 Euro. Im Heizhaus sind Arbeiten an Fundamenten, Wänden, Decken sowie an Dach, Fenstern und Türen vorgesehen. Auch die technische Infrastruktur wird modernisiert. Beim Heinzelmann werden die Punktfundamente, die Stahlkonstruktion sowie Wände, Decken und Dach saniert. Zusätzlich erfolgt die Erneuerung der elektrischen Anlagen in beiden Gebäudeteilen. Die Finanzierung ist nun gesichert: Der Bund übernimmt 90 Prozent der Kosten, das Land Sachsen-Anhalt weitere fünf Prozent. Den verbleibenden Eigenanteil trägt die Stadt Zeitz.

Stadt Zeitz sieht wichtigen Erfolg für die Industriekultur

Oberbürgermeister Christian Thieme bezeichnet die Brikettfabrik Herrmannschacht als zentrale Plattform der Industriekultur im südlichen Sachsen-Anhalt. Das Areal veranschauliche die Geschichte des mitteldeutschen Braunkohlebergbaus auf einzigartige Weise und sei ein unverzichtbarer Bestandteil des kulturellen Erbes der Region. Auch im Rathaus wird die Förderzusage als wichtiger Meilenstein gewertet. Maria Fischer, Sachgebietsleiterin für Kultur und Tourismus der Stadt Zeitz, zeigte sich erleichtert über die Bewilligung der Mittel. Nun könnten die dringend notwendigen Arbeiten umgesetzt und die Geschichte des Standorts dauerhaft gesichert werden.

Bauarbeiten sollen bis Ende 2027 abgeschlossen sein

Nach den aktuellen Planungen soll die Umsetzung des entsprechenden Stadtratsbeschlusses aus dem Jahr 2025 zeitnah beginnen. Läuft alles nach Plan, könnten die Bauarbeiten bis Dezember 2027 abgeschlossen werden. Die jetzt bewilligte Maßnahme erfolgt unabhängig von einer ursprünglich vorgesehenen umfassenden Gesamtsanierung des Herrmannschachts. Dieses größere Vorhaben sollte mit Strukturwandelmitteln finanziert werden, wurde jedoch aufgrund der gestiegenen Kosten zunächst zurückgestellt.

Mit der nun gesicherten Förderung erhält Zeitz dennoch die Möglichkeit, zentrale Teile des bedeutenden Industriedenkmals zu bewahren und für kommende Generationen zugänglich zu machen.

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