Ehemaliges MaK-Gelände wird Forschungsstandort

Foto: Matthias Süßen/CC BY-SA 4.0
Foto: Matthias Süßen/CC BY-SA 4.0

Kiel. Auf dem ehemaligen Werksgelände von Maschinenbau Kiel (MaK) in Kiel-Friedrichsort beginnt ein neues Kapitel. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat dort am 14. September 2026 einen neuen Standort seines Instituts für Maritime Technologien und Antriebssysteme offiziell eröffnet. Auf mehr als 4.200 Quadratmetern Gebäude- und Hallenfläche sowie rund 1.200 Quadratmetern Außenfläche soll künftig an klimaverträglichen maritimen Technologien geforscht werden. Damit erhält ein traditionsreiches Industrieareal eine neue Funktion. Aus einem Standort des klassischen Maschinen- und Schiffbaus wird ein Forschungszentrum für alternative Kraftstoffe, Energiespeicher und moderne Schiffsantriebe.

Mehr als ein Jahrhundert Industriegeschichte

Das Areal in Kiel-Friedrichsort blickt auf eine mehr als 100-jährige industrielle Vergangenheit zurück. MaK gehörte über Jahrzehnte zu den bekannten Namen des deutschen Maschinen- und Schiffbaus. Das Unternehmen fertigte unter anderem Schiffsdieselmotoren und Lokomotiven und prägte damit die industrielle Entwicklung Kiels. Die Geschichte des Standorts war von zahlreichen Veränderungen geprägt. Unternehmensteile wechselten den Eigentümer, Produktionsbereiche wurden umstrukturiert und schließlich auf verschiedene Standorte verteilt. Die großen Zeiten des klassischen MaK-Werks in Friedrichsort gingen damit nach und nach zu Ende. Dass Teile der vorhandenen Gebäude heute weiter genutzt werden, bewahrt zumindest einen Teil dieser Industriegeschichte.

DLR setzt auf vorhandene Bausubstanz

Für die neue Nutzung müssen die historischen Strukturen nicht vollständig verschwinden. Das DLR nutzt bestehende Gebäude und Einrichtungen weiter und passt sie an die Anforderungen der Forschung an. Nach Angaben des Forschungszentrums trägt diese Vorgehensweise zu einem ressourcenschonenden Umgang mit der vorhandenen Bausubstanz bei. Gerade für ehemalige Industrieareale ist dieser Ansatz bemerkenswert. Statt eine komplette Neuordnung mit Abriss und Neubau zu verfolgen, wird ein Teil der vorhandenen Infrastruktur in eine neue industrielle und wissenschaftliche Nutzung überführt. Das ehemalige MaK-Gelände wird damit nicht zum klassischen Lost Place. Es bleibt ein Arbeitsort – allerdings mit einer völlig anderen Aufgabe.

Foto: DLR/Frank Peter
Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla und Minister Claus Ruhe Madsen eröffnen den DLR-Standort Kiel; Foto: DLR/Frank Peter

Forschung für klimaverträgliche Schiffe

Im Mittelpunkt der neuen DLR-Nutzung stehen maritime Energiesysteme. Geforscht wird unter anderem an alternativen Kraftstoffen, Energiespeichern und Antriebstechnologien. Bereits heute laufen Versuche zu Methanol als Schiffskraftstoff sowie zu hybriden Energiesystemen, die Brennstoffzellen und Batterien miteinander verbinden. In den kommenden Jahren sollen die Forschungsflächen weiter ausgebaut werden. Geplant sind unter anderem vier Testhallen für Energiewandler und Energiespeicher sowie Labore für Batterieforschung, Materialuntersuchungen, Stromnetze, Elektrotechnik und maritime Messtechnik.

Vom Maschinenbau zur maritimen Forschung

Besonders interessant ist die Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft. MaK stand für den Bau leistungsfähiger Maschinen und Schiffsmotoren. Heute geht es auf demselben historischen Industrieareal darum, neue Antriebssysteme für Schiffe zu entwickeln und unter realistischen Bedingungen zu erproben. Der maritime Charakter des Standorts bleibt damit erhalten – nur die Technologie verändert sich. Direkt südlich der Forschungshalle befindet sich ein rund 200 Meter langer Kai an der Kieler Förde. Dort soll künftig die seegängige DLR-Technologieplattform MODULARIS anlegen. Technologien können zunächst an Land getestet und anschließend unter realen Bedingungen auf See erprobt werden.

Ein Industrieareal bekommt eine neue Perspektive

Die Entwicklung in Kiel-Friedrichsort zeigt, wie sich ehemalige Industriestandorte verändern können. Wo früher Motoren und Maschinen produziert wurden, entstehen nun Forschungseinrichtungen für die maritime Energiewende. Dabei bleibt die industrielle Prägung des Ortes erhalten. Hallen, Außenflächen und der direkte Zugang zur Förde sind weiterhin Teil des Nutzungskonzepts. Das ehemalige MaK-Gelände wird damit nicht zum Museum und auch nicht zur Ruine. Es wird zu einem Industrie- und Forschungscampus für Wasserstoff und nachhaltige Anwendungen weiterentwickelt.

Kein Lost Place – sondern ein neuer Anfang

Für die Industriekultur ist dieser Wandel besonders interessant. Viele ehemalige Produktionsstandorte verschwinden nach dem Ende ihrer ursprünglichen Nutzung vollständig oder werden zu verlassenen Industriearealen. In Friedrichsort ist der Weg ein anderer. Die industrielle Vergangenheit bleibt als bauliche Grundlage erhalten, während eine neue Generation von Technologien einzieht. Aus dem MaK-Gelände wird damit kein stiller Erinnerungsort, sondern ein aktiver Forschungsstandort. Die Maschinenbaugeschichte des Areals endet – die maritime Nutzung aber bleibt.

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