Hamburg. Der Elbtower sollte das neue architektonische Wahrzeichen der Hamburger HafenCity werden. Stattdessen prägt seit fast drei Jahren eine unvollendete Bauruine das Stadtbild am östlichen Eingang des Quartiers. Nachdem die Signa-Gruppe des österreichischen Immobilienunternehmers René Benko im Herbst 2023 Insolvenz anmelden musste, kamen die Bauarbeiten abrupt zum Erliegen. Seitdem steht der Rohbau mit einer Höhe von rund 100 Metern still – geplant waren ursprünglich 245 Meter.
Bis heute ist ungewiss, wann das Bauprojekt fortgesetzt werden kann. Zwar laufen weiterhin Verhandlungen zwischen dem Insolvenzverwalter und einem Investorenkonsortium unter Führung des Hamburger Projektentwicklers Dieter Becken, doch ein endgültiger Abschluss ist weiterhin nicht in Sicht.
Investoren verhandeln weiter über den Kauf des Elbtowers
Bereits Ende 2024 war bekannt geworden, dass dem potenziellen Käufer eine Exklusivitätsvereinbarung für den Erwerb des Elbtowers eingeräumt wurde. Nach Angaben des Projektentwicklers dauern die Gespräche unverändert an. Zudem wurde eine Verlängerung dieser Vereinbarung beantragt, was darauf hindeutet, dass die komplexen Verhandlungen weiterhin Zeit benötigen. Ein konkreter Zeitplan für den Verkauf oder einen möglichen Neustart der Bauarbeiten existiert derzeit nicht. Solange keine Einigung erzielt wird, bleibt eines der ambitioniertesten Hochhausprojekte Deutschlands im Schwebezustand.
Rund um den Elbtower macht sich der Verfall bemerkbar
Während über die Zukunft des Hochhauses verhandelt wird, verschlechtert sich nach Ansicht von Lokalpolitikern der Zustand des gesamten Umfelds. Auf den angrenzenden Flächen stehen weiterhin Baucontainer, eine inzwischen stark verschmutzte Musterfassade des Elbtowers und ein seit Jahren leerstehendes ehemaliges Zollgebäude. Hinzu kommen ungepflegte Freiflächen mit wildem Bewuchs, Müll und einem insgesamt verwahrlosten Erscheinungsbild. Kritiker sprechen inzwischen von einem deutlichen Imageverlust für die HafenCity. Wo einst ein städtebauliches Vorzeigeprojekt entstehen sollte, hinterlässt der Baustillstand zunehmend den Eindruck eines aufgegebenen Areals.
Verantwortlichkeiten bleiben kompliziert
Die Eigentums- und Zuständigkeitsverhältnisse erschweren die Situation zusätzlich. Das Grundstück gegenüber der Baustelle gehört zwar der HafenCity Hamburg GmbH, wurde jedoch im Rahmen des Bauprojekts dem damaligen Bauherrn zur Nutzung überlassen. Aufgrund des laufenden Insolvenzverfahrens liegt die Verantwortung für diese Flächen derzeit weiterhin beim Insolvenzverwalter. Von dessen Seite gibt es allerdings keine öffentlichen Aussagen zum Stand der Verkaufsverhandlungen. Damit bleibt offen, wann sich an der Situation vor Ort etwas ändern wird.
Historisches Zollgebäude wartet auf neue Nutzung
Besonders ins Auge fällt das ehemalige Zollgebäude aus rotem Klinker, das seit Jahren leer steht und zunehmend verfällt. Ursprünglich war vorgesehen, das Gebäude nach dem Erwerb des Grundstücks abzubrechen. Zwischenzeitlich wurde jedoch erwogen, die Immobilie als Informationszentrum für den Elbtower zu nutzen. Da das Hochhausprojekt seit Jahren stagniert, ist auch die Zukunft des denkmalprägenden Gebäudes ungeklärt. Aus der Kommunalpolitik kommt inzwischen der Vorschlag, das Haus vorübergehend für kulturelle oder kreative Nutzungen bereitzustellen, um Leerstand und Verfall entgegenzuwirken.
Baustellen sorgen zusätzlich für Verkehrsprobleme
Nicht nur die Bauruine selbst sorgt für Kritik. Auch die aktuelle Verkehrsführung rund um die Elbbrücken belastet Anwohner, Pendler und Besucher. Wegen einer Baustelle ist ein wichtiger Gehweg gesperrt, Radfahrer werden auf die Fahrbahn umgeleitet und Fußgänger müssen erhebliche Umwege in Kauf nehmen. Besonders problematisch ist die Situation für mobilitätseingeschränkte Menschen, die die S-Bahn-Station Elbbrücken erreichen möchten. Der barrierefreie Zugang ist ausschließlich über den benachbarten U-Bahnhof möglich und erfordert mehrere Umwege sowie die Nutzung verschiedener Aufzüge.
Barrierefreier Zugang bleibt an Fertigstellung des Elbtowers gekoppelt
Nach Angaben der Deutschen Bahn wird sich an dieser Situation vorerst nichts ändern. Der ursprünglich geplante barrierefreie Zugang auf der Seite des S-Bahnsteigs ist Bestandteil der Gesamtplanung des Elbtower-Areals und soll erst mit der Fertigstellung des Hochhauses sowie eines gemeinsamen Bahnhofsvorplatzes entstehen. Da jedoch weder der Verkauf des Projekts noch eine Wiederaufnahme der Bauarbeiten feststehen, dürfte auch diese wichtige Infrastrukturmaßnahme noch über Jahre auf sich warten lassen.
Forderungen nach einer Aufwertung des Quartiers werden lauter
Angesichts des langanhaltenden Stillstands wächst der politische Druck auf die Verantwortlichen. Kommunalpolitiker fordern, sich nicht ausschließlich auf die Zukunft des Hochhauses zu konzentrieren, sondern bereits jetzt das Umfeld aufzuwerten. Dazu gehören eine bessere Pflege der Freiflächen, eine attraktivere Nutzung leerstehender Gebäude sowie Verbesserungen bei Verkehr und Barrierefreiheit.
Der Elbtower ist längst mehr als eine unvollendete Baustelle. Das Projekt entwickelt sich zunehmend zu einem Symbol für die Folgen der Signa-Insolvenz und zeigt, wie weitreichend ein gestopptes Großvorhaben die Entwicklung eines gesamten Stadtquartiers beeinflussen kann. Solange keine Entscheidung über den Weiterbau fällt, dürfte die Bauruine eines der sichtbarsten Probleme der Hamburger Stadtentwicklung bleiben.
