Halle (Saale). Die Kirche St. Briccius im Hallenser Stadtteil Trotha erhält Unterstützung für dringend notwendige Sanierungsarbeiten. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) stellt 15.000 Euro für Maurerarbeiten am Kirchturm und an der Nordseite des Kirchenschiffs zur Verfügung. Ziel ist es, das historische Natursteinmauerwerk zu sichern und weitere Schäden an dem mittelalterlich geprägten Sakralbau zu verhindern. Das Gotteshaus zählt zu den wichtigen baulichen Zeugnissen der Ortsgeschichte Trothas.
Mittelalterliche Bausubstanz ist erhalten geblieben
St. Briccius ist im Kern eine romanische Saalkirche. Besonders bedeutend ist die Nordwand des Kirchenschiffs, die noch aus dem Hochmittelalter stammt. Das Erscheinungsbild des Bauwerks wird von unterschiedlichen Natursteinen geprägt. Neben weißem und teilweise rotem Sandstein kommt der für die Region typische Porphyr zum Einsatz, der große Teile des Mauerwerks bestimmt. Die heutige Gestalt der Kirche ist das Ergebnis mehrerer Bau- und Umgestaltungsphasen. Veränderungen lassen sich unter anderem für die Zeit um 1730 sowie für die Jahre 1910 und 1911 nachweisen. Auch 1954 wurde das Gebäude erneut verändert. Diese verschiedenen Bauphasen machen die Kirche zu einem steinernen Zeugnis der regionalen Baugeschichte, in dem sich mittelalterliche Ursprünge und spätere Eingriffe überlagern.
Verwitterte Fugen gefährden das Mauerwerk
Die jetzt geförderten Arbeiten sollen die historischen Natursteinfassaden dauerhaft sichern. Zahlreiche Fugen sind verwittert und müssen instand gesetzt werden. Von früheren Putz- und Schlämmschichten sind vielerorts nur noch Reste vorhanden. Zusätzlich sollen Schäden an Fensteranstrichen und durch Vandalismus verursachte Beeinträchtigungen beseitigt werden.
Geplant ist außerdem, an der Nordseite des Gebäudes Kupferdachrinnen und Fallrohre nachzurüsten. Eine funktionierende Dachentwässerung ist für den langfristigen Schutz des Mauerwerks entscheidend: Dringt Wasser in Fugen ein oder läuft unkontrolliert an Fassaden herab, kann es die historischen Baustoffe schädigen und den Verfall beschleunigen. Die Förderung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz wurde durch zahlreiche Spenden ermöglicht. Die Stiftung engagiert sich bundesweit für den Erhalt gefährdeter Baudenkmale und unterstützt gezielt Maßnahmen, die historische Originalsubstanz sichern.
Spuren romanischer Baukunst
Auch jenseits des Mauerwerks besitzt St. Briccius bemerkenswerte historische Details. In den vermauerten Ostfenstern befinden sich romanische Spolien. Dabei handelt es sich um wiederverwendete Bauteile älterer Gebäude, darunter Säulen und ein Kapitell. Solche Elemente geben Hinweise auf frühere Bauzustände und zeigen, wie Materialien und Bauteile über Generationen hinweg weiterverwendet wurden.
Ein weiterer bedeutender Bestandteil der Ausstattung ist der romanische Taufstein aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Er befindet sich heute im Landeskunstmuseum Moritzburg in Halle. Im Vorraum des Westturms wird zudem seit 1954 ein expressionistisches Altarbild des Künstlers Hermann Gehri (1879–1944) aufbewahrt. Die Kirche vereint damit Zeugnisse mittelalterlicher Baukunst und Kunstwerke aus einer deutlich späteren Epoche.
Eng mit der Geschichte Trothas verbunden
Die Geschichte von St. Briccius ist eng mit der Entwicklung des heutigen Hallenser Stadtteils Trotha verknüpft. Ursprünglich gehörte die Kirche zur Margarethenkapelle der Burg Giebichenstein. Später entwickelte sie sich zur Pfarrkirche, zu deren kirchlichem Umfeld auch Sennewitz und das Beidorf Tornau gehörten. Mit der Eingemeindung Trothas nach Halle im Jahr 1900 wurde die Kirche Teil des Stadtgebiets. Ihr baulicher Bestand erinnert bis heute daran, dass die Geschichte der Großstadt auch aus den eigenständigen Entwicklungen ihrer früheren Dörfer und Siedlungen hervorgegangen ist.
Denkmalpflege sichert historische Substanz
Mit den geförderten Maurerarbeiten soll verhindert werden, dass weitere Witterungsschäden die historische Bausubstanz beeinträchtigen. Gerade bei mittelalterlichen Kirchen sind fachgerechte Reparaturen am Mauerwerk von großer Bedeutung, weil ungeeignete Materialien oder unsachgemäße Eingriffe zusätzliche Schäden verursachen können.
St. Briccius gehört zu den mehr als 680 Denkmalen in Sachsen-Anhalt, die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bislang unterstützt wurden. Die Förderung ist ein weiterer Schritt, um das historische Erscheinungsbild der Kirche zu bewahren. Entscheidend wird sein, die Arbeiten fachgerecht auszuführen und die Bausubstanz auch künftig regelmäßig zu kontrollieren und instand zu halten.
