Göttingen. Der berüchtigte Problemwohnblock am Hagenweg 20 steht vor einem radikalen Neuanfang. Die Stadt Göttingen ist inzwischen alleinige Eigentümerin der Immobilie und will den heruntergekommenen Gebäudekomplex abreißen lassen. Auf dem Grundstück soll anschließend ein moderner Neubau mit überwiegend sozial geförderten Wohnungen entstehen. Der endgültige Beschluss steht allerdings noch aus. Damit könnte ein Kapitel enden, das Göttingen über Jahre beschäftigt hat. Der Wohnblock war wiederholt wegen prekärer Wohnverhältnisse, Straftaten, Bränden und erheblicher baulicher Probleme in den Schlagzeilen. Nun setzt die Stadt auf einen vollständigen Schnitt statt auf eine weitere Sanierung.
Der Weg zu diesem Schritt war lang. Die Eigentumsverhältnisse des Gebäudes waren über Jahre zersplittert. Die Stadt begann deshalb, die einzelnen Wohnungen und Stellplätze sukzessive zu erwerben. Teilweise erfolgten die Käufe auch im Rahmen von Zwangsversteigerungen. Insgesamt investierte die Stadt nach eigenen Angaben rund 1,9 Millionen Euro in den Erwerb der Immobilie. Im Juni 2026 konnte schließlich auch der letzte noch private Stellplatz übernommen werden. Damit befanden sich sämtliche Einheiten des Komplexes in städtischer Hand.
Warum der bestehende Wohnblock nicht einfach umfassend modernisiert wird, hat vor allem finanzielle Gründe. Nach Angaben der Stadt haben sich die Förderbedingungen in Niedersachsen zum 1. Juli 2026 verändert. Während die Finanzierung von Sanierungen schwieriger geworden sei, bestehen für Neubauten weiterhin günstigere Fördermöglichkeiten. Eine grundlegende Sanierung würde zudem erhebliche Investitionen erfordern. Die Stadt kommt deshalb zu dem Schluss, dass ein Abriss mit anschließendem Neubau die sinnvollere Lösung ist.
Auch der geplante Abriss ist kein kleines Vorhaben. Nach den derzeitigen Berechnungen werden dafür rund 2,5 Millionen Euro veranschlagt. Die Stadt will die Kosten außerplanmäßig finanzieren. Gleichzeitig sollen vorhandene Rücklagen aus der Wohnungseigentümergemeinschaft den städtischen Haushalt teilweise entlasten. Nach dem Abriss soll das Grundstück für rund 810.000 Euro an die städtische Wohnungsbaugesellschaft verkauft werden. Diese soll anschließend den Neubau realisieren.
Noch ist der Abriss allerdings nicht endgültig beschlossen. Zunächst müssen die zuständigen Ausschüsse über das Konzept beraten. Anschließend soll der Göttinger Stadtrat am 18. September 2026 über die weiteren Schritte entscheiden. Sollte der Rat zustimmen, wäre der Weg für den Abriss frei. Die Stadt hätte dann die Möglichkeit, eine der bekanntesten Problemimmobilien Göttingens vollständig aus dem Stadtbild verschwinden zu lassen.
