Wiens „Geisterhaus“ bekommt ein neues Gesicht

Foto: Viennaphotographer/CC BY-SA 4.0
Foto: Viennaphotographer/CC BY-SA 4.0

Über zwei Jahrzehnte prägte ein leer stehendes Hochhaus das Stadtbild im Wiener Bezirk Döbling. Der ehemalige APA-Turm an der Gunoldstraße 14 steht seit rund 21 Jahren ungenutzt und entwickelte sich mit seinen verschlossenen Fenstern, Graffiti und sichtbaren Spuren des Verfalls zu einem der bekanntesten Problemobjekte der Stadt. Nun kommt Bewegung in das Areal. Das rund 2,5 Hektar große Gelände im Bereich Muthgasse soll schrittweise zu einem neuen Stadtquartier entwickelt werden. Den Auftakt bildet eine ungewöhnliche Zwischenlösung: Die markante Hochhausfassade wird zur riesigen Kunstfläche.

1100 Quadratmeter für ein neues Kunstwerk

Auf der Westseite des 52 Meter hohen Turms wird ein Gerüst errichtet. Anschließend soll ein großflächiges Wandgemälde entstehen, das sich über etwa 1100 Quadratmeter erstreckt. Für die Umsetzung sind die Stadt Wien, der Grundstückseigentümer Buwog und die Streetart-Initiative Calle Libre beteiligt. Gestaltet wird die Fassade vom spanischen Urban-Art-Künstler Okuda San Miguel. Sein farbenintensives Werk soll für Vielfalt, Toleranz und Offenheit stehen und dem bislang vom Leerstand geprägten Gebäude ein völlig neues Erscheinungsbild geben. Die Arbeiten sollen etwa drei Wochen dauern.

Vom Lost Place zum neuen Stadtquartier

Das Wandgemälde ist allerdings mehr als eine kosmetische Maßnahme. Es soll sichtbar machen, dass sich das gesamte Umfeld der Muthgasse im Wandel befindet. Das Gebiet zählt zu den größeren Stadtentwicklungsflächen im Nordwesten Wiens. In den vergangenen Jahren entstanden dort bereits neue Gebäude und Betriebe. Auch der Wohnungsbau schreitet voran: Aktuell befinden sich nach Angaben der Stadt mehr als 300 neue Wohnungen in Umsetzung. Langfristig soll aus dem heute heterogenen Areal ein urbanes Quartier mit Wohnraum, Arbeitsplätzen sowie Grün- und Erholungsflächen werden.

Bürger sollen bei der Entwicklung mitreden

Parallel zur baulichen Entwicklung ist ein Beteiligungsverfahren vorgesehen. Die Bevölkerung soll eigene Ideen und Vorschläge für die künftige Gestaltung des Stadtteils einbringen können. Für die Wiener Stadtplanung ist das Projekt damit auch ein Signal gegen den jahrelangen Stillstand. Der langjährige Leerstand des ehemaligen APA-Hochhauses soll nicht länger das Bild des Areals bestimmen. Stattdessen soll das Gebäude zunächst durch Kunst in den Mittelpunkt rücken, während im Umfeld die planerischen Grundlagen für eine umfassendere Neuentwicklung geschaffen werden.

Ein markanter Wandel für Döbling

Der ehemalige APA-Turm bleibt damit vorerst als prägnantes Relikt des langjährigen Leerstands erhalten. Seine neue, weithin sichtbare Fassadengestaltung könnte jedoch zum Symbol für den Wandel rund um die Muthgasse werden. Aus einer heruntergekommenen Hochhausruine soll Schritt für Schritt ein Bestandteil eines neuen Stadtentwicklungsgebiets werden. Ob und wann auch die langfristige bauliche Zukunft des Turms selbst geklärt wird, bleibt dabei von der weiteren Entwicklung des Areals abhängig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert