Fla-Raketenstellung Klosterfelde

Nordwestlich von Klosterfelde, heute ein Ortsteil der Gemeinde Wandlitz, liegen die Überreste einer ehemaligen militärischen Anlage, die jahrzehntelang streng abgeschirmt war. Die Fla-Raketenabteilung 4123 der Nationalen Volksarmee (NVA) war hier stationiert. Für die Zivilbevölkerung war der militärische Komplex im Wald praktisch unsichtbar. Heute sind von der Anlage nur noch Ruinen und überwachsene Relikte erhalten. Die FRA 4123 gehörte zur 41. Fla-Raketenbrigade „Hermann Duncker“ mit Stab in Ladeburg bei Bernau. Die Brigade war Teil der Luftverteidigung der DDR und dem Schutz des Berliner Raumes zugeordnet.

S-75 Wolchow statt Waldidylle

In den 1970er-Jahren bis zum Ende der DDR war die Stellung mit dem sowjetischen Flugabwehrraketensystem S-75 Wolchow ausgerüstet. Die Feuerstellung bestand aus mehreren befestigten Positionen für die Startrampen sowie Einrichtungen für Feuerleitung und technische Systeme. Die Raketen konnten auf Transport-Ladefahrzeugen zur Startbatterie gebracht werden. Die eigentliche Feuerstellung war dabei nur ein Teil des militärischen Standortes. Typisch für die Fla-Raketenabteilungen waren getrennte Bereiche für Unterkunft und Verwaltung, technische Anlagen sowie Gefechtsstand und Feuerstellung. In Klosterfelde existierten ältere und später modernisierte Bereiche der Anlage.

Bereit für den Ernstfall

Der Standort war Bestandteil eines komplexen Systems der DDR-Luftverteidigung. Die Fla-Raketenbrigaden sollten mögliche Luftziele erfassen, verfolgen und bekämpfen. Die verschiedenen Raketenstellungen waren dabei nicht isoliert voneinander zu betrachten, sondern in ein übergeordnetes Führungssystem eingebunden. Gerade diese militärische Funktion erklärt die abgeschiedene Lage. Die Feuerstellung wurde bewusst in einem bewaldeten Gebiet angelegt und sollte aus der Luft möglichst schwer auszumachen sein. Unterstände und Gebäude wurden teilweise in Erdhügel integriert und mit Tarnmaßnahmen versehen.

Das Ende kam mit dem Kalten Krieg

Mit dem Ende der DDR und dem Zusammenbruch der militärischen Blockkonfrontation verlor die Anlage ihre Funktion. Die FRA 4123 wurde aufgegeben, die militärische Infrastruktur blieb zurück. Bereits historische Dokumentationen aus den frühen 2000er-Jahren zeigen den zunehmenden Verfall der Gebäude. 2012 wurde das verlassene Gelände sogar Schauplatz des Urban-Art-Festivals „artbase“. Künstler nutzten die ehemalige Militäranlage als ungewöhnliche Kulisse und verwandelten Teile der verlassenen Infrastruktur mit Graffiti und Installationen. Das Gelände ist heute allerdings nicht mehr öffentlich zugänglich.

Ruinen einer verschwundenen Militärwelt

Von der einstigen Einsatzbereitschaft ist heute wenig geblieben. Beton, Erdwälle, überwucherte Wege und verfallende Gebäude erinnern an eine Zeit, in der hier jederzeit ein militärischer Ernstfall vorbereitet werden musste. Die Natur hat die einst streng kontrollierte Anlage inzwischen weitgehend zurückerobert. Die Feuerstellung Klosterfelde ist damit mehr als ein weiterer verlassener Militärstandort. Sie dokumentiert die Architektur und Infrastruktur des Kalten Krieges – und erzählt zugleich davon, wie schnell ein hochsensibler militärischer Komplex nach dem Ende seiner politischen Bedeutung selbst zum Relikt werden kann.

Wo einst Raketen auf ihren Einsatz warteten, wachsen heute Bäume über Beton und Bunker. Der Kalte Krieg ist vorbei – seine Hinterlassenschaften liegen noch immer im märkischen Wald.

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