Kühlungsborn. Die Villa Baltic in Kühlungsborn steht vor einem neuen Kapitel. Die Stadt will den denkmalgeschützten Prunkbau an der Ostsee von den bisherigen Eigentümern zurückkaufen und anschließend selbst entwickeln. Damit endet vorerst der Versuch privater Investoren, das seit Jahrzehnten leerstehende Gebäude wiederzubeleben. Die neobarocke Villa wurde 1910 bis 1912 errichtet und gehört zu den markanten historischen Gebäuden Kühlungsborns. Nach der Wende verfiel das Gebäude zunehmend. 2019 erwarben die Brüder Jan und Berend Aschenbeck die Villa für zwei Millionen Euro und entwickelten zahlreiche Nutzungsideen. 2021 favorisierte die Stadt ein Konzept mit Hotel und ergänzenden Nutzungen.
Trotz Bürgerbeteiligung, Workshops, eines Architektenwettbewerbs und zugesagter Förderperspektiven kam das Projekt nicht zur Umsetzung. Nach Angaben der Investoren scheiterte die Entwicklung letztlich an politischen Auseinandersetzungen und wechselnden Mehrheiten. Die Stadt bewertet die Situation anders und verweist auf ein inzwischen eigenes Konzept.
Nun soll die Villa wieder in kommunale Hand gelangen. Vorgesehen sind unter anderem ein Heimatmuseum, Gastronomie, Veranstaltungen, Kultur- und Verwaltungsnutzungen. Auch ein Kurhaus mit Veranstaltungssaal ist Teil der aktuellen Überlegungen. Die Stadt möchte für die Entwicklung Fördermittel einsetzen und prüft zusätzliche Finanzierungsmodelle.
Vom einstigen Glanz ist im Inneren nur noch viel historische Substanz übrig. Das beschädigte Glasdach lässt Regen eindringen, Putz bröckelt, Graffiti und Vandalismusschäden prägen zahlreiche Räume. Dennoch sind originale Details wie Fliesen und Wandverkleidungen erhalten.
Ob die Villa tatsächlich aus ihrem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf erwacht, muss sich nun zeigen. Sicher ist nur: Der bekannte Lost Place an der Kühlungsborner Promenade soll nicht länger dem Verfall überlassen bleiben.
