Im Ortsteil Ramsbeck der Gemeinde Bestwig befindet sich ein bedeutendes Zeugnis der sauerländischen Industriegeschichte: das ehemalige Erzbergwerk Ramsbeck. Nachdem der Bergbaubetrieb im Jahr 1975 endgültig eingestellt wurde, erfolgte bereits 1974 die Umwandlung eines Teils der Anlage in ein Besucherbergwerk. Heute ist das sogenannte Sauerländer Besucherbergwerk ein lebendiges Museum, das Einblicke in die Vergangenheit des regionalen Erzabbaus bietet.





Die moderne Dauerausstellung, die zwischen 2013 und 2015 komplett neu gestaltet wurde, ist im historischen Kauen- und Verwaltungsgebäude von 1953 untergebracht. Hier wird die Geschichte des Blei- und Zinkabbaus in Ramsbeck und im umliegenden Sauerland anschaulich präsentiert – unter anderem mit historischen Maschinen, umfangreichen Mineraliensammlungen, interaktiven Stationen zum Ausprobieren sowie einem Film, der den Alltag der Bergleute beleuchtet.





Ein besonderes Erlebnis bietet die Fahrt mit der originalen Grubenbahn: Besucher werden mit erfahrenen Bergleuten rund 1,3 Kilometer tief in den Berg transportiert – bis zu 300 Meter unter Tage. Dort berichten ehemalige Kumpel aus erster Hand über ihre Arbeit im Stollen und erklären anschaulich die Techniken des Erzabbaus. Eines der eindrucksvollsten Ausstellungsstücke ist die einst weltgrößte Untertagefördertrommel, die direkt vor Ort besichtigt werden kann.

Die Geschichte des Bergwerks reicht bis in das Jahr 1850 zurück. Damals begann man auf einem rund 250 Kilometer umfassenden Streckennetz mit dem industriellen Abbau von Blei-Zink-Erzen. In den ersten Jahrzehnten entwickelte sich das Bergwerk unter der Leitung des renommierten Fachmanns von Beust und im Besitz des Rheinisch-Westfälischen Bergwerksvereins zum größten Industrieunternehmen im Sauerland. Bereits 1853 waren dort über 770 Arbeiter beschäftigt.



Doch der wirtschaftliche Höhenflug endete abrupt: Ein großer Finanzskandal erschütterte die Region, was in den folgenden Jahren zu erheblichen Verlusten und einem drastischen Personalabbau führte. Zwischen den 1860er und 1880er Jahren sank die Belegschaft von etwa 1.800 auf rund 1.300 Arbeiter.

Auch wenn Ramsbeck weiter ein bedeutender Arbeitgeber blieb, setzte sich der Strukturwandel fort. Unter Direktor Carl Haber wurden in den späten 1870er Jahren moderne Bohrmaschinen eingeführt und alte Anlagen durch neue ersetzt. Gleichzeitig wurden unwirtschaftliche Gruben geschlossen – mit weiteren Einbußen bei den Arbeitsplätzen. Im Jahr 1913 arbeiteten nur noch 500 Kumpel im Ramsbecker Revier.


Nach dem Ersten Weltkrieg erreichte die Beschäftigung im Jahr 1920 mit unter 300 Arbeitern einen historischen Tiefpunkt. Erst Mitte der 1920er Jahre erholte sich der Betrieb wieder. In der Zeit des Nationalsozialismus kam es im Zuge der Autarkiepolitik nochmals zu einem Aufschwung, bevor der Abbau schließlich 1975 endgültig eingestellt wurde.

Seitdem hat sich Ramsbeck von einem klassischen Industriestandort zu einem attraktiven Erholungsort entwickelt. Mit dem Besucherbergwerk bleibt die bewegte Geschichte des Erzabbaus lebendig – ein lohnendes Ziel für alle, die sich für regionale Industriekultur und Bergbaugeschichte interessieren.
Infos für Besucher
Sauerlaender-Besucherbergwerk
Glück-Auf Str. 3, 59909 Bestwig
Koordinaten: 51°18’55.2″N 8°24’09.0″E
www.sauerlaender-besucherbergwerk.de
