Wiesbaden. Auf dem Gelände der ehemaligen Carl-von-Ossietzky-Schule in Wiesbaden-Klarenthal soll ein neues Wohnquartier entstehen. Unter dem Namen „CarlO“ planen die Landeshauptstadt Wiesbaden und die GLS ImmoWert, eine Tochtergesellschaft der GLS Bank, rund 270 genossenschaftlich organisierte Wohnungen. Ergänzend sind Flächen für Kultur, soziale Angebote und nachbarschaftliche Begegnungen vorgesehen. Eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichneten beide Partner auf der Immobilienmesse Expo Real.
Genossenschaftliches Wohnen als langfristiges Modell
Das Konzept setzt auf eine gemeinschaftliche Finanzierung und dauerhaft gesicherte Wohnverhältnisse. Künftige Bewohner sollen Mitglied einer Genossenschaft werden und über ihre Geschäftsanteile zur Finanzierung des Projekts beitragen. Im Gegenzug erhalten sie ein dauerhaftes Wohnrecht. Die Kostenstruktur soll langfristig tragfähig gestaltet werden, um bezahlbaren Wohnraum zu ermöglichen. Die Stadt verbindet mit dem Projekt das Ziel, neue Wege einer gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung zu erproben. „CarlO“ gehört zu den fünf sogenannten Experimentierräumen, in denen Wiesbaden nachhaltige und sozial ausgerichtete Quartierskonzepte entwickeln will.
Alte Bausubstanz soll möglichst erhalten bleiben
Das Areal liegt südlich der Ernst-von-Harnack-Straße inmitten der Ernst-May-Wohnsiedlung. Prägend sind das ungewöhnlich wabenförmige Schulgebäude sowie weitläufige Grün- und Spielflächen mit teilweise altem Baumbestand. Anders als bei einer vollständigen Neubebauung soll die vorhandene Bausubstanz so weit wie möglich erhalten und weiterentwickelt werden. Damit will die Stadt auch bereits investierte Ressourcen und sogenannte graue Energie berücksichtigen.

Baubeginn frühestens 2029
Bis zur Umsetzung sind noch wichtige Fragen zu klären. Dazu zählen die konkrete Ausgestaltung der Genossenschaft und die Entscheidung, ob das Grundstück verkauft oder im Erbbaurecht langfristig überlassen wird. Anschließend müssen weitere Planungs- und Genehmigungsschritte durchlaufen werden. Der Baubeginn ist derzeit für das zweite Quartal 2029 vorgesehen.
Mit „CarlO“ soll aus einem ehemaligen Schulstandort ein Wohnquartier werden, das Wohnen, soziale Infrastruktur und gemeinschaftliches Leben miteinander verbindet. Ob das Vorhaben die Erwartungen an bezahlbaren Wohnraum und nachhaltiges Bauen erfüllt, wird sich allerdings erst in der weiteren Planung und später im Betrieb zeigen.
