{"id":11182,"date":"2026-10-27T04:00:00","date_gmt":"2026-10-27T03:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/?p=11182"},"modified":"2026-10-26T15:36:58","modified_gmt":"2026-10-26T14:36:58","slug":"koepenicker-kabelwerk-920-wohnungen-lassen-auf-sich-warten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/newsaktuell\/koepenicker-kabelwerk-920-wohnungen-lassen-auf-sich-warten\/","title":{"rendered":"K\u00f6penicker Kabelwerk: 920 Wohnungen lassen auf sich warten"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Berlin-K\u00f6penick. Wo jahrzehntelang verlassene Fabrikhallen den Charakter <a href=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/lostplaces\/veb-ika-kabelwerk-koepenick\/\" data-type=\"post\" data-id=\"7577\">einer gro\u00dfen Industriebrache pr\u00e4gten<\/a>, bestimmen inzwischen Bagger, Erdhaufen und Bauschutt das Bild. Auf dem Gel\u00e4nde des ehemaligen Kabelwerks K\u00f6penick an der Friedrichshagener Stra\u00dfe schreiten Abriss und Bodensanierung voran. Doch vom angek\u00fcndigten neuen Wohnquartier ist weiterhin nichts zu sehen. Rund 920 Wohnungen, eine Kita, Gewerbefl\u00e4chen und \u00f6ffentliche Freir\u00e4ume sind geplant. Wann der eigentliche Wohnungsbau beginnen kann, ist derzeit offen. Das Vorhaben zeigt, wie langwierig die Umwandlung eines belasteten Industrieareals in ein neues Stadtquartier werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Eine Industriebrache wird zur Gro\u00dfbaustelle<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das etwa 66.000 Quadratmeter gro\u00dfe Gel\u00e4nde liegt zwischen der Friedrichshagener Stra\u00dfe, der Salvador-Allende-Br\u00fccke und der Spree. \u00dcber Jahrzehnte war das ehemalige Kabelwerk nach seiner Schlie\u00dfung Mitte der 1990er-Jahre dem Verfall \u00fcberlassen. Verlassene Produktionshallen, besch\u00e4digte Backsteinfassaden und \u00fcberwucherte Geb\u00e4udeteile machten das Areal zu einem markanten Lost Place im Berliner S\u00fcdosten. Inzwischen hat sich das Erscheinungsbild grundlegend ver\u00e4ndert. Gro\u00dfe Teile der fr\u00fcheren Fabrikanlage sind abgerissen, an vielen Stellen liegen Erde, Ziegelschutt und weiteres Abbruchmaterial. Einzelne historische Geb\u00e4ude stehen noch zwischen den freiger\u00e4umten Fl\u00e4chen. Sie sollen erhalten bleiben und sp\u00e4ter in das neue Quartier integriert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr das Projekt ist die BUWOG verantwortlich, eine Tochtergesellschaft des Immobilienkonzerns Vonovia. Unter dem Namen C\u00d6PIUS soll auf dem Gel\u00e4nde ein gemischt genutztes Quartier entstehen. Doch w\u00e4hrend die Beseitigung der alten Industrieanlagen sichtbar voranschreitet, bleibt der n\u00e4chste entscheidende Schritt aus: der Bau der Wohnungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Vom Telegrafendraht zum DDR-Kabelkombinat<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte des Standorts reicht bis ins Jahr 1858 zur\u00fcck. Damals gr\u00fcndete Julius Vogel in Berlin eine Fabrik zur Herstellung von Telegrafendraht. Der Standort in K\u00f6penick entstand sp\u00e4ter, ab 1916 wurde dort produziert. Das Unternehmen entwickelte sich zu einem wichtigen Teil der deutschen Kabelindustrie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb von der sowjetischen Besatzungsmacht kontrolliert. In der DDR geh\u00f6rte das Kabelwerk zum Kombinat Kabelwerk Oberspree, kurz KWO. Hier wurden Kabel und Dr\u00e4hte f\u00fcr unterschiedliche technische und industrielle Anwendungen hergestellt. Der Betrieb war damit Teil einer Industrie, die f\u00fcr die Energieversorgung, Telekommunikation und zahlreiche Produktionszweige von Bedeutung war. Mit dem Ende der DDR geriet der Standort unter erheblichen wirtschaftlichen Druck. Mitte der 1990er-Jahre wurde das Werk geschlossen. Die verbliebenen Geb\u00e4ude verloren ihre Funktion, verfielen und entwickelten sich zu einer weitl\u00e4ufigen Industriebrache. Was einst ein bedeutender Produktionsstandort war, wurde \u00fcber Jahrzehnte zum Sinnbild ungenutzter Industriefl\u00e4chen in Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Nicht alles soll verschwinden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz des <a href=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/newsaktuell\/rueckbau-des-kabelwerks-koepenick-schreitet-voran\/\" data-type=\"post\" data-id=\"4135\">weit fortgeschrittenen R\u00fcckbaus<\/a> ist vorgesehen, wichtige Zeugnisse der Industriegeschichte zu bewahren. Dazu z\u00e4hlen zwei f\u00fcnfgeschossige Etagenfabriken, Teile angrenzender Hallen, das ehemalige Pf\u00f6rtnerhaus sowie die historische Umfassungsmauer entlang der Friedrichshagener Stra\u00dfe. Auch alte Gleisanlagen und Drehscheiben sollen bei der Entwicklung ber\u00fccksichtigt werden. Besonders die markanten Backsteinbauten sollen k\u00fcnftig eine neue Rolle \u00fcbernehmen. Vorgesehen sind unter anderem B\u00fcros, Gastronomie, Werkst\u00e4tten und weitere gewerbliche Nutzungen. In den oberen Geschossen sind Wohnlofts geplant. Damit sollen die historischen Fabrikgeb\u00e4ude zum identit\u00e4tsstiftenden Mittelpunkt des neuen Quartiers werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Erhalt dieser Geb\u00e4ude ist allerdings mit erheblichem Aufwand verbunden. Jahrzehntelanger Leerstand und fehlende Instandhaltung haben Spuren hinterlassen. Besch\u00e4digte Fassaden, leere Fenster\u00f6ffnungen und Graffiti pr\u00e4gen das Bild der noch stehenden Bauten. Bis aus den Ruinen nutzbare R\u00e4ume werden, sind umfangreiche Sanierungsarbeiten erforderlich. Die Entwicklung steht damit vor einer doppelten Aufgabe: Nicht mehr ben\u00f6tigte und nicht erhaltenswerte Geb\u00e4ude m\u00fcssen weichen, w\u00e4hrend die denkmalw\u00fcrdige Substanz gesichert und f\u00fcr neue Nutzungen vorbereitet werden soll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Altlasten bremsen die Entwicklung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein wesentlicher Grund f\u00fcr die Verz\u00f6gerungen liegt im Boden. Das fr\u00fchere Industrieareal ist nach Angaben der Projektentwicklerin stark kontaminiert. Vor dem Wohnungsbau m\u00fcssen belastete B\u00f6den ausgehoben, fachgerecht entsorgt und die Fl\u00e4chen f\u00fcr die sp\u00e4tere Nutzung vorbereitet werden. Die BUWOG begann im Oktober 2024 mit der Bodensanierung und Ber\u00e4umung. Urspr\u00fcnglich war f\u00fcr diese Arbeiten ein Zeitraum von etwa 15 Monaten vorgesehen. Damit h\u00e4tte die vorbereitende Phase Anfang 2026 weitgehend abgeschlossen sein sollen. Tats\u00e4chlich liefen die Arbeiten Ende Oktober 2026 noch immer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Altlastenbeseitigung ist keine blo\u00dfe Nebenaufgabe. Bei fr\u00fcheren Industriestandorten k\u00f6nnen Schadstoffe im Boden und in baulichen Anlagen die Bauvorbereitung erheblich erschweren. Material muss untersucht, getrennt, transportiert und entsprechend seiner Belastung entsorgt werden. Solche Ma\u00dfnahmen verursachen Kosten und k\u00f6nnen Zeitpl\u00e4ne verschieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie stark die bisherigen Verz\u00f6gerungen den Gesamtzeitplan beeinflussen, l\u00e4sst sich derzeit nicht abschlie\u00dfend beziffern. Die Projektentwicklerin hat bislang weder einen belastbaren Termin f\u00fcr den Beginn des Wohnungsbaus noch einen Fertigstellungstermin f\u00fcr das gesamte Quartier ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Ohne Bebauungsplan keine Wohnungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben der Bodensanierung gibt es eine weitere entscheidende H\u00fcrde: das noch laufende Bebauungsplanverfahren 9-53. Der Bezirk Treptow-K\u00f6penick arbeitet seit Jahren an den planungsrechtlichen Voraussetzungen f\u00fcr die Entwicklung des Areals. Bereits Ende 2020 fand eine fr\u00fchzeitige Beteiligung der \u00d6ffentlichkeit statt. Ein abgeschlossenes Verfahren ist jedoch notwendig, damit die geplante Neubebauung auf eine gesicherte planungsrechtliche Grundlage gestellt werden kann. Auch Gutachten, die Beteiligung verschiedener Beh\u00f6rden und politische Entscheidungen spielen dabei eine Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch vor wenigen Jahren galt ein Baubeginn im Jahr 2026 als realistisch. Diese Erwartung hat sich nicht erf\u00fcllt. Ende Oktober 2026 ist das Gel\u00e4nde weiterhin von R\u00fcckbau- und Sanierungsarbeiten gepr\u00e4gt. Solange das Planungsrecht nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt ist, bleibt offen, wann die ersten Wohngeb\u00e4ude tats\u00e4chlich entstehen k\u00f6nnen. Das Vorhaben verdeutlicht damit ein grundlegendes Problem vieler Stadtentwicklungsprojekte: Selbst wenn ein Investor feststeht und die Umgestaltung eines Grundst\u00fccks l\u00e4ngst angek\u00fcndigt ist, bedeutet das noch nicht, dass kurzfristig gebaut werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>920 Wohnungen, Kita und \u00f6ffentlicher Spreeuferweg<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An den grunds\u00e4tzlichen Pl\u00e4nen f\u00fcr C\u00d6PIUS h\u00e4lt die BUWOG fest. Vorgesehen sind rund 920 Miet- und Eigentumswohnungen sowie eine Kita und Gewerbefl\u00e4chen. Mindestens 30 Prozent der Wohnungen sollen nach den bisherigen Planungsunterlagen mit Mietpreis- und Belegungsbindungen versehen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dar\u00fcber hinaus ist entlang der Spree ein \u00f6ffentlich zug\u00e4nglicher Uferweg vorgesehen. Gr\u00fcnfl\u00e4chen und Spielpl\u00e4tze sollen das neue Wohngebiet erg\u00e4nzen und Aufenthaltsm\u00f6glichkeiten schaffen. Die Neubauten sind \u00fcberwiegend mit vier bis sechs Geschossen geplant. Fr\u00fchere Entw\u00fcrfe sahen an der Salvador-Allende-Stra\u00dfe au\u00dferdem einen neungeschossigen B\u00fcroturm vor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Pl\u00e4ne versprechen eine umfassende Ver\u00e4nderung des bislang abgeschotteten Industrieareals. Aus einer ungenutzten Fabrikbrache soll ein Wohnquartier mit \u00f6ffentlichen Wegen und unterschiedlichen Nutzungen werden. F\u00fcr K\u00f6penick w\u00e4re das eine erhebliche st\u00e4dtebauliche Ver\u00e4nderung. Doch zwischen den Pl\u00e4nen und ihrer Umsetzung liegt weiterhin ein langer Weg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Das Umfeld entwickelt sich schneller<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend C\u00d6PIUS noch in der vorbereitenden Phase steckt, ver\u00e4ndert sich die Nachbarschaft bereits. Auf der gegen\u00fcberliegenden Stra\u00dfenseite befindet sich das fr\u00fchere Draka-Werk, in dem bis 2023 noch Kabel produziert wurden. Dort plant Tesla, eine rund 20.000 Quadratmeter gro\u00dfe Halle zu einem europ\u00e4ischen Entwicklungszentrum umzubauen. Auch auf dem Gel\u00e4nde der benachbarten ehemaligen Filmfabrik entsteht ein neues Wohnprojekt. Das BUWOG-Vorhaben ARBOR umfasst 36 Eigentumswohnungen und soll voraussichtlich 2028 fertiggestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Entwicklungen zeigen, wie stark sich der Bereich rund um die Friedrichshagener Stra\u00dfe wandelt. Ehemalige Industrie- und Produktionsfl\u00e4chen werden neu genutzt, Wohnraum entsteht und Gewerbe siedelt sich an. Das fr\u00fchere Kabelwerk bleibt vorerst jedoch eine Gro\u00dfbaustelle, deren k\u00fcnftige Gestalt noch nicht absehbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Ein Lost Place verschwindet \u2013 die Zukunft bleibt offen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der R\u00fcckbau des Kabelwerks ver\u00e4ndert nicht nur das Gel\u00e4nde, sondern auch einen Ort, der \u00fcber Jahrzehnte zum festen Bestandteil der lokalen Industriegeschichte geh\u00f6rte. Mit den abgerissenen Hallen verschwinden bauliche Zeugnisse der Kabelproduktion und der DDR-Industrie. Die erhaltenen Backsteinbauten sollen k\u00fcnftig an diese Vergangenheit erinnern und zugleich neue Funktionen \u00fcbernehmen. Ob das gelingt, wird sich erst zeigen, wenn die Sanierung abgeschlossen ist und die denkmalw\u00fcrdigen Geb\u00e4ude tats\u00e4chlich eine neue Nutzung erhalten. Bis dahin bleibt das Areal ein Beispiel f\u00fcr die komplizierte Umwandlung einer belasteten Industriebrache.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die rund 920 geplanten Wohnungen sind weiterhin Teil der Perspektive f\u00fcr den Standort. Doch ein konkreter Baubeginn ist nicht bekannt. Der Abriss ist weit fortgeschritten, die Bodensanierung dauert l\u00e4nger als urspr\u00fcnglich vorgesehen und das notwendige Planungsrecht steht noch aus. F\u00fcr Menschen, die auf neuen Wohnraum am Spreeufer hoffen, bedeutet das vor allem: Ein Einzugstermin ist vorerst nicht in Sicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin-K\u00f6penick. Wo jahrzehntelang verlassene Fabrikhallen den Charakter einer gro\u00dfen Industriebrache pr\u00e4gten, bestimmen inzwischen Bagger, Erdhaufen und Bauschutt das Bild. 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