Burg Freienstein vor dem Verfall bewahrt

Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Mittring
Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Mittring

Oberzent-Gammelsbach. Die mittelalterliche Ruine Burg Freienstein im hessischen Oberzent-Gammelsbach erhält wichtige Unterstützung für ihre weitere Sicherung. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) stellt 100.000 Euro für die Sanierung der historischen Zwingermauer bereit. Die Förderung wird durch private Spenden sowie Mittel aus der GlücksSpirale ermöglicht. Ziel der Maßnahme ist es, die wertvolle Bausubstanz der Burganlage langfristig zu erhalten und vor weiterem Verfall zu schützen. Die Burg Freienstein zählt zu den bedeutenden historischen Zeugnissen im südlichen Odenwald. Hoch über dem Gammelsbachtal gelegen, prägt die Ruine bis heute das Landschaftsbild der Region und erinnert an die wechselvolle Geschichte mittelalterlicher Herrschafts- und Verteidigungsanlagen.

Einst mächtige Wehranlage mit strategischer Bedeutung

Die Burg wurde auf einem nach Westen ins Tal vorspringenden Sporn des Weckbergs errichtet. Die besondere Lage diente einst militärischen Zwecken: Der Burgstandort verengte das Tal und bot dadurch einen natürlichen Vorteil für die Verteidigung. Das Baumaterial stammte direkt aus der Umgebung. Der für den Weckberg typische Rotsandstein wurde für das gesamte Mauerwerk und zahlreiche Werksteine der Anlage verwendet.

Die Ursprünge der Burg reichen vermutlich bis in das Mittelalter zurück. Zunächst stand sie im Zusammenhang mit der Reichsabtei Lorsch, später wurde sie als pfälzisches Lehen an die Schenken von Erbach vergeben. Die Herren von Freienstein bewohnten die Anlage als Burgmannen. Nach einer Erbteilung im Jahr 1717 gelangte die Burg an die Fürstenauer Linie des Hauses Erbach.

Verfall setzte der Burg über Jahrhunderte zu

Nachdem die Burg ab dem 18. Jahrhundert nicht mehr dauerhaft bewohnt wurde, begann ein schleichender Niedergang. Teile der Anlage wurden im Laufe der Zeit als Steinbruch genutzt, um Baumaterial für andere Gebäude zu gewinnen. Im frühen 19. Jahrhundert waren nur noch wenige Bereiche bewohnbar. Der endgültige Verlust zahlreicher Bauteile folgte in den kommenden Jahrzehnten. Bereits 1906 wurden erste größere Sicherungsarbeiten durchgeführt. Doch auch danach blieb die Ruine gefährdet. Besonders schwerwiegend war der Einsturz der mächtigen Schildmauer in den Jahren 1987 und 1988, der umfangreiche weitere Schutzmaßnahmen notwendig machte.

Zwingermauer als Schlüssel zur Stabilisierung der Burganlage

Im Mittelpunkt der aktuellen Arbeiten steht die historische Zwingermauer. Diese äußere Verteidigungsanlage war ein wichtiger Bestandteil der mittelalterlichen Befestigung. Sie ergänzte die Kernburg durch zusätzliche Schutzbereiche und sollte Angreifer bereits vor dem eigentlichen Burgtor abwehren. Die Ruine besitzt noch heute eindrucksvolle Elemente ihrer früheren Wehrarchitektur. Dazu gehören Zwingeranlagen mit halbrunden Schalentürmen, Maulscharten sowie ein östlicher Rundturm, der vermutlich einst als Gefängnis diente. Die mächtige Schildmauer der Kernburg erreicht weiterhin eine Höhe von bis zu 24 Metern und zählt zu den markantesten erhaltenen Bauteilen.

Denkmalpflege sichert ein Stück Odenwälder Geschichte

Die Sanierung der Zwingermauer ist ein weiterer Schritt, um Burg Freienstein als historisches Kulturgut zu bewahren. Ohne kontinuierliche Sicherungsmaßnahmen könnten Feuchtigkeit, Frost und Witterung langfristig zu schweren Schäden am verbliebenen Mauerwerk führen.

Mit der Sanierung der Zwingermauer erhält nicht nur ein Bauwerk neue Stabilität, sondern auch ein bedeutendes Kapitel regionaler Geschichte eine Zukunft. Die Burg Freienstein steht beispielhaft für die Herausforderungen moderner Denkmalpflege: Historische Anlagen müssen bewahrt werden, obwohl Wind, Wetter und der Zahn der Zeit kontinuierlich an ihrer Substanz arbeiten. Die Arbeiten sollen dazu beitragen, dass die Ruine im Odenwald auch künftig Besucher anzieht und als sichtbares Zeugnis mittelalterlicher Baukunst erhalten bleibt.

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