Versteckt in den Wäldern bei Massow im Landkreis Dahme-Spreewald liegt ein ehemaliger Militärstandort, dessen Geschichte eng mit dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR verbunden ist. Hier befand sich seit etwa 1960 das Kommando 3 des Wachregiments „Feliks Dzierzynski“. Das Areal war Teil eines rund 49 Quadratkilometer großen militärisch genutzten Bereichs und gehörte damit zu den wichtigsten Standorten des Regiments. Das Wachregiment war kein gewöhnlicher NVA-Verband. Es unterstand dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) und übernahm unter anderem die Bewachung und Sicherung wichtiger Staats- und Parteieinrichtungen sowie besonderer militärischer Anlagen.

Ausbildung mitten im Wald
Massow war vor allem ein Ausbildungs- und Sicherungsstandort. Auf dem Gelände befanden sich Kasernen, Schießanlagen, technische Einrichtungen und weitere Infrastruktur. Die Soldaten absolvierten hier ihre Grundausbildung und trainierten unter anderem den Umgang mit militärischer Technik. Auch zentrale Schießstände des Wachregiments befanden sich in Massow. Das abgeschirmte Gelände bot dafür ideale Voraussetzungen. Weitläufige Waldflächen ermöglichten Übungen abseits der Öffentlichkeit. Die militärische Nutzung hinterließ dabei deutliche Spuren in der Landschaft.



Verbindungen zu geheimen MfS-Objekten
Eine besondere Funktion hatte das Kommando 3 bei der Sicherung verschiedener geheimer Einrichtungen. In Massow wurde unter anderem Wachpersonal für Funkobjekte in Zeesen, Wernsdorf und Gosen stationiert. Auch für den Außenbereich der Untersuchungshaftanstalt des MfS in Berlin-Hohenschönhausen wurden Kräfte bereitgestellt. Damit war Massow Bestandteil eines weit verzweigten Sicherungssystems der Staatssicherheit.

Internationale Ausbildung im Stasi-Gelände
Die Geschichte des Standortes reicht zudem über die DDR hinaus. Berichten zufolge wurden auf dem Gelände auch ausländische Kader aus befreundeten Staaten ausgebildet. Dazu gehörten unter anderem Angehörige aus Irak, Äthiopien und Libyen sowie Mitglieder der PLO. Besonders ungewöhnlich ist die Überlieferung, dass auch Offiziere des damaligen irakischen Staatschefs Saddam Hussein in Massow ausgebildet worden sein sollen. Das abgeschottete Gelände diente damit nicht ausschließlich der Ausbildung eigener Wachkräfte.

Bunker und verborgene Infrastruktur
Zum ehemaligen Standort gehörten auch geschützte Anlagen unter der Erde. Auf dem Gelände befanden sich unter anderem ein Stabsbunker sowie ein weiterer Bunker für die rückwärtigen Dienste des Wachregiments. Solche Anlagen waren Bestandteil der umfangreichen Infrastruktur, die den Standort weitgehend autark machte. Neben Kasernen und militärischen Einrichtungen gab es unter anderem ein Kultur- und Veranstaltungshaus, eine Poliklinik, Verkaufsstellen, einen Speisesaal und eine Kasernenküche. Der Standort war damit weit mehr als eine einfache Kaserne.


Ende der Staatssicherheit – Ende des Standorts
Mit der politischen Wende in der DDR änderte sich auch die Zukunft des Massower Areals. Das Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ wurde 1990 aufgelöst. Damit verlor der Standort seine ursprüngliche militärische Funktion. In den folgenden Jahren wurden Teile des Geländes gewerblich genutzt. Aus ehemaligen militärischen Gebäuden entstanden unter anderem ein Rasthof, Hotels und eine Reha-Klinik. Auch eine Tankstelle und eine Kfz-Werkstatt siedelten sich an. Andere Gebäude blieben dagegen ungenutzt und verfielen zunehmend.

Vom Stasi-Standort zum Lost Place
Heute vermittelt das ehemalige Kasernengelände ein ungewöhnliches Bild. Zwischen Waldflächen und inzwischen überwucherten Freiflächen stehen noch Gebäude aus der militärischen Vergangenheit. Manche Bereiche wurden einer neuen Nutzung zugeführt, andere verschwanden oder verfielen. Damit ist Massow ein typischer Lost Place der DDR-Militärgeschichte – allerdings einer mit einer außergewöhnlich brisanten Vergangenheit. Die Natur hat inzwischen große Teile des einst streng abgeschirmten Militärgeländes zurückerobert. Nach dem Ende der militärischen Nutzung wurden große Bereiche sogar als FFH-Schutzgebiet ausgewiesen. Die durch die frühere Nutzung entstandenen Heide- und Offenflächen sollen dort als Lebensräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten erhalten werden.

Der umstrittene Gedenkstein
Wie schwierig der Umgang mit der Geschichte des Ortes ist, zeigte sich 2012. Ehemalige Angehörige des Wachregiments ließen vor einem damaligen Hotel auf dem Gelände einen Gedenkstein aufstellen. Die Inschrift erinnerte an das Wachregiment „F. E. Dzierzynski“ und dessen Zeit in Massow. Nach öffentlichen Protesten wurde der Stein bereits wenige Tage später wieder entfernt. Kritiker sahen darin eine unangemessene Verherrlichung beziehungsweise Verharmlosung einer Formation des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit. Der Vorfall machte bundesweit deutlich, wie umstritten die Erinnerung an das Wachregiment bis heute ist.

Ein Lost Place zwischen Natur und Diktaturgeschichte
Das ehemalige Wachregiment-Gelände in Massow ist damit weit mehr als eine Ansammlung verlassener Gebäude. Hinter den überwucherten Kasernen, Schießanlagen und Bunkern verbirgt sich ein Kapitel der DDR-Geheimdienst- und Militärgeschichte. Für Lost-Places-Fotografen ist der Standort deshalb besonders faszinierend. Gleichzeitig verlangt die Geschichte des Ortes eine kritische Betrachtung. Die Ruinen erzählen nicht nur von einer vergangenen militärischen Nutzung, sondern auch von einem Staat, dessen Sicherheitsapparat politische Gegner überwachte und Repression ausübte.
Heute wächst zwischen den Relikten des einstigen Sperrgebiets wieder Wald. Wo früher das Wachregiment des MfS trainierte, erobert sich die Natur zunehmend das Gelände zurück.
