Hof Reinkemeier soll neues Leben erhalten

Foto: LWL/Eva Zepp
Foto: LWL/Eva Zepp

Rietberg. Der traditionsreiche Hof Reinkemeier im Rietberger Stadtteil Westerwiehe ist zum „Denkmal des Monats November“ des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) ernannt worden. Das rund 292 Jahre alte Längsdielenhaus, eines der ältesten bäuerlichen Anwesen der Region, steht seit diesem Jahr unter Denkmalschutz. Die heutige Eigentümerfamilie Reinkemeier will das historische Gebäude sanieren und damit das Erbe ihrer Vorfahren bewahren.

Ein Haus mit 300 Jahren Geschichte

Der Ursprung des Hofes lässt sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Erbaut wurde er 1733 von Johannes Reinkemeyer und seiner Frau Anna Kristina. Der Torbalken des Hauses trägt die fromme Inschrift: „Wer auf Gott vertrauet, der hat wolgebouet im Himmel und auf Erden“ – sowie die Namen der Bauherren und das Datum der Vollendung am 20. Juni 1733.

Die LWL-Bauforschung konnte nachweisen, dass das Holzgerüst aus rund 50 Eichen im Winter 1732/33 gefällt wurde – die Bauzeit betrug damit nur ein halbes Jahr. Das Gebäude ist ein klassisches dreischiffiges Vierständerhaus mit Wohn- und Wirtschaftsteil unter einem Dach.

Vom Bauernhaus zum Bürgermeisteramt

Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Haus mehrfach erweitert. 1892 erhielt es einen Anbau, als Christoph Reinkemeier zum Ortsvorsteher von Westerwiehe gewählt wurde. Dort entstand die damalige Bürgermeisterei. 1929 folgte ein Schweinestall, der bis heute das Erscheinungsbild des Wirtschaftsgiebels prägt.

Überraschende Funde bei der Sanierung

Im Zuge der jüngsten Untersuchungen entdeckten LWL-Bauforscher Raumausmalungen aus der Biedermeierzeit – kunstvolle Schablonenmuster mit stilisierten Pflanzen- und Kreisornamenten. Auch Hausherr Sebastian Reinkemeier stieß bei Aufräumarbeiten auf historische Elemente, darunter eine vermisste Zierknagge aus dem 18. Jahrhundert, die nun wieder eingebaut werden soll.

„Der Hof ist ein einzigartiges Zeugnis westfälischer Bau- und Alltagskultur“, betont LWL-Bauforscher Frank Högg. Das Projekt soll zeigen, wie Denkmalschutz und moderne Nutzung miteinander verbunden werden können.

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