Zufallsfund im Keller wird archäologische Sensation

Berlin. Ein unscheinbarer Kellerfund in Berlin-Spandau hat sich als wissenschaftlicher Glücksfall entpuppt. Mehrere Kisten mit archäologischen Objekten, die ein Bürger bereits 2006 aus einem Hauskeller in Kladow geborgen und jahrelang aufbewahrt hatte, wurden nun eindeutig einer seit über 120 Jahren verschollenen Sammlung aus Sachsen-Anhalt zugeordnet. Nach der Übergabe an das Stadtgeschichtliche Museum Spandau gelang es Fachleuten, die Herkunft der Stücke zu rekonstruieren und ihren ursprünglichen wissenschaftlichen Kontext wiederherzustellen.

Verschollene Sammlung Hagemann wiederentdeckt

Die Provenienzforschung führte die Objekte zurück zur sogenannten Sammlung Hagemann aus Naumburg. Diese geht auf den Archäologiestudenten Arnold Hagemann zurück, der bis etwa 1910 in der Region Naumburg Ausgrabungen durchführte. Teile seiner Funde waren bereits früher an das damalige Provinzialmuseum in Halle gelangt, während der Verbleib weiterer Stücke über Jahrzehnte ungeklärt blieb. Genau diese Lücke konnte nun geschlossen werden.

Archäologische Funde bis zu 5.000 Jahre alt

Das wiederentdeckte Konvolut umfasst Scherben, Knochen, Bronzeobjekte sowie ein Steinbeil. Die ältesten Stücke sind rund 5.000 Jahre alt und stammen damit aus der Jungsteinzeit. Besonders bedeutend sind Funde aus einem Steinkammergrab in Lißdorf im heutigen Burgenlandkreis, darunter Bronzegegenstände, die sich konkreten Grab- und Fundkontexten zuordnen lassen.

Zusammenarbeit macht Rekonstruktion möglich

Die Zuordnung der Sammlung gelang durch die enge Zusammenarbeit zwischen dem Stadtgeschichtlichen Museum Spandau, dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt sowie der Provenienzforschung. Alte Beschriftungen, Aufkleber und handschriftliche Notizen auf den Kisten lieferten entscheidende Hinweise für die Rekonstruktion der Herkunft. So konnte der Weg der Objekte nach mehr als einem Jahrhundert wieder nachvollzogen werden.

Rückkehr in den wissenschaftlichen Kontext

Inzwischen wurden die Objekte an die archäologische Sammlung des Landes Sachsen-Anhalt übergeben. Dort sollen sie künftig wissenschaftlich ausgewertet und in ihren historischen Zusammenhang eingeordnet werden. Der Fall gilt als Beispiel dafür, wie historische Sammlungen durch Zufallsfunde, Bürgerengagement und moderne Provenienzforschung wieder zusammengeführt werden können – und wie bedeutende archäologische Erkenntnisse auch nach über 100 Jahren noch neu erschlossen werden können.

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