{"id":6147,"date":"2013-10-21T16:48:00","date_gmt":"2013-10-21T14:48:00","guid":{"rendered":"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/?p=6147"},"modified":"2026-08-13T16:52:45","modified_gmt":"2026-08-13T14:52:45","slug":"braunkohlekombinat-espenhain","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/lostplaces\/braunkohlekombinat-espenhain\/","title":{"rendered":"Braunkohlekombinat Espenhain"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">S\u00fcdlich von Leipzig entstand mit dem Kombinat Espenhain einer der bedeutendsten Industriekomplexe der DDR. Braunkohle, Briketts, Schwelprodukte, Kraftstoffe, Chemierohstoffe und Strom wurden hier in einem gewaltigen Verbund produziert. Zeitweise arbeiteten mehr als 8.000 Menschen im Werk. Gleichzeitig entwickelte sich Espenhain zu einem Synonym f\u00fcr die extremen Umweltbelastungen der DDR-Industrie. Nach Jahrzehnten des Betriebs wurde die Produktion 1990 eingestellt. Heute ist von der einst riesigen Industrieanlage nur wenig erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Ein Industriekomplex f\u00fcr Kohle und Energie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte des sp\u00e4teren Kombinats Espenhain begann 1937. Die Aktiengesellschaft S\u00e4chsische Werke (ASW) erschloss s\u00fcdlich von Leipzig einen Braunkohlentagebau und errichtete gleichzeitig einen umfangreichen Industriekomplex. Geplant wurden unter anderem eine Brikettfabrik, eine Schwelerei, Anlagen zur Teerverarbeitung und Schwefelgewinnung sowie ein Gro\u00dfkraftwerk. Der Verbund wurde zwischen 1940 und 1942 schrittweise in Betrieb genommen und firmierte als Braunkohlen- und Gro\u00dfkraftwerk Espenhain. Das Werk lag s\u00fcd\u00f6stlich des Dorfes Espenhain und \u00f6stlich der damaligen Fernverkehrsstra\u00dfe 95. Die Verarbeitungsanlagen einschlie\u00dflich Kraftwerk erstreckten sich auf einer Fl\u00e4che von mehr als 50 Hektar.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"603\" src=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/veb_braunkohle_kombinat_espenhain1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6148\" srcset=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/veb_braunkohle_kombinat_espenhain1.jpg 900w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/veb_braunkohle_kombinat_espenhain1-300x201.jpg 300w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/veb_braunkohle_kombinat_espenhain1-768x515.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Braunkohle als Grundlage f\u00fcr synthetischen Treibstoff<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die wirtschaftliche Bedeutung des Standortes lag zun\u00e4chst vor allem in der Verarbeitung der Braunkohle. Die brikettierte Kohle wurde nach dem LURGI-Sp\u00fclgasverfahren verschwelt. Anschlie\u00dfend wurden die gewonnenen Produkte in weiteren Anlagen verarbeitet. Eine zentrale Zielsetzung war die Herstellung synthetischer Kraftstoffe. Diese sollten insbesondere zur Versorgung der Wehrmacht und der Kriegsmarine beitragen. Daneben entstanden zahlreiche weitere Produkte. Die Verbindung von Brikettfabrik, Schwelerei, Teerverarbeitung, Kraftwerk und Kraft-W\u00e4rme-Kopplung machte Espenhain zu einem au\u00dfergew\u00f6hnlich komplexen Industrieverbund.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Technologisches Gro\u00dfprojekt seiner Zeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz der sp\u00e4teren Umweltprobleme war der Industriekomplex technisch bemerkenswert. Die Kombination verschiedener Produktionsverfahren galt bei seiner Entstehung als Spitzentechnologie. Der sp\u00e4tere Professor der Technischen Hochschule Dresden, Werner Boie, entwickelte in Espenhain unter anderem den weltweit ersten Schotten\u00fcberhitzer. Au\u00dferdem entstanden hier die ersten hyperbolischen K\u00fchlt\u00fcrme Deutschlands. Damit vereinte Espenhain schon in seiner fr\u00fchen Geschichte industrielle Gro\u00dfproduktion mit technologischen Entwicklungen, die \u00fcber die Region hinaus Bedeutung erlangten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"603\" src=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/veb_braunkohle_kombinat_espenhain6.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6153\" srcset=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/veb_braunkohle_kombinat_espenhain6.jpg 900w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/veb_braunkohle_kombinat_espenhain6-300x201.jpg 300w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/veb_braunkohle_kombinat_espenhain6-768x515.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Krieg zerst\u00f6rt die Anlagen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs geriet der Industriekomplex unter Bombenangriffe. Die Produktionsanlagen wurden so schwer besch\u00e4digt, dass die Herstellung vollst\u00e4ndig zum Erliegen kam. Der Wiederaufbau begann bereits nach Kriegsende. Doch das Werk wechselte gleichzeitig seinen Eigent\u00fcmer. Am 1. August 1946 wurden die Anlagen als deutsche Reparationsleistung an die Sowjetunion \u00fcbergeben. Das Kraftwerk \u00fcbernahm die Sowjetische Aktiengesellschaft \u201eElektrostancii\u201c. Tagebau, Brikettfabriken, Schwelanlagen und Gaswerk gingen an die sowjetische Brennstoffindustrie. Die verschiedenen Betriebsteile wurden anschlie\u00dfend wieder organisatorisch zusammengef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Vom sowjetischen Betrieb zum DDR-Kombinat<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1954 \u00fcbertrug die Sowjetunion die Anlagen an die inzwischen gegr\u00fcndete DDR. Aus dem sowjetisch verwalteten Betrieb wurde der Volkseigene Betrieb (VEB) Kombinat Espenhain. Der Standort entwickelte sich anschlie\u00dfend zu einem zentralen Bestandteil der DDR-Energie- und Rohstoffversorgung. 1955 wurde das Kraftwerk um weitere 100 Megawatt erweitert und erreichte eine Gesamtleistung von 670 Megawatt. Ende der 1950er Jahre war das Kraftwerk Espenhain damit das leistungsst\u00e4rkste Kraftwerk der DDR. Rund acht Prozent der gesamten DDR-Stromproduktion entfielen zu dieser Zeit auf den Standort. Auch die chemische Produktion besa\u00df gro\u00dfe Bedeutung. Bei Rohphenol, einem wichtigen Ausgangsstoff f\u00fcr die Kunststoffindustrie, erreichte Espenhain 1958 einen Marktanteil von rund 60 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"603\" src=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/veb_braunkohle_kombinat_espenhain4.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6151\" srcset=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/veb_braunkohle_kombinat_espenhain4.jpg 900w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/veb_braunkohle_kombinat_espenhain4-300x201.jpg 300w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/veb_braunkohle_kombinat_espenhain4-768x515.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Schweres Ungl\u00fcck fordert 13 Todesopfer<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die industrielle Gr\u00f6\u00dfe hatte jedoch auch eine Kehrseite. Am 6. M\u00e4rz 1959 ereignete sich im Kesselhaus II ein schweres Ungl\u00fcck. Bei der Katastrophe kamen 13 Menschen ums Leben. Weitere 26 Besch\u00e4ftigte wurden teilweise schwer verletzt. Das Ungl\u00fcck wurde zu einem der schwerwiegenden Ereignisse in der Geschichte des Gro\u00dfbetriebs. Ende der 1960er Jahre ver\u00e4nderte sich die Ausrichtung der DDR-Industrie. Die Erd\u00f6lchemie gewann an Bedeutung, w\u00e4hrend die Kohleveredlung zeitweise zur\u00fcckgedr\u00e4ngt wurde. 1969 wurde das Kombinat mit dem VEB Kombinat \u201eOtto Grotewohl\u201c B\u00f6hlen und dem VEB Teerverarbeitungswerk Rositz zum VEB Erd\u00f6lverarbeitungskombinat Otto Grotewohl zusammengelegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verbindung blieb allerdings nicht dauerhaft bestehen. Aufgrund einer Grundsatzentscheidung des DDR-Ministerrats wurden Erd\u00f6l- und Kohleverarbeitung wieder getrennt. Zum 1. Januar 1971 wurde die Espenhainer Kohleveredlung erneut ausgegliedert und als VEB Braunkohlenkombinat Espenhain weitergef\u00fchrt. Die Aufgabe des neuen Kombinats bestand in der Herstellung von Prim\u00e4r- und veredelten Energietr\u00e4gern sowie Produkten der thermischen Kohleveredlung. 1980 erfolgte eine weitere organisatorische Ver\u00e4nderung. Der VEB Braunkohlenveredlung Espenhain wurde als Betrieb des VEB Gaskombinats Schwarze Pumpe gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"603\" src=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/veb_braunkohle_kombinat_espenhain3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6150\" srcset=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/veb_braunkohle_kombinat_espenhain3.jpg 900w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/veb_braunkohle_kombinat_espenhain3-300x201.jpg 300w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/veb_braunkohle_kombinat_espenhain3-768x515.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Produktion auf Verschlei\u00df<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die wirtschaftspolitischen Entscheidungen der DDR hatten gravierende Folgen f\u00fcr den Zustand des Werkes. In den 1960er Jahren waren Investitionen in die Anlagen im Zuge der st\u00e4rkeren Orientierung auf die Erd\u00f6lchemie vernachl\u00e4ssigt worden. Als die Kohlechemie nach der ersten \u00d6lkrise wieder an Bedeutung gewann, musste Espenhain dennoch hohe Produktionsleistungen erbringen. Die teilweise veralteten Anlagen wurden weiter betrieben, notwendige Modernisierungen blieben jedoch vielfach aus. Die Folge war ein zunehmender Verschlei\u00df der technischen Infrastruktur. Besonders dramatisch entwickelte sich die Situation beim Umweltschutz. Investitionen in moderne Filter-, Reinigungs- und Abwassertechnik blieben aus oder wurden nicht in ausreichendem Umfang vorgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Espenhain wird zum Symbol der Umweltverschmutzung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den 1980er Jahren war die Umweltbelastung rund um Espenhain extrem. Schadstoffe aus den Produktionsanlagen belasteten Luft und Wasser, gleichzeitig beeintr\u00e4chtigten Tagebau und industrielle Infrastruktur die Landschaft. Die Bev\u00f6lkerung bekam die Folgen unmittelbar zu sp\u00fcren. Immer h\u00e4ufiger regte sich Widerstand gegen die Zust\u00e4nde. Das Christliche Umweltseminar R\u00f6tha initiierte unter anderem die Aktion \u201eEine Mark f\u00fcr Espenhain\u201c. B\u00fcrger wurden aufgefordert, Geld zu spenden, um B\u00e4ume zu pflanzen und damit zumindest symbolisch gegen die massiven Umweltzerst\u00f6rungen vorzugehen. Solche Aktionen waren in der DDR bemerkenswert. Umweltprobleme wurden zunehmend \u00f6ffentlich thematisiert, obwohl kritische Initiativen unter den politischen Bedingungen erheblichen Einschr\u00e4nkungen ausgesetzt waren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"603\" src=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/veb_braunkohle_kombinat_espenhain5.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6152\" srcset=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/veb_braunkohle_kombinat_espenhain5.jpg 900w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/veb_braunkohle_kombinat_espenhain5-300x201.jpg 300w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/veb_braunkohle_kombinat_espenhain5-768x515.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Ein Werk pr\u00e4gt die gesamte Region<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Kombinat war nicht nur ein Arbeitsplatz, sondern beeinflusste die Entwicklung der umliegenden Orte. F\u00fcr die Besch\u00e4ftigten wurden unter anderem in Magdeborn und Kitzscher Neubausiedlungen mit Werkswohnungen errichtet. Auch die medizinische Versorgung wurde direkt mit dem Betrieb verbunden. Auf dem Werksgel\u00e4nde entstand bereits in der fr\u00fchen Betriebsphase eine medizinische Einrichtung. W\u00e4hrend der DDR-Zeit entwickelte sie sich zu einer Poliklinik, die sp\u00e4ter auch Menschen au\u00dferhalb des Kombinats behandelte. Neben der ambulanten Versorgung gab es zudem M\u00f6glichkeiten zur station\u00e4ren Behandlung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Das Kulturhaus Klara Zetkin<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch das kulturelle Leben der Region wurde durch das Kombinat gepr\u00e4gt. 1952 entstand im Dorf Espenhain das Kulturhaus Klara Zetkin. Das Geb\u00e4ude mit seinem gro\u00dfen Veranstaltungssaal wurde vom Braunkohlenkombinat finanziert und diente als kultureller Mittelpunkt f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten und die Bev\u00f6lkerung. Nach dem Ende der DDR verlor das Kulturhaus seine Funktion. Der Veranstaltungsbetrieb kam zum Erliegen. 1995 brannte das Geb\u00e4ude aus. Zwei Jahre sp\u00e4ter wurde der Bau schlie\u00dflich abgerissen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Das Ende kommt nach der Wende<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem politischen und wirtschaftlichen Zusammenbruch der DDR verlor auch das Kombinat Espenhain seine Existenzgrundlage. Am 8. Februar 1990 beschloss der DDR-Ministerrat die Stilllegung s\u00e4mtlicher carbochemischer Anlagen bis 1991. F\u00fcr Espenhain bedeutete dies den Beginn des endg\u00fcltigen Produktionsendes. Am 27. August 1990 wurde der letzte Schwelofen heruntergefahren. Damit endete die jahrzehntelange Geschichte der Kohleveredlung am Standort. Das Kraftwerk II blieb noch l\u00e4nger in Betrieb und wurde erst 1996 endg\u00fcltig abgeschaltet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"603\" src=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/veb_braunkohle_kombinat_espenhain7.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6154\" srcset=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/veb_braunkohle_kombinat_espenhain7.jpg 900w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/veb_braunkohle_kombinat_espenhain7-300x201.jpg 300w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/veb_braunkohle_kombinat_espenhain7-768x515.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Sprengungen statt Sanierung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der Stilllegung begann der gro\u00dffl\u00e4chige R\u00fcckbau des Industriekomplexes. Die Betriebsgeb\u00e4ude wurden nach und nach gesprengt und abgetragen. Wo sich einst eine mehr als 50 Hektar gro\u00dfe Industrieanlage mit Kraftwerk, Schwelerei, Brikettfabriken und chemischen Produktionsanlagen erstreckte, entstand eine weitgehend neue Landschaft. Ein Teil des ehemaligen Werksgel\u00e4ndes wird heute gewerblich genutzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Ein Kapitel ostdeutscher Industriegeschichte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Kombinat Espenhain steht heute f\u00fcr mehrere Seiten der deutschen Industriegeschichte. Der Standort war technologisch ambitioniert, wirtschaftlich bedeutend und f\u00fcr Tausende Menschen der Arbeitsplatz. Gleichzeitig steht sein Name f\u00fcr die extremen Umweltbelastungen, die mit der DDR-Braunkohleindustrie verbunden waren. Bis zu 8.300 Menschen arbeiteten in den 1950er und 1960er Jahren im Betrieb. Generationen von Besch\u00e4ftigten waren wirtschaftlich und sozial mit dem Werk verbunden. Doch die Kombination aus veralteten Anlagen, hohem Produktionsdruck und fehlenden Investitionen f\u00fchrte schlie\u00dflich zu einem Zustand, der weder \u00f6kologisch noch wirtschaftlich dauerhaft tragf\u00e4hig war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute ist vom einstigen Gro\u00dfbetrieb nur noch wenig sichtbar. Die Geschichte des Kombinats Espenhain bleibt dennoch ein bedeutendes Beispiel f\u00fcr Aufstieg und Niedergang der ostdeutschen Schwer- und Energiewirtschaft \u2013 und f\u00fcr die langfristigen Folgen einer Industriepolitik, die Produktion \u00fcber Jahrzehnte \u00fcber Modernisierung und Umweltschutz stellte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>S\u00fcdlich von Leipzig entstand mit dem Kombinat Espenhain einer der bedeutendsten Industriekomplexe der DDR. 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