Hirschberg. Die Sanierung der Villa Novalis im thüringischen Hirschberg geht weiter. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) stellt weitere 10.000 Euro für die Fassadenarbeiten an dem denkmalgeschützten Gebäude im Saale-Orla-Kreis bereit. Mit dem Geld sollen die Gerüststellung, der Fassadenanstrich und notwendige Dachklempnerarbeiten finanziert werden. Damit setzt sich die schrittweise Rettung eines bedeutenden Zeugnisses der regionalen Industriegeschichte fort.
Repräsentativer Wohnsitz einer erfolgreichen Unternehmerfamilie
Die Villa wurde 1879/1880 als Wohnsitz der Fabrikantenfamilie Knoch errichtet. Das dreigeschossige Gebäude im spätklassizistischen Stil orientiert sich in seiner Gestaltung an römischen Landvillen. Ein flaches Dach, ein gestaffelter Baukörper und eine großzügige Parkanlage prägen das Erscheinungsbild. Mit rund 930 Quadratmetern Wohnfläche ist die Villa ein repräsentativer Bau, der den wirtschaftlichen Aufstieg der Hirschberger Lederindustrie sichtbar macht.
Die Familie Knoch hatte die Entwicklung des Ortes über Generationen entscheidend geprägt. Bereits 1741 übernahm Johann Gottlieb Knoch eine Gerberei. Unter seinen Nachfahren entwickelte sich daraus ein bedeutendes Industrieunternehmen. Mit der Aufstellung der ersten Dampfmaschine im Jahr 1873 begann die industrielle Expansion. Aus einem kleinen Handwerksbetrieb wurde ein Großunternehmen, das im Jahr 1945 rund 1.500 Arbeiter und Angestellte beschäftigte und jährlich Hunderttausende Tierhäute zu Leder verarbeitete.
Eine Lederfabrik prägte die Stadt
Die Lederfabrik Knoch war über Jahrzehnte der wichtigste Arbeitgeber in Hirschberg. Ihr Einfluss reichte weit über die Produktion hinaus. Das Unternehmen trug zur Entwicklung der örtlichen Infrastruktur bei, unterstützte neue Bahnverbindungen nach Berlin und München und war am Bau einer Saalebrücke, eines Kulturhauses und eines Schwimmbades beteiligt.
Die Geschichte des Unternehmens war jedoch auch von politischen Brüchen geprägt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Familie 1945 enteignet. Ein großer Teil der Anlagen musste als Reparationsleistung an die Sowjetunion abgeführt werden. Der Betrieb bestand dennoch weiter und wurde auch in der DDR-Zeit fortgeführt. Erst 1993 endete die industrielle Nutzung endgültig. Die Fabrikanlagen wurden in den folgenden Jahren abgerissen. Die Villa blieb als eines der letzten baulichen Zeugnisse dieser Unternehmensgeschichte erhalten.
Leerstand hinterließ deutliche Schäden
Nach dem Ende ihrer ursprünglichen Nutzung diente die Villa zunächst als städtischer Kindergarten. Bis 2003 wurde das Gebäude entsprechend genutzt, anschließend stand es zwölf Jahre leer. In dieser Zeit entstanden erhebliche Schäden an der Bausubstanz. Unter anderem musste ein Befall mit Hausschwamm beseitigt werden.
2015 übernahm eine Musikerfamilie das Anwesen und begann mit der aufwendigen Instandsetzung. Seither wird das Gebäude Schritt für Schritt restauriert. Dabei geht es nicht allein um die äußere Erscheinung: Auch die wertvolle historische Innenausstattung soll möglichst umfassend erhalten bleiben. Dazu gehören Tafelparkett, Holzeinbaumöbel, offene Kamine, Kachelöfen, Holzvertäfelungen, Stuckdecken und historische Fenster. Die Villa vermittelt damit bis heute einen anschaulichen Eindruck von der Wohn- und Repräsentationskultur einer wohlhabenden Unternehmerfamilie im späten 19. Jahrhundert.
Deutsche Stiftung Denkmalschutz fördert erneut
Die aktuelle Förderung in Höhe von 10.000 Euro ist nicht die erste Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Bereits zwischen 2019 und 2021 sowie im Jahr 2025 beteiligte sich die Stiftung an verschiedenen Restaurierungs- und Sanierungsmaßnahmen. Dazu zählten Arbeiten an der historischen Innenausstattung, der Regenrinne, einem Nebengebäude sowie an Fassade, Fenstern und Türen.
Mit der erneuten Förderung sollen die Fassadenarbeiten fortgeführt werden. Neben dem Anstrich sind Arbeiten an der Dachentwässerung und den Klempneranschlüssen vorgesehen. Die Maßnahmen sind wichtig, um das Gebäude dauerhaft vor Witterungseinflüssen zu schützen und die bereits geleisteten Sanierungsarbeiten langfristig zu sichern.
Vom Fabrikantenwohnsitz zum kulturellen Zentrum
Heute trägt das Gebäude den Namen Villa Novalis – benannt nach dem Dichter und Philosophen Novalis, der mit bürgerlichem Namen Georg Philipp Friedrich von Hardenberg hieß. Die Eigentümer haben das historische Anwesen zu einem künstlerischen Zentrum entwickelt. Im Erdgeschoss finden Konzerte und Veranstaltungen statt, die Salons bieten Raum für kleinere Formate, Proben und musikalische Begegnungen. Auch für die Musikausbildung und die Unterbringung von Kursteilnehmern wird das Gebäude genutzt.
Damit hat die Villa eine neue Funktion erhalten, ohne ihre historische Identität aufzugeben. Sie ist nicht nur ein architektonisches Schmuckstück, sondern auch ein Erinnerungsort an die industrielle Blüte Hirschbergs. Die fortgesetzte Förderung trägt dazu bei, dieses besondere Zeugnis der Stadtgeschichte zu bewahren und einer neuen Nutzung dauerhaft zugänglich zu machen.
