Lehesten. Im sogenannten „verlassenen Dorf“ bei Lehesten hat sich am Mittwochabend ein schwerer Unfall ereignet. Ein 20-jähriger Mann aus Oberfranken stürzte in einem maroden Gebäude rund acht Meter in die Tiefe und zog sich lebensgefährliche Verletzungen zu. Er musste noch vor Ort medizinisch versorgt und anschließend in ein Krankenhaus gebracht werden.
Nach Angaben der Polizei Saalfeld hatte sich eine Gruppe aus vier jungen Erwachsenen unerlaubt Zugang zu den seit Jahrzehnten leerstehenden Gebäuden im Oertelsbruch verschafft. In der Dunkelheit betraten sie eine alte Holztreppe, die dem Gewicht nicht standhielt und plötzlich zusammenbrach. Der Polizeisprecher Severin Lehmann erklärte, das Holz sei völlig morsch gewesen – ein bekanntes Risiko in den verfallenden Ruinen des ehemaligen Industriegeländes.
Die Polizei wurde gegen 23 Uhr alarmiert und stellte die Personalien der Gruppe fest. Alle Beteiligten stammen aus Oberfranken, unmittelbar an der früheren innerdeutschen Grenze unweit von Lehesten. Das Areal ist seit Jahren ein magnetischer Treffpunkt für Lost-Place-Fans, die sich dort trotz des Verbots immer wieder Zutritt verschaffen. Zwischen ausgebrannten Ruinen eines einst großen Schieferbetriebs stehen verlassene Gebäude, die früher als Bäckerei, Lehrlingswohnheim, Speisesaal oder Krankenhaus dienten – Überreste einer einst florierenden Industrieanlage, in der zeitweise bis zu 860 Bergleute beschäftigt waren.
In einschlägigen Foren warnen Besucher seit Langem vor den Gefahren des Geländes. Immer wieder ist von einsturzgefährdeten Decken, morschen Holzböden und geöffneten Schächten die Rede. Manche Ruinen seien so instabil, dass schon das Betreten der oberen Stockwerke einem Risiko gleichkomme. Viele Bereiche böten kaum noch Halt und wirken, als stünden sie nur noch durch Zufall.
Polizeisprecher Lehmann mahnt angesichts des schweren Unfalls eindringlich zur Vorsicht. Das Betreten der Gebäude sei nicht nur lebensgefährlich, sondern auch verboten und könne als Hausfriedensbruch strafrechtliche Konsequenzen haben. Der jüngste Vorfall zeige erneut, wie schnell aus vermeintlichem Abenteuer ein lebensbedrohlicher Ernstfall werden könne.
