Historische Villa Tull in Dortmund vor dem Abriss

Dortmund. Mehr als ein Jahrhundert lang prägte sie das Stadtbild im Dortmunder Süden: die Villa Tull. Einst als repräsentativer Wohnsitz für den Direktor des Hörder Hüttenwerks errichtet, steht das Gebäude heute vor dem Abriss. Die Villa, 1893 im klassizistischen Stil erbaut, hat ihre einstige Eleganz längst verloren und ist inzwischen zur Ruine verkommen.

Was früher mit feinem Stuck, eleganten Erkern und großzügigem Wohnraum Eindruck machte, ist heute nur noch ein Schatten seiner selbst. Zerbrochene Fensterscheiben, provisorisch mit Holzplatten vernagelt, Graffiti an den Wänden und umherliegender Müll machen deutlich: Der Glanz vergangener Zeiten ist verflogen. Die Stadt Dortmund spricht mittlerweile offen von einer „Ruine“, deren Bausubstanz stark beschädigt sei.

Jahrelanger Stillstand nach Insolvenz und Streit

Die Geschichte des Verfalls begann vor einigen Jahren. Damals gab es Pläne für eine Sanierung oder Umnutzung der Villa. Doch durch die Insolvenz der damaligen Investorengruppe sowie rechtliche Auseinandersetzungen innerhalb dieser kam das Vorhaben vollständig zum Erliegen. Die Stadt Dortmund betont, dass sie stets an einer Entwicklung des Standorts interessiert war, letztlich jedoch lange Zeit machtlos blieb.

Neuer Eigentümer will Neubeginn

Mit dem Einstieg der B.H. Holding – einem Immobilienunternehmen, dem unter anderem die Einzelhandelskette Tedi gehört – scheint nun Bewegung in das Vorhaben zu kommen. Die Holding mit Sitz in Bönen ist seit einiger Zeit Eigentümerin der Immobilie. Ein Bauantrag, der seit August vorliegt und derzeit geprüft wird, sieht den Abriss der alten Villa und einen Neubau vor.

Die Gründe für den Abriss liegen laut Stadt sowohl in der stark geschädigten Gebäudesubstanz als auch im fehlenden Baurecht: Für die Villa existiert keine gültige Baugenehmigung mehr. Auch wirtschaftlich sei eine Sanierung für die neue Eigentümerin nicht tragbar, so die Einschätzung der Stadt.

Kritik an fehlendem Denkmalschutz

Widerstand kommt vom Hörder Heimatverein. Dessen langjähriger Vorsitzender Willi Garth kritisiert, dass die Villa nie unter Denkmalschutz gestellt wurde – trotz ihrer historischen Bedeutung. Er habe mehrfach Anläufe unternommen, um das Gebäude zu erhalten. Doch seiner Ansicht nach habe es bei der Stadt nie den politischen Willen zum Schutz des historischen Bauwerks gegeben.

Neubau mit Büros und Gastronomie

Stattdessen wird nun ein moderner Neubau geplant. Der aktuelle Bauantrag sieht vor, dass im neuen Gebäude Büroflächen entstehen sollen. Im Erdgeschoss ist zudem ein gastronomisches Konzept vorgesehen. Eine Terrasse des Lokals soll sich zum nahegelegenen Phoenix-See hin öffnen – ein Hinweis darauf, dass die Lage für die neue Nutzung attraktiv bleibt. Details zum geplanten Nutzungskonzept will die B.H. Holding bisher nicht öffentlich machen.

Mit dem Abriss der Villa Tull endet ein Kapitel Dortmunder Industriegeschichte – und macht Platz für neue, wirtschaftlich ausgerichtete Entwicklungen.

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