Königs Wusterhausen. In Königs Wusterhausen hat am Montag, dem 4. August, der schrittweise Abriss von Riedels Gasthof begonnen – ein Ort mit über 100 Jahren Geschichte, der vielen Einwohnern als Kultstätte in Erinnerung geblieben ist. Passend zum Wetter, das sich an diesem Tag grau und regnerisch zeigte, begannen Bauarbeiter mit der Sicherung der Baustelle und stellten erste Container für Bauschutt bereit.
Langsamer Rückbau statt spektakulärem Abriss
Ein kompletter Abriss auf einen Schlag ist nicht zu erwarten. Laut der PSD Bank Berlin-Brandenburg, zu der die Eigentümergesellschaft Riedels Neue Mühle GmbH gehört, wird der Rückbau über mehrere Monate hinweg erfolgen. Gefahrenstoffe könnten beim Abtragen der Mauern zutage treten und müssten gesichert werden. Der eigentliche Abriss beginnt erst nach der vollständigen Räumung des Gebäudes.
Pläne für Neubebauung liegen derzeit auf Eis
Die Bank hatte ursprünglich vor, auf dem Gelände an der Schleuse ein Wohnquartier mit Gastronomie im kleineren Stil zu errichten. Doch die politischen Reaktionen auf den Abriss sorgten für erheblichen Gegenwind. Die Stadtverordnetenversammlung von Königs Wusterhausen beschloss kurzerhand einen eigenen Bebauungsplan für das Areal – und entzog damit der PSD-Bank-Tochter weitgehend die Planungshoheit. Ob und wann die angedachten Neubauten tatsächlich umgesetzt werden, ist unklar.
Eine lange Geschichte endet leise
Riedels Gasthof war einst ein beliebtes Ausflugslokal – vor allem in den 1920er- und 30er-Jahren florierte der Betrieb. Während der DDR-Zeit wurde das Gebäude verstaatlicht und diente als Gaststätte und Tanzlokal. Nach der Wende begann der langsame Verfall. Schon in den 1990ern musste der Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt werden.
Der nun beginnende Abriss markiert das Ende einer Ära. Was an seine Stelle tritt, steht – trotz ambitionierter Pläne – weiter in den Sternen.
