An der Saydaer Straße in Altchemnitz entstand Anfang des 20. Jahrhunderts das Gaswerk III, nachdem die vorhandenen Chemnitzer Gasanstalten den wachsenden Bedarf der Stadt nicht mehr decken konnten. Die Planungen und Bauunterlagen reichen bis 1911/1912 zurück; 1913 nahm das neue Gaswerk die Produktion auf. Im Gaswerk wurde zunächst aus Steinkohle Stadtgas hergestellt. Die Anlage versorgte nicht nur Haushalte, sondern auch die zunehmende Zahl der Gaslaternen in Chemnitz. Über Jahrzehnte war der Standort damit ein wichtiger Bestandteil der städtischen Energieversorgung. Auch ein eigener Gleisanschluss gehörte zur Infrastruktur des Werks.

Die historische Bedeutung des Areals wird heute durch zahlreiche Unterlagen im Sächsischen Staatsarchiv dokumentiert. Erhalten sind unter anderem Bauzeichnungen, Pläne des Ofenhauses sowie Unterlagen zu verschiedenen technischen Anlagen.

1973 endet die Gasproduktion
Nach rund sechs Jahrzehnten wurde das Gaswerk III 1973 stillgelegt. Teile des Standorts wurden anschließend noch anderweitig genutzt, während die eigentliche Gasproduktion endgültig Geschichte war. In den 1990er-Jahren begann der großflächige Abbruch von Gebäuden und technischen Anlagen.
Für Lost-Place-Fotografen wurde das weitläufige Gelände später zu einem besonderen Motiv. Hallen, technische Einrichtungen und verbliebene Gebäudeteile vermittelten noch lange einen Eindruck vom früheren Gaswerksbetrieb. Der markante Behälterturm, der einst das Areal prägte, wurde allerdings bereits 1998 gesprengt. Weitere Gebäude verschwanden später.





Altlasten erschweren die Nachnutzung
Die industrielle Vergangenheit hinterließ auch ein ökologisches Erbe. Untersuchungen wiesen typische Schadstoffe ehemaliger Gaswerke nach, darunter Benzol, BTEX, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und Phenole. Teilweise waren auch erhebliche Belastungen des Grundwassers vorhanden. Deshalb wurde das Gelände umfangreich untersucht und saniert.

Denkmalgeschützte Reste bleiben erhalten
Vom einstigen Gaswerk ist heute nur noch ein kleiner Teil erhalten. Unter Denkmalschutz stehen unter anderem das Gaswerk an der Saydaer Straße 10, eine Verdichterstation sowie zwei ehemalige Beamtenwohnhäuser. Die Denkmalpflege hebt insbesondere die einheitliche Gestaltung der um 1910 entstandenen Funktionsbauten hervor.
Damit ist das Gaswerk III längst kein klassischer Lost Place mehr, sondern ein historischer Industrie- und Versorgungskomplex, dessen verbliebene Bausubstanz an die Entwicklung der Chemnitzer Energieversorgung erinnert. Gleichzeitig wird der Standort für neue Energietechnik interessant: Planungen der Stadt beziehungsweise des regionalen Energieversorgers sehen dort perspektivisch auch Anlagen zur Erzeugung und Speicherung von grünem Wasserstoff vor.
