{"id":4369,"date":"2016-06-30T14:41:00","date_gmt":"2016-06-30T12:41:00","guid":{"rendered":"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/?p=4369"},"modified":"2026-07-02T14:44:30","modified_gmt":"2026-07-02T12:44:30","slug":"nachgefragt-bei-thomas-kemnitz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/interviews\/nachgefragt-bei-thomas-kemnitz\/","title":{"rendered":"Nachgefragt bei: Thomas Kemnitz"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Thomas Kemnitz entdeckte seine Leidenschaft f\u00fcr \u00bbungenutzte Architektur\u00ab 1988, als er als junger Maschinenbau-Student und Hobby-Fotograf die ersten Schwarzweissaufnahmen der Betonrelikte der Trogbr\u00fccke des Mittellandkanals bei Magdeburg machte. Als modernes Baumaterial des 20. Jahrhunderts repr\u00e4sentiert Beton f\u00fcr Kemnitz die aufgewandte Energie und Arbeitskraft. Mit dem Fall der Mauer konnte er nicht nur das ungeliebte Maschinenbau-Studium gegen ein Mediendesign-Studium im damaligen Westberlin eintauschen, es gab auf einmal eine Vielzahl \u00fcberfl\u00fcssiger Industrieanlagen, Kasernen, Bunker, Kultur- und Sozialbauten, deren Zukunft ungewiss war und die ihn magisch anzogen. Erst begann die fotografische \u00bbSammelleidenschaft\u00ab, sp\u00e4ter vollzog sich ein Perspektivwandel, die Kemnitz \u00bbHeimatkunde 2.0\u00ab nennt. Im Rahmen seines Studiums erblickte VIMUDEAP (Virtual Museum of Dead Places) das Licht der Welt. 20 Jahren sp\u00e4ter verf\u00fcgt das Portal \u00fcber eine anspruchsvolle Sammlung, die nicht nur ungenutzte Bauten pr\u00e4sentiert, sondern ein spezielles Abbild unsere Welt liefert, das Fragen aufwirft. Wir haben nachgefragt \u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>In diesem Jahr feiert VIMUDEAP 20-j\u00e4hriges Bestehen. Wie entstand 1996 die Idee, ein virtuelles Museum der Toten Orte, bzw. kollaboratives Archiv moderner Ruinen zu schaffen?<\/strong><br>War das Thema \u00bbungenutzte Architektur\u00ab noch vor 25 Jahren die Dom\u00e4ne weniger K\u00fcnstler und Fotografen, entwickelte es sich mit der Omnipr\u00e4senz digitaler Kameras und den fast unbegrenzten Publikationsm\u00f6glichkeiten des Internets in unterschiedlichen Auspr\u00e4gungen auch als Genre der Amateurfotografie. Die Gr\u00fcnde, sich mit der j\u00fcngsten Vergangenheit und seinen Bauten zu besch\u00e4ftigen, sind sicher genauso vielschichtig wie individuell. Auch das \u00bbrottenplaces-Magazin leistet einen wichtigen Beitrag, diese Gr\u00fcnde transparent und nachvollziehbar zu machen. An dieser Stelle vielen Dank f\u00fcr die Einladung, meine Perspektive auf das Thema \u00bbungenutzte Architektur\u00ab schildern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als ich 1988 als junger Maschinenbau-Student und Hobby-Fotograf die ersten Schwarzweissaufnahmen der Betonrelikte der Trogbr\u00fccke des Mittellandkanals bei Magdeburg machte, war meine Leidenschaft f\u00fcr Beton erwacht. Der Betonkonstruktion als fotografisch zu gestaltendem Raum ist die universelle Form- und Verwendbarkeit seiner Werkstoffe immanent. Als modernes Baumaterial des 20. Jahrhunderts repr\u00e4sentiert er f\u00fcr mich aber auch die aufgewandte Energie und Arbeitskraft. Diese Bauten und ihre Nutzung zeugen von der Anwesenheit von Macht. Durch ihren Verbleib in ungenutztem oder unvollendetem Zustand zeugen sie jedoch von der Abwesenheit von Macht und er\u00f6ffnen ein \u00bbbegehbares Zeitfenster\u00ab, das zum Durchschreiten einl\u00e4dt und auch mich fasziniert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Abwesenheit von Macht bekam mit dem Fall der Mauer 1989 f\u00fcr mich eine v\u00f6llig neue Dimension. Ich konnte jetzt nicht nur das ungeliebte Maschinenbau-Studium gegen ein Mediendesign-Studium im damaligen Westberlin eintauschen, nein, es gab auf einmal eine Vielzahl \u00fcberfl\u00fcssiger Industrieanlagen, Kasernen, Bunker, Kultur- und Sozialbauten, deren Zukunft ungewiss war und die mich magisch anzogen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend es anf\u00e4nglich der Ehrgeiz war, Objekte \u00fcberhaupt zu finden und zu \u00bbsammeln\u00ab, um dann mit \u00bbeinmaligen\u00ab Fotos heimzukehren, vollzog sich sp\u00e4ter ein Perspektivwechsel. Die Parteischule, an deren Hang in den Ferien gerodelt wurde; die untert\u00e4gige Anlage, die von KZ H\u00e4ftlingen errichtet wurde und deren Gedenkst\u00e4tte als Ort f\u00fcr meine Aufnahme in die FDJ diente \u2013 und niemand wusste, dass die als versch\u00fcttet geltende Anlage l\u00e4ngst durch die NVA weitergenutzt wurde; die Kaserne, in der ich meinen Wehrdienst verbrachte; Standorte der Fa. Junkers, die immer wieder meinen Weg kreuzen: als Verwaltungsgeb\u00e4ude der einstigen Berufsschule, als Betrieb der DDR-Luftfahrtindustrie, als verbunkerter F\u00f6rderturm im Nachbarort. Sie \u2013 oder ihre Stellvertreterobjekte \u2013 stehen somit f\u00fcr eine Mitverantwortung, das eigene Sein, die eigene Herkunft zu reflektieren, f\u00fcr mich eine \u00bbHeimatkunde 2.0\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fotografie ist f\u00fcr mich grunds\u00e4tzlich \u00bbFreude am Erkenntnisgewinn\u00ab. Neben einem hohen Ma\u00df an gestalterischer und technischer Qualit\u00e4t, geh\u00f6rt f\u00fcr mich die Ber\u00fccksichtigung des Kontexts zwingend dazu. Sp\u00e4testens, wenn das richtige Licht und die richtige Perspektive gefunden sind, gilt es Fragen zu beantworten: Worin bestand die urspr\u00fcngliche Funktion und wie kann deren Ausformung in der aktuellen Lichtsituation hinterfragt werden? Welche Informationen lassen sich aus der Anordnung der R\u00e4ume oder Geb\u00e4ude ermitteln? Welche architektur- oder zeitgeschichtlichen Aspekte m\u00fcssen ber\u00fccksichtigt werden? Die erstellte fotografische Aufnahme geht somit eine Symbiose mit ihrer genauen Beschreibung und Beschriftung ein. Es ist naheliegend, da\u00df es bei dieser Art Fotografie selten Einzelbilder gibt. Erst das Zusammenspiel mehrerer solcher Bilder erm\u00f6glicht die Beschreibung des Ortes. Dieses verlangt zudem nach transparenten und vernetzten Darstellungsformen und -systemen, die die ihnen zugeordneten vielschichtigen Informationen bereitstellen und verkn\u00fcpfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn meine Besch\u00e4ftigung mit dem Thema \u00bbungenutzte Architektur\u00ab und die Entstehung und Entwicklung von VIMUDEAP eng mit meiner eigenen Biografie verbunden sind, kann man sie nicht von der Entwicklung des Internets Mitte der 1990er Jahren trennen. Es st\u00f6rte damals nicht, dass man sich umst\u00e4ndlich mit einem am Computer angeschlossenen Modem bei einem Provider in das kabelgebundene Telefonnetz einw\u00e4hlen und pro Einwahl oder Minute zahlen musste. W\u00e4hrend wir heute schon ungehalten werden, wenn das Smartphone nur ein \u00bbE\u00ab als Datengeschwindigkeit zeigt, betrug die damalige Standardgeschwindigkeit nur gut ein F\u00fcnfzehntel von dieser. Es gab keine Smartphones, keine Sozialen Medien, kein Google Maps und keine Wikipedia, Amazon oder Ebay wurden gerade erst gegr\u00fcndet und \u2013 es gab auch kaum Bilder, ein Cyberspace aus Texten und Hyperlinks. Dennoch zog auch mich das Internet sofort als faszinierendes Medium in seinen Bann, da es v\u00f6llig neue M\u00f6glichkeiten des weltweiten Sich-Informierens, des Kommunizierens und Publizierens er\u00f6ffnete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Erkenntnis, dass die Welt voller ungenutzter Bauten ist, die dokumentiert werden m\u00fcssten, man selbst es aber niemals schaffen w\u00fcrde, war die Idee schnell geboren, sich die Arbeit zu teilen und die Arbeitsergebnisse auf einer gemeinsamen Plattform im Internet zu sammeln und zu pr\u00e4sentieren. Die Idee fand Anklang an der \u00bbbildo Akademie\u00ab f\u00fcr Kunst und Medien, an der ich studiert hatte und zu dem Zeitpunkt arbeitete. Deren damaliger Provider, die \u00bbInternationale Stadt Berlin\u00ab stellte als Deutschlands erste Online-Community einfache Tools zur Verf\u00fcgung, um auf der Basis von Perl-Skripten eigene interaktive Funktionen umzusetzen \u2013 VIMUDEAP erblickte das Licht der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Arbeit genau dieser vielen \u00bbGleichgesinnten\u00ab ist es zu verdanken, dass in 20 Jahren eine anspruchsvolle Sammlung entstanden ist, die nicht nur ungenutzte Bauten pr\u00e4sentiert, sondern ein spezielles Abbild unsere Welt liefert, das Fragen aufwirft. Diese Fragen zu stellen und eine Infrastruktur zu bieten, m\u00f6gliche Antworten zu publizieren, wird ein Teil der Zukunft von VIMUDEAP sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die VIMUDEAP-Plattform bekam nach vielen Jahren 2014 ein vollkommen neues Backend, aber auch eine ansprechende, schlichte Nutzeroberfl\u00e4che. Warum lag das Projekt so viele Jahre nahezu brach?<\/strong><br>Nachdem die 1996er Version mit der Etablierung als Forschungsprojekt an der Hochschule f\u00fcr Technik und Wirtschaft Berlin ab 1999 durch eine datenbankgest\u00fctzte Version ersetzt wurde, wuchs das System kontinuierlich. 101 Autoren haben 4.399 Bilder von 247 Toten Orten aus 27 Staaten zusammengetragen. Entstanden war eine inhaltlich und fotografisch anspruchsvolle Sammlung. Was nach Au\u00dfen nicht sichtbar wurde, war der Umstand, dass die gesamte technische und redaktionelle Arbeit auf meinen Schultern lastete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oft gab es gute Informationen, aber nicht ganz so gute Bilder oder umgekehrt. Um das angestrebte Qualit\u00e4tsniveau zu halten, waren viel Korrekturarbeit und Kommunikation n\u00f6tig. Kein Bild, dass ich nicht noch einmal \u00bbangefasst\u00ab habe. Da ich kaum noch zu eigenen Bildarbeiten kam und auch eine technische \u00dcberarbeitung dringend notwendig wurde, wollte ich lieber ein v\u00f6llig neues System entwickeln, um das Bild selbst mehr in den Mittelpunkt r\u00fccken. Erste Versionen unter dem Label \u00bbModern Ruins Images\u00ab entstanden und bauten auch auf dem VIMUDEAP-Pool auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Letztlich entstand 2009 die Onlinebildagentur LUMABYTES, die einen neuen Bildpool aufbaute und sich an professionelle Bildverwerter richtete und auch heute noch erfolgreich existiert. Letztlich \u00fcberwog bei mir doch das Interesse an Inhalten und historischen Zusammenh\u00e4ngen, das 2011 in die Gr\u00fcndung des Vereins \u00bbOrte der Geschichte\u00ab m\u00fcndete. Da die dort geplante Onlinedatenbank aus verschiedenen Gr\u00fcnden in absehbarer Zeit nicht umgesetzt werden konnte, verlie\u00df ich den Verein wieder und investierte die bereits geleistete eigene Arbeit in eine neue VIMUDEAP-Version, die seit 2014 mit einer zweiten Sammlungsphase online ist und auch den urspr\u00fcnglichen Bildpool enth\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wenn du die Jahre zur\u00fcckblickst, wie war die Au\u00dfenwahrnehmung des Projektes im Allgemeinen und welche Erfahrungen hast du pers\u00f6nlich mit selbigem sammeln k\u00f6nnen?<\/strong><br>Das System verblieb acht Jahre lang im Zustand von 2006, dem Ende der ersten Sammlungsphase. Sowohl in der ersten Phase, als auch in der Pause gab es durchweg sehr positive Resonanzen. Die Medien berichteten, Ver\u00f6ffentlichungen erfolgten und ich war Gast in mehreren Veranstaltungen zum Thema. Mit der fortschreitenden Entwicklung des Internets und des Themas selbst ergaben sich f\u00fcr alle, die sich dem Thema verschrieben hatten, unz\u00e4hlige weitere M\u00f6glichkeiten, sich auszutauschen und zu publizieren. Einen Teil \u00fcbernahmen die Sozialen Medien und es entstanden viele anspruchsvolle neue Projekte \u2013 wie bspw. \u00bbrottenplaces\u00ab. Es hat mich die gesamte Zeit \u00fcber sehr gefreut, dass es dennoch ein ungebrochenes Interesse an VIMUDEAP gab, was letztlich auch zum 2014er System f\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ein nicht unerheblicher Bereich der Plattform neben dem \u201eAtlas der Toten Orte\u201c ist die Rubrik \u201ePerspektiven\u201c. Hier werden dem Besucher unterschiedliche, teilweise k\u00fcnstlerische Blickwinkel anderer Fotografen pr\u00e4sentiert. Was genau hat es damit auf sich und auf wen oder was kann man sich zuk\u00fcnftig freuen?<\/strong><br>W\u00e4hrend der \u00bbAtlas\u00ab die Orte selbst in den Fokus r\u00fcckt, soll der Bereich \u00bbPerspektiven\u00ab Raum zur Reflexion bieten. Wie ich eingangs schon erw\u00e4hnte, ist auch mit VIMUDEAP ein System entstanden, dass einen besonderen Blick auf uns und unsere Gesellschaft wirft. Dieser \u00bbZustand der Welt\u00ab wirft Fragen auf. Die \u00bbPerspektiven\u00ab sind der Bereich innerhalb des VIMUDEAP, an dem diese Fragen gestellt und auf verschiedenste Art und Weise beantwortet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Formen k\u00f6nnen dabei sehr unterschiedlich sein. Mit Online-Ausstelllungen pr\u00e4sentiere ich k\u00fcnstlerische Positionen zum Thema \u00bbungenutzte Architektur\u00ab. Noch in diesem Jahr wird es eine Onlineausstellung des in Leipzig und Berlin lebenden Fotografen Louis Volkmann geben. F\u00fcr 2017 sind weitere angefragt. Nat\u00fcrlich kann jeder auch f\u00fcr diesen Bereich eigene Arbeiten einreichen. Das m\u00fcssen auch nicht immer Bildarbeiten sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>VIMUDEAP ist nahezu die einzige Plattform, die mit dem \u201eAtlas\u201c nicht nur einen Blick auf die gesamten erfassten \u201eToten Orte\u201c bietet, sondern zu jedem Positionsmarker diverse Informationen und Interaktionsm\u00f6glichkeiten bereith\u00e4lt. Wie man sich vorstellen kann, st\u00f6\u00dft dieses Modul nicht nur auf Zuspruch. Gerade geistige Brandstifter, die den Sinn und die Wichtigkeit solcher visuellen Archive nicht verstehen, laufen Sturm. Wie ist deine Meinung dazu?<\/strong><br>Als Plattform, die \u00bbplaces\u00ab im Namen f\u00fchrt und eine ersthafte Auseinandersetzung mit ungenutzter Architektur m\u00f6chte, kann man sich um die genau Benennung von Funktion und Ort nicht dr\u00fccken. Schon in der ersten Version war jedem Objekt ein Satellitenbild zugeordnet. Dieses war nicht als Anfahrtsskizze gedacht, sondern sollte, neben einer r\u00e4umlichen Einordnungen, auch einen Perspektivenwechsel erm\u00f6glichen \u2013 \u00e4hnlich der heutigen Verwendung von Flugaufnahmen von Foto-Drohnen. Da 2014, also nach 8 Jahren Pause, die Standorte aller bisher ver\u00f6ffentlichten Objekte als bekannt anzusehen waren, entstand ein Atlas mit dem genauen Standort auf der Basis von Google Maps. Bei allen Ver\u00f6ffentlichungen danach verfahre ich folgendermassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stimmt der Eigent\u00fcmer zu oder ist der Ort allgemein bekannt, wird die genaue Koordinate eingetragen. Ist eine Ver\u00f6ffentlichung des Objektes grunds\u00e4tzlich verantwortbar, erfolgte diese mit \u00bbKoordinate auf Anfrage\u00ab. Hat der\/die Anfragende bereits etwas zum VIMUDEAP beigetragen, erfolgt in der Regel die Weitergabe der Koordinaten. Das halte ich f\u00fcr fair und im Interesse aller. Auch in meinem Offline-Archiv schlummern noch viele Objekte, bei denen eine Ver\u00f6ffentlichung noch warten muss, um diese zu sch\u00fctzen. Das gleiche trifft f\u00fcr eingereichte Objektvorschl\u00e4ge zu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wohin wird sich VIMUDEAP zuk\u00fcnftig entwickeln? Setzt du auf Bew\u00e4hrtes oder beobachtest du neue digitale Wege und M\u00f6glichkeiten?<\/strong><br>Tote Orte, die es mit Systemen wie VIMUDEAP zu bewahren gilt, wird es immer geben. Damit steht die Fortf\u00fchrung der bisherigen Sammlung weiterhin im Mittelpunkt. Wie ich zum Bereich \u00bbPerspektiven\u00ab schon erw\u00e4hnte, soll jedoch mehr Raum f\u00fcr Reflexion geschaffen werden. Reflexionen, die den bisherigen \u00bbBlick zur\u00fcck\u00ab mit dem Blick auf \u00bbdas Jetzt\u00ab und \u00bbdas vor uns\u00ab verbinden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wer die Plattform VIMUDEAP mit seinem Fachwissen, Bildmaterial, historischen Dokumenten oder womit auch immer unterst\u00fctzen m\u00f6chte, welche M\u00f6glichkeiten gibt es?<\/strong><br>Das System VIMUDEAP stellt eine Infrastruktur bereit, um sich aktiv zu beteiligen. Als angemeldeter Nutzer kann man vorhandene Objekte mit eigenen Bildergalerien, Kommentaren, Links, Videos oder Dokumenten erg\u00e4nzen. Diese Erg\u00e4nzungen erfolgen direkt auf der Seite des jeweiligen Objektes und die Ver\u00f6ffentlichung ist unmittelbar. Im Account-Bereich gibt es die Funktion \u00bbDead Place vorschlagen\u00ab, um eigene, neue Objekte vorzuschlagen. Um etwas zu \u00fcbermitteln, was nicht direkt einem Ort zuzuordnen ist \u2013 wie bspw. Bilder f\u00fcr eine Onlineausstellung, Texte f\u00fcr den Bereich \u00bbPerspektiven\u00ab oder einfach nur etwas, wof\u00fcr man innerhalb des Systems noch keinen Platz gefunden hat \u2013 geht das \u00fcber die Punkte \u00bbBilder-\u00ab bzw. \u00bbDokumente \u00fcbermitteln\u00ab, ebenfalls im Account-Bereich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Im letzten Jahr ist der Bildband \u201eStillgelegt\u201c erschienen, in dem du gemeinsam mit den Fotografen Robert Conrad und Michael T\u00e4ger 100 verlassene Orte in Deutschland und Europa publizierst und der Allgemeinheit n\u00e4her bringst. Zufrieden mit dem gedruckten Ergebnis?<\/strong><br>Als die Anfrage des Dumont Reiseverlages kam, ob ich Interesse habe, einen Bildband zum Thema \u00bbVerlassene Orte\u00ab zu erarbeiten, war ich erst gar nicht begeistert. Wie ich bereits erw\u00e4hnte, entstehen bei meiner fotografischen Arbeit eher Ergebnisse, die nach digitalen, verkn\u00fcpften Pr\u00e4sentationsformen verlangen. Da schien das Medium Bildband gar nicht zu passen. Erst die Nachfrage bei den beiden engagierten VIMUDEAP-Autoren Robert Conrad und Michael T\u00e4ger und deren Interesse und Zusage gaben den Startschuss, sich diesem Projekt zu stellen. Als nach mehrmonatiger, intensiver Arbeit dann das gedruckte Ergebnis vorlag, war ich doch sehr stolz und zufrieden, dass sich das Thema auch als Bildband aufbereiten l\u00e4sst, der sich zudem gut verkauft und auch in den Medien Beachtung findet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anders als bei \u00e4hnlichen Bildb\u00e4nden zum Thema gliedert sich \u201eStillgelegt\u201c in f\u00fcnf klar strukturierte Bereiche und zeigt neben sorgf\u00e4ltig ausgew\u00e4hlten Panoramaansichten, faszinierenden Detailaufnahmen auch historische Informationen zu jedem Objekt. Hattet ihr bei der Gestaltung freie Hand oder gab es spezifische Vorgaben vom Verlag?<\/strong><br>Das Kernteam bestand aus der Redaktion im Verlag, den Designern der Berliner Agentur \u00bbPolygraph Design\u00ab und mir, als Schnittstelle zu meinen Fotografen-Kollegen. Der Verlag gab die Kriterien vor, die so ein Buch erf\u00fcllen soll. Wir Fotografen w\u00e4hlten aus unseren Pools rund 1100 Bilder von 180 Objekten aus 25 L\u00e4ndern aus und stellten diese zur Diskussion. Daraus wurde ein Grobkonzept erstellt und die Redaktion und die Designer w\u00e4hlten die ersten Bilder aus und die ersten Layouts entstanden. Es folgten vier Monate intensiver Arbeit und das Grundprinzip blieb erhalten: die Konzeption wurde gemeinsam weiter verfeinert, wir Fotografen schlugen darauf abgestimmt Bilder und Objekte vor, die Designer w\u00e4hlten aus und gestalteten und stellten das Ergebnis der Redaktion und uns Fotografen vor. Als wir Fotografen unsere 100 Texte zu den ausgew\u00e4hlten Objekten fertig hatten, kamen eine Lektorin und zwei Autoren f\u00fcr den Einf\u00fchrungstext und die Kapiteleinf\u00fchrungen mit ins Boot. Die letztliche Entscheidung lag immer bei der Redaktion.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bemerkenswert im Bildband ist auch die Tatsache, dass es sich bei den ver\u00f6ffentlichten Objekten um Bauwerke im Moment des Stillstands, Relikte im Dornr\u00f6schenschlaf oder ruin\u00f6se Zeitzeugen handelt, die die Phase des \u00dcberganges zwischen Nutzen und endg\u00fcltigem Verfall oder Verschwinden zeigen \u2013 und nicht, wie gew\u00f6hnlich besenreine Herrenh\u00e4user oder kunstvolle Sakralbauten. Man k\u00f6nnte sagen, \u201eStillgelegt\u201c ist der Bildband zu VIMUDEAP \u2013 oder w\u00e4re das ein zu oberfl\u00e4chlicher Vergleich?<br>Nein dieser Vergleich ist v\u00f6llig gerechtfertigt. Wir wollten mit dem Buch nicht vorrangig der Morbidit\u00e4t fr\u00f6nen, sondern ein illustriertes Geschichtsbuch schaffen. Ich denke, das ist gelungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Bildband \u201eStillgelegt\u201c k\u00f6nnen Sie u. a. hier bestellen.<br>Interessante Links<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">www.vimudeap.info<br>www.lumabytes.com<br>www.thomaskemnitz.de<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Wir danken Thomas Kemnitz f\u00fcr das Interview. Das Interview f\u00fchrte Andr\u00e9 Winternitz<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thomas Kemnitz entdeckte seine Leidenschaft f\u00fcr \u00bbungenutzte Architektur\u00ab 1988, als er als junger Maschinenbau-Student und Hobby-Fotograf die ersten Schwarzweissaufnahmen der Betonrelikte der Trogbr\u00fccke des Mittellandkanals bei Magdeburg machte. 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