Mehr als ein Jahrzehnt redaktioneller Arbeit, tausende Datensätze und umfangreiches Bildmaterial standen plötzlich vor dem Aus. Ein schwerer Cyberangriff mit Ransomware traf das Onlinemagazin rottenplaces.de massiv. Nach einer umfassenden technischen Neuaufstellung ist das Portal nun wieder online – und will stärker denn je weitermachen. Was 2009 als kleines Onlineportal rund um verlassene Gebäude, historische Bausubstanz und Industriekultur begann, entwickelte sich über die Jahre zu einem etablierten Informationsangebot für die Lost-Places- und Denkmalschutzszene.
Der Anspruch war dabei von Anfang an ambitioniert: rottenplaces.de wollte nicht nur interessante Orte dokumentieren, sondern möglichst tagesaktuell über Entwicklungen berichten. Nachrichten zu Lost Places, Denkmalschutz, Architektur und Industriekultur gehören ebenso zum Konzept wie Hintergrundberichte, Termine, Rezensionen und die langfristige Dokumentation historischer Objekte. Hinter dem Projekt steht allerdings keine große Mediengruppe. Das Magazin wurde über viele Jahre vor allem durch Idealismus, Leidenschaft und enormen persönlichen Einsatz getragen. Der Anspruch, redaktionell wie ein deutlich größer aufgestelltes Medium arbeiten zu können, wurde damit zugleich zur täglichen Herausforderung.
Corona als erste schwere Belastungsprobe
Eine erste massive Zäsur brachte die Corona-Pandemie. Die wirtschaftlichen und organisatorischen Folgen trafen das Unternehmen erheblich. Arbeitsabläufe mussten angepasst werden, gleichzeitig blieben die Anforderungen an die redaktionelle Arbeit bestehen. Für ein unabhängig arbeitendes Onlinemagazin bedeutete die Pandemie eine Belastungsprobe, die das Projekt an seine Grenzen brachte. Nur durch Ausdauer, persönlichen Einsatz und die Bereitschaft, auch schwierige Phasen gemeinsam durchzustehen, konnte rottenplaces.de diese Zeit überstehen. Doch die nächste Krise sollte weitaus härter werden.
Hackerangriff legt die Website lahm
Der entscheidende Einschnitt kam schließlich durch einen massiven Cyberangriff. Auf der Website wurden die eigentlichen Überschriften durch eine fremde URL ersetzt. Besucher wurden auf eine externe Internetseite mit nicht zum Magazin gehörenden, teilweise anzüglichen Inhalten weitergeleitet. Angriffe auf die Website hatte es zwar bereits zuvor gegeben. Das Ausmaß dieses Vorfalls war jedoch eine völlig andere Dimension. Als unmittelbare Konsequenz wurde rottenplaces.de zunächst vollständig vom Netz genommen. IT-Spezialisten wurden eingeschaltet, um die Ursache des Angriffs zu ermitteln und den tatsächlichen Schaden zu analysieren. Dabei zeigte sich, dass das Problem wesentlich größer war als zunächst angenommen.
Ransomware verschlüsselt das redaktionelle Archiv
Bei der technischen Untersuchung stießen die Spezialisten auf einen gravierenden Sicherheitsvorfall. Angreifer hatten sich trotz bestehender Schutzmaßnahmen Zugang zu Teilen der Serverinfrastruktur verschafft. Die Folge war ein Angriff mit sogenannter Ransomware. Dabei wurden große Teile der gespeicherten Daten verschlüsselt und damit unbrauchbar gemacht. Für rottenplaces.de war das besonders verheerend. Betroffen waren nicht nur technische Datensätze, sondern auch umfangreiches redaktionelles Material und Bildbestände, die über mehr als zehn Jahre zusammengetragen und veröffentlicht worden waren. Damit stand plötzlich nicht nur die Website selbst vor dem Aus. Ein erheblicher Teil der digitalen Geschichte des Magazins war nicht mehr zugänglich.
Ein Backup konnte die Katastrophe nicht verhindern
Besonders bitter war, dass auch die vorhandenen Sicherungen den entstandenen Schaden nicht vollständig auffangen konnten. Das Archiv war nicht kontinuierlich und vollständig gesichert worden. Eine funktionierende Wiederherstellung der verschlüsselten Daten war deshalb nicht möglich. Was über Jahre entstanden war, ließ sich nicht einfach per Mausklick zurückholen. Für ein Magazin, dessen Kern auf Dokumentation und Archivierung basiert, war das ein schwerer Schlag. Bilder, Datensätze, redaktionelle Inhalte und Informationen zu historischen Objekten waren plötzlich verloren oder nur noch eingeschränkt verfügbar.
Die Erkenntnis war entsprechend schmerzhaft: Die technische Infrastruktur war nicht ausreichend gegen einen solchen Angriff und dessen Folgen vorbereitet. Der Hackerangriff war deshalb weit mehr als eine vorübergehende Störung des Onlinebetriebs. Für die Betreiber bedeutete der Vorfall einen materiellen und zugleich emotionalen Einschnitt. Über mehr als ein Jahrzehnt war rottenplaces.de kontinuierlich gewachsen. Beiträge, Recherchen und Fotografien hatten sich zu einem umfangreichen digitalen Archiv entwickelt. Dieses gewachsene Fundament war plötzlich teilweise zerstört. Aufzugeben wäre angesichts dieser Situation nachvollziehbar gewesen. Doch genau das kam für die Verantwortlichen nicht infrage.
Neustart aus der Krise
Statt das Projekt zu beenden, fiel die Entscheidung für einen kompletten Neustart. In zahlreichen Arbeitsstunden wurde das Magazin technisch und redaktionell neu aufgebaut. Der Wiederaufbau war dabei nicht nur eine Frage der Technik. Es ging auch darum, die Identität des Portals zu bewahren und gleichzeitig aus den Fehlern der Vergangenheit Konsequenzen zu ziehen. rottenplaces.de kehrt deshalb bewusst zu seinem bekannten Erscheinungsbild zurück. Das über Jahre etablierte Layout und die vertraute Navigation bleiben weitgehend erhalten. Für langjährige Leser soll der Neustart damit nicht wie ein kompletter Bruch wirken. Hinter der bekannten Oberfläche steckt jedoch eine grundlegend neu aufgestellte technische Basis.
Mehr Sicherheit nach dem Ransomware-Angriff
Aus dem Cyberangriff wurden Konsequenzen gezogen. Die IT-Infrastruktur wurde umfassend überarbeitet und sicherheitstechnisch modernisiert. Zum neuen Konzept gehören unter anderem mehrstufige Authentifizierungsverfahren, regelmäßige Sicherheits- und Penetrationstests, verschlüsselte Datenübertragungen sowie eine kontinuierliche Überwachung der Systeme. Damit soll verhindert werden, dass ein einzelner erfolgreicher Angriff erneut zu einem vergleichbaren Totalschaden führt. Gleichzeitig zeigt der Vorfall eine grundsätzliche Schwachstelle, mit der viele kleinere digitale Medienangebote konfrontiert sind: Ein umfangreiches digitales Archiv ist nur dann wirklich geschützt, wenn Daten nicht nur vorhanden, sondern auch regelmäßig, getrennt und zuverlässig gesichert werden.
rottenplaces.de wieder online
Inzwischen ist rottenplaces.de wieder online. Inhaltlich bleibt das Magazin seinem bisherigen Konzept treu. Im Mittelpunkt stehen weiterhin aktuelle Nachrichten und Entwicklungen aus den Bereichen Lost Places, Denkmalschutz und Industriekultur. Ergänzt wird das Angebot durch verschiedene Ressorts, Veranstaltungshinweise, Rezensionen und journalistische Hintergrundbeiträge. Eine besondere Bedeutung soll künftig wieder dem Objektarchiv zukommen. Dieses befindet sich nach dem schweren Datenverlust allerdings noch im Wiederaufbau.
Die Wiederherstellung wird deshalb nicht von heute auf morgen abgeschlossen sein. Fehlende Inhalte und Ressorts sollen schrittweise ergänzt, überarbeitet und aktualisiert werden.
Das Objektarchiv wird zur langfristigen Aufgabe
Gerade das Objektarchiv steht beispielhaft für die Herausforderung, vor der rottenplaces.de nach dem Hackerangriff steht. Über Jahre gesammelte Informationen zu verlassenen Gebäuden, historischen Anlagen und industriellen Relikten müssen teilweise neu recherchiert, strukturiert und aufgebaut werden. Damit entsteht neben dem laufenden Tagesgeschäft eine zweite große Aufgabe: Während das Magazin wieder über aktuelle Ereignisse berichtet, muss parallel seine eigene digitale Vergangenheit rekonstruiert werden. Der Wiederaufbau wird damit selbst zu einem langfristigen redaktionellen Projekt.
Kein Blick zurück, sondern ein neuer Anfang
Trotz der Rückkehr zum vertrauten Erscheinungsbild soll der Neustart ausdrücklich kein nostalgischer Blick auf die Vergangenheit sein. rottenplaces.de will die gewachsene Identität des Portals bewahren und gleichzeitig neue technische, redaktionelle und thematische Wege beschreiten. Weitere Projekte befinden sich nach Angaben des Magazins bereits in Vorbereitung. Das Ziel bleibt dabei unverändert: Lost Places, historische Gebäude, Denkmalschutz, Architektur und Industriekultur sollen einem möglichst breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Dabei versteht sich rottenplaces.de weiterhin als überparteiliches Informationsangebot, das Nachrichten, journalistische Beiträge und langfristige Dokumentation miteinander verbinden will.
Zehn Jahre Geschichte – und jetzt Kapitel zwei
Der Neustart von rottenplaces.de ist damit mehr als die Rückkehr einer Website. Er ist der Versuch, ein über Jahre gewachsenes unabhängiges Medienprojekt nach einer existenziellen Krise wieder aufzubauen. Fehlende Ressorts werden ergänzt, Inhalte aktualisiert und das Objektarchiv Schritt für Schritt rekonstruiert. Für rottenplaces.de beginnt damit ein neues Kapitel. Die Vergangenheit ist teilweise verloren – die Idee hinter dem Magazin aber nicht.
Eine großer Dank zum Schluss
Unser herzlicher Dank gilt allen Unterstützerinnen und Unterstützern sowie den zahlreichen Helferinnen und Helfern, die uns in dieser Zeit zur Seite standen. Ebenso bedanken wir uns für die vielen Nachrichten, die uns über die sozialen Medien, per E-Mail und auf dem Postweg erreicht haben. Die zahlreichen persönlichen Rückmeldungen, die Anteilnahme und die ermutigenden Worte haben uns sehr bewegt.
Besonders beeindruckt hat uns die große Zahl an proaktiven Angeboten, uns auf ganz unterschiedliche Weise unterstützen zu wollen – sei es ideell, materiell oder finanziell. Diese Hilfsbereitschaft ist keineswegs selbstverständlich und bedeutet uns sehr viel. Wir wissen diese Unterstützung und das uns entgegengebrachte Vertrauen außerordentlich zu schätzen. Vielen Dank an alle, die uns begleitet und unterstützt haben. rottenplaces.de ist zurück – mit vertrauten Wurzeln, neuen Ideen und dem Anspruch, Geschichte sichtbar zu machen und Gegenwart kritisch zu begleiten.
André Winternitz
Herausgeber und Chefredakteur, Onlinemagazin rottenplaces.de
