Taucha. Die Parthestadt hat einen entscheidenden Schritt zur Wiederbelebung der brachliegenden Westvorstadt getan: Der Stadtrat verabschiedete am Donnerstagabend einstimmig den ergänzenden Abwägungsbeschluss zum Bebauungsplan Nr. 67a „Westvorstadt 1“. Damit erhält die Umwandlung der einstigen Pelzfabrik an der Freiligrathstraße in ein urbanes Wohn- und Gewerbequartier endgültig Rückenwind.
Auf dem rund ein Hektar großen Gelände, das heute von verfallenen Hallen, offenen Brachflächen und dem markanten Turm geprägt ist, will der Investor Brockhaus Traumfabrik GmbH die denkmalgeschützten Gebäude erhalten und schrittweise zu einem gemischten Quartier entwickeln. Das Turmhaus bildet den Auftakt: Die Baugenehmigung liegt vor, Käufer sichern derzeit beim Notar die steuerlichen Vorteile aus der Denkmalabschreibung. Der Baustart ist für Anfang des kommenden Jahres angesetzt.
Planung in Etappen – Altlasten und Artenschutz berücksichtigt
Die Stadt hatte die großflächige „Westvorstadt“-Planung zuvor in mehrere Abschnitte geteilt. Der nun beschlossene Bebauungsplan umfasst den südlichen Bereich des historischen Fabrikensembles und weist ihn als Urbanes Gebiet aus – Wohnen und Dienstleistungen sollen entstehen, einzelne Gewerbeflächen bleiben gesichert. Nach intensiver Behörden- und Öffentlichkeitsbeteiligung flossen zahlreiche Hinweise ein, etwa zu Denkmalschutz, Artenschutz und Lärmschutz.
Altlastenuntersuchungen bescheinigen dem Areal eine Wohnnutzung, wenn Bauarbeiten fachlich begleitet und belastete Auffüllbereiche überwacht werden. Artenschutzgutachten stellten Fledermausquartiere und Nistplätze fest, die im Zuge von Rückbaumaßnahmen verloren gehen. Der Bebauungsplan verpflichtet daher zu Ersatzquartieren in den sanierten Gebäuden.
Lärmschutz und Entwässerung nachjustiert
Zwischen Bundesstraße, Straßenbahn und Bahnlinie gelegen, erfordert das Quartier erhöhte Schallschutzmaßnahmen. Diese werden als verbindliche Auflagen in den späteren Bauanträgen verankert.
Auch das Entwässerungskonzept musste überarbeitet werden: Da Versickerung nicht möglich ist, sorgen nun eine unterirdische Rückhalteanlage und ein Retentions-Kiesdach für genügend Speichervolumen. Das Regenwasser wird gedrosselt in den Kanal abgegeben.
Start mit dem Turmhaus – langjährige Entwicklung angepeilt
Mit dem Stadtratsbeschluss kann die Traumfabrik das erste Leuchtturmprojekt angehen. Der historische Turm, eines der markantesten Gebäude des Areals, ist laut Investor bereits auf große Nachfrage gestoßen. Parallel laufen die Planungen für die weiteren Bauten, für die der Bebauungsplan nun die rechtliche Grundlage schafft.
Nach mehr als einem Jahrzehnt Leerstand, mehrfachen Bränden und einer wechselhaften Geschichte von Pelzbetrieb über Munitionsfertigung bis hin zu DDR-Zeltbau soll das Areal nun ein neues Kapitel beginnen. Die Sanierung des Turmhauses wird als erstes sichtbares Zeichen der Transformation gelten – die vollständige Entwicklung des Quartiers wird sich jedoch über Jahre strecken.
