{"id":10952,"date":"2012-10-19T12:32:00","date_gmt":"2012-10-19T10:32:00","guid":{"rendered":"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/?p=10952"},"modified":"2026-10-19T12:37:13","modified_gmt":"2026-10-19T10:37:13","slug":"dorn-schrauben-herne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/lostplaces\/dorn-schrauben-herne\/","title":{"rendered":"Dorn-Schrauben Herne"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jahrzehntelang geh\u00f6rte das Schraubenwerk Dorn zu den wichtigen Zulieferbetrieben der Montanindustrie im Ruhrgebiet. In den Werkshallen in Herne entstanden Schrauben, Muttern und Nieten f\u00fcr den Bergbau, sp\u00e4ter auch f\u00fcr die Automobilindustrie und den Maschinenbau. Tausende Besch\u00e4ftigte arbeiteten im Laufe der Unternehmensgeschichte auf dem Gel\u00e4nde oder waren \u00fcber ihre Familien mit dem Betrieb verbunden. Doch Ende 1993 wurden die Werkstore geschlossen. Zur\u00fcck blieben gro\u00dfe Industriehallen, technische Relikte und eine Fl\u00e4che, deren Zukunft \u00fcber Jahre ungekl\u00e4rt blieb. Das ehemalige Werk Knipping-Dorn wurde zu einem bekannten Lost Place \u2013 bevor Abriss- und Sanierungspl\u00e4ne eine neue Perspektive er\u00f6ffneten. Heute steht das Gel\u00e4nde im Zeichen des st\u00e4dtebaulichen Wandels: Wohnen und \u00f6ffentliche Gr\u00fcnfl\u00e4chen sollen den fr\u00fcheren Industriestandort neu in das Stadtgef\u00fcge einbinden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Ein Unternehmen aus dem Westerwald zieht nach Herne<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Wurzeln des Schraubenwerks Dorn liegen urspr\u00fcnglich in Altenkirchen im Westerwald. Im Jahr 1900 wurde der Produktionsstandort nach Herne verlegt. Ausschlaggebend war die \u00dcbernahme der insolventen Herner Mutter- und Schraubenfabrik GmbH, die den Unternehmern Otto Langhorst und Carl Leising eine Grundlage f\u00fcr den Aufbau des neuen Betriebs bot. Der Standort im Ruhrgebiet war strategisch g\u00fcnstig. Die rasch wachsende Steinkohlenindustrie ben\u00f6tigte gro\u00dfe Mengen an Verbindungselementen f\u00fcr Maschinen, F\u00f6rderanlagen und andere technische Einrichtungen. Schrauben, Muttern und Nieten waren unverzichtbare Bestandteile der industriellen Infrastruktur. Ein spezialisierter Zulieferbetrieb in unmittelbarer N\u00e4he zu den Zechen und metallverarbeitenden Unternehmen konnte von dieser Nachfrage profitieren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"603\" src=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/dorn_schrauben_herne7.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10959\" srcset=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/dorn_schrauben_herne7.jpg 900w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/dorn_schrauben_herne7-300x201.jpg 300w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/dorn_schrauben_herne7-768x515.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den ersten Jahren konzentrierte sich die Produktion vor allem auf den Bergbau und dessen Zulieferindustrie. Der wirtschaftliche Start verlief allerdings nicht reibungslos. Schwierigkeiten bei der Beschaffung geeigneter Maschinen, fehlende Fachkr\u00e4fte und die allgemeine wirtschaftliche Lage bremsten die Entwicklung. Erst ab 1907 stabilisierte sich der Betrieb zunehmend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Vom Schraubenhersteller zum wichtigen Zulieferer der Ruhrindustrie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der zunehmenden Industrialisierung erweiterte das Unternehmen sein Produktionsspektrum. Neben dem Bergbau wurden die Eisenbahn, der Br\u00fcckenbau, der Schiffbau, der Waggonbau sowie der Fahrzeug- und Landmaschinenbau zu wichtigen Abnehmern. Die Produkte des Schraubenwerks fanden damit in zahlreichen Bereichen Anwendung, in denen belastbare und pr\u00e4zise gefertigte Verbindungselemente ben\u00f6tigt wurden. Das Unternehmen wuchs gemeinsam mit seinen Absatzm\u00e4rkten. 1912 besch\u00e4ftigte der Betrieb rund 170 Menschen, 1914 waren es bereits etwa 300. In den 1920er-Jahren wurde das Werk durch zus\u00e4tzliche Grundst\u00fccksk\u00e4ufe erweitert. Neue Fertigungshallen entstanden, und die industrielle Produktion nahm immer gr\u00f6\u00dfere Dimensionen an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entwicklung verlief nicht geradlinig. Wirtschaftliche Krisen und konjunkturelle Einbr\u00fcche wirkten sich auch auf die Besch\u00e4ftigung aus. 1928 erreichte die Belegschaft rund 500 Mitarbeiter, 1933 sank sie infolge der wirtschaftlichen Krise auf etwa 180. Dennoch blieb Dorn ein bedeutender Betrieb der eisenverarbeitenden Industrie in Herne.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"603\" src=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/dorn_schrauben_herne6.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10958\" srcset=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/dorn_schrauben_herne6.jpg 900w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/dorn_schrauben_herne6-300x201.jpg 300w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/dorn_schrauben_herne6-768x515.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Ein Konkurrent gibt auf<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein wichtiger Einschnitt in der Unternehmensgeschichte ereignete sich 1933 und 1934. Die benachbarte Sch\u00fcchtermann &amp; Kremer-Baum AG stellte ihre eigene Schrauben- und Nietenproduktion ein. Die Maschinen des Unternehmens wurden an die Gewerkschaft Dorn verkauft. Der Wegfall eines unmittelbaren Konkurrenten st\u00e4rkte die Stellung des Herner Schraubenwerks. Der Betrieb konnte seine Bedeutung als Zulieferer f\u00fcr die regionale Schwerindustrie weiter ausbauen. Die Erweiterung der Fertigungskapazit\u00e4ten spiegelte sich auch in der baulichen Entwicklung des Werksgel\u00e4ndes wider.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Fabrik war l\u00e4ngst mehr als eine Ansammlung einzelner Werkshallen. Sie bildete einen eigenst\u00e4ndigen industriellen Komplex, in dem Fertigung, Lagerung und betriebliche Abl\u00e4ufe aufeinander abgestimmt waren. Die Dimensionen des Gel\u00e4ndes verdeutlichten die Bedeutung, die das Unternehmen f\u00fcr die industrielle Infrastruktur des Ruhrgebiets besa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"603\" src=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/dorn_schrauben_herne2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10954\" srcset=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/dorn_schrauben_herne2.jpg 900w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/dorn_schrauben_herne2-300x201.jpg 300w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/dorn_schrauben_herne2-768x515.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Rekordbesch\u00e4ftigung und ein eigenes Schwimmbad<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich das Schraubenwerk erneut zu einem bedeutenden Arbeitgeber. Im September 1949 erreichte die Belegschaft mit rund 717 Besch\u00e4ftigten einen historischen H\u00f6chststand. Die Zahl zeigt, welche Bedeutung der Betrieb f\u00fcr Herne und die umliegenden Stadtteile hatte. Ein Jahr sp\u00e4ter waren noch etwa 569 Menschen besch\u00e4ftigt. Bemerkenswert war auch die soziale Infrastruktur des Unternehmens. F\u00fcr die Besch\u00e4ftigten stand ein betriebseigenes Schwimmbad zur Verf\u00fcgung. Es war Ausdruck einer Zeit, in der gr\u00f6\u00dfere Industriebetriebe nicht nur Arbeitspl\u00e4tze bereitstellten, sondern teilweise auch soziale und gemeinschaftliche Einrichtungen unterhielten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Schwimmbad ist heute eines der ungew\u00f6hnlichen Details, die in Erinnerungen und Fotodokumentationen \u00fcber das ehemalige Schraubenwerk auftauchen. Es verdeutlicht, dass die Geschichte der Fabrik nicht allein aus Maschinen, Hallen und Produktionszahlen besteht. F\u00fcr die Belegschaft war das Werk zugleich ein sozialer Mittelpunkt, an dem sich Arbeitsleben und betriebliche Gemeinschaft miteinander verbanden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"603\" src=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/dorn_schrauben_herne3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10955\" srcset=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/dorn_schrauben_herne3.jpg 900w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/dorn_schrauben_herne3-300x201.jpg 300w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/dorn_schrauben_herne3-768x515.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Aus der Gewerkschaft Dorn wird Knipping-Dorn<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Laufe der Unternehmensgeschichte \u00e4nderten sich die Eigentumsverh\u00e4ltnisse und die organisatorische Struktur mehrfach. 1981 wurde der Betrieb in Knipping-Dorn GmbH umfirmiert. Der neue Name spiegelte die Einbindung in die Knipping-Unternehmensgruppe wider. Auch die Anforderungen an die Produktion ver\u00e4nderten sich. Neben den traditionellen Abnehmern aus dem Bergbau gewann die Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie zunehmend an Bedeutung. Hergestellt wurden unter anderem Sonder- und Zeichnungsschrauben, die nach konkreten technischen Vorgaben gefertigt wurden. Hinzu kamen Verbindungselemente f\u00fcr den Maschinen- und Anlagenbau.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Herstellung solcher Spezialteile erforderte Pr\u00e4zision und eine zuverl\u00e4ssige Qualit\u00e4tssicherung. Das Unternehmen war damit nicht mehr ausschlie\u00dflich auf die klassische Montanindustrie ausgerichtet, sondern belieferte auch anspruchsvolle industrielle Kunden. Zu den Abnehmern geh\u00f6rten nach historischen Darstellungen Unternehmen aus der Automobilbranche, darunter BMW, Mercedes-Benz und Ford.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Proteste gegen die Werksschlie\u00dfung bleiben erfolglos<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schlie\u00dfung des Schraubenwerks war f\u00fcr die Belegschaft ein schwerer Einschnitt. Am 28. Januar 1993 erfuhr der damalige Betriebsratsvorsitzende Bernhard Steinberg von den Pl\u00e4nen der Knipping-Holding, den Standort Herne aufzugeben und Maschinen sowie Kundenbeziehungen an die Peiner Umformtechnik zu \u00fcbertragen. Die Ank\u00fcndigung l\u00f6ste Proteste aus. Besch\u00e4ftigte legten die Arbeit nieder, und auch B\u00fcrger aus Herne solidarisierten sich mit den Mitarbeitern. Betriebsrat, Belegschaft und Stadt bem\u00fchten sich darum, den Betrieb zu erhalten. Nach den \u00fcberlieferten Berichten wurde die drohende Schlie\u00dfung besonders kritisch gesehen, weil der Betrieb trotz der angek\u00fcndigten Aufgabe noch Auftr\u00e4ge abarbeitete und \u00dcberstunden geleistet wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Proteste und Hilfsangebote blieben jedoch ohne Erfolg. Am 31. Dezember 1993 schloss das Werk seine Tore. Zuletzt waren dort noch rund 200 Menschen besch\u00e4ftigt. Mit dem Ende der Produktion verlor Herne einen traditionsreichen Zulieferbetrieb, dessen Entwicklung eng mit dem Aufstieg und dem Strukturwandel der Ruhrindustrie verbunden war. Die Maschinenproduktion wurde aufgegeben, die Hallen verloren ihre Funktion und das Gel\u00e4nde stand vor einer ungewissen Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Vom Industriestandort zum Lost Place<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der Stilllegung blieben die gro\u00dfen Werkshallen \u00fcber Jahre hinweg erhalten. Ohne regelm\u00e4\u00dfige Nutzung und Instandhaltung verschlechterte sich ihr Zustand. Besch\u00e4digte D\u00e4cher, zerbrochene Fenster und \u00fcberwucherte Freifl\u00e4chen pr\u00e4gten zunehmend das Bild des Areals. Fotografen und Freunde verlassener Orte entdeckten das Gel\u00e4nde als Lost Place. Die leeren Hallen boten Einblicke in die Dimensionen der einstigen Produktion. Maschinen waren allerdings nicht in gr\u00f6\u00dferem Umfang zur\u00fcckgelassen worden. Von den industriellen Abl\u00e4ufen zeugten vor allem die Hallenstrukturen, Maschinenfundamente, Wartungssch\u00e4chte und weitere bauliche Spuren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"603\" src=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/dorn_schrauben_herne4.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10956\" srcset=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/dorn_schrauben_herne4.jpg 900w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/dorn_schrauben_herne4-300x201.jpg 300w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/dorn_schrauben_herne4-768x515.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders eindrucksvoll waren die Kontraste zwischen den massiven Industriegeb\u00e4uden und der einsetzenden Natur. Pflanzen breiteten sich auf den Hallenb\u00f6den aus, w\u00e4hrend Feuchtigkeit und Witterung ihre Spuren an den Geb\u00e4uden hinterlie\u00dfen. Das ehemalige Schraubenwerk wurde so zu einem sichtbaren Symbol f\u00fcr den Niedergang eines Industriestandorts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Ein Elektronikmarkt sollte das Gel\u00e4nde neu beleben<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon vor dem vollst\u00e4ndigen Verschwinden der Industriebrache gab es \u00dcberlegungen f\u00fcr eine Nachnutzung. Das Gel\u00e4nde sollte nicht dauerhaft ungenutzt bleiben. Diskutiert wurden unter anderem Einzelhandel, Wohnen und Naherholung. Im Jahr 2008 erhielt ein gro\u00dfer Elektronikhandelskonzern eine Baugenehmigung f\u00fcr ein Vorhaben auf dem Areal. Die Entwicklung h\u00e4tte dem Standort eine neue wirtschaftliche Funktion geben k\u00f6nnen. W\u00e4hrend der ersten Abbrucharbeiten zog sich das Unternehmen jedoch 2010 zur\u00fcck. Damit scheiterte das Vorhaben, und die Fl\u00e4che blieb erneut ohne die erhoffte umfassende Neuentwicklung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Scheitern verdeutlichte die Schwierigkeiten bei der Revitalisierung gro\u00dfer Industriefl\u00e4chen. Der Abriss alter Hallen allein schafft noch keine nachhaltige Stadtentwicklung. Solange Investoren, Nutzungskonzepte und die Finanzierung notwendiger Sanierungsma\u00dfnahmen nicht zusammenpassen, k\u00f6nnen solche Grundst\u00fccke \u00fcber Jahre brachliegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Die Stadt Herne k\u00fcndigt Abriss und Bodensanierung an<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Juni 2022 konkretisierte sich die Perspektive f\u00fcr das ehemalige Knipping-Dorn-Gel\u00e4nde. Die Stadt Herne berichtete \u00fcber einen geplanten Abriss der alten Hallen und die Vorbereitung einer neuen Wohnbebauung. Die Deutsche Reihenhaus wollte dort Eigenheime errichten. Vor dem Neubau musste jedoch zun\u00e4chst gekl\u00e4rt werden, wie mit den Geb\u00e4uden und dem Untergrund umzugehen war. Zwischen der Eigent\u00fcmerfamilie Knipping und der Stadt sollte ein Sanierungsvertrag die erforderlichen Ma\u00dfnahmen regeln. Neben dem Entfernen der Aufbauten war eine Untersuchung und gegebenenfalls Sanierung des Bodens vorgesehen. Erst anschlie\u00dfend sollten die Voraussetzungen f\u00fcr die neue Nutzung geschaffen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Umgang mit m\u00f6glichen Altlasten ist bei ehemaligen Industriestandorten von besonderer Bedeutung. \u00dcber Jahrzehnte wurden auf solchen Fl\u00e4chen Maschinen betrieben, \u00d6le und Schmierstoffe eingesetzt und Produktionsabf\u00e4lle gehandhabt. Ob und in welchem Umfang eine Bodensanierung erforderlich ist, muss durch Untersuchungen und die zust\u00e4ndigen Fachstellen gekl\u00e4rt werden. Mit dem angek\u00fcndigten R\u00fcckbau wurde zugleich das Ende eines bekannten Lost Place eingel\u00e4utet. Die Hallen, die \u00fcber Jahre das Bild des verlassenen Standorts gepr\u00e4gt hatten, sollten einer neuen Nutzung weichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Neue Wohnbebauung und Quartierspark<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die geplante Entwicklung geht \u00fcber den Bau einzelner H\u00e4user hinaus. F\u00fcr das ehemalige Knipping-Dorn-Gel\u00e4nde wurden Wohnnutzungen vorgesehen; \u00e4ltere st\u00e4dtebauliche Untersuchungen gingen von rund 100 Wohneinheiten in Reihenh\u00e4usern aus. Diese Zahl beschreibt einen Planungsansatz und ist nicht mit einer nachgewiesenen Fertigstellung gleichzusetzen. Dar\u00fcber hinaus verfolgt die Stadt Herne das Ziel, die n\u00f6rdliche Innenstadt aufzuwerten und zus\u00e4tzliche Gr\u00fcnfl\u00e4chen zu schaffen. Im Zusammenhang mit der Entwicklung des Bereichs Funkenberg-Ost wurde ein Quartierspark auf mehr als 12.000 Quadratmetern ins Gespr\u00e4ch gebracht. Auch eine neue Wohnbebauung in Geschossbauweise und Eigenheime geh\u00f6ren zu den \u00f6ffentlich beschriebenen Vorstellungen f\u00fcr das weitere Umfeld.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie weit die einzelnen Vorhaben inzwischen umgesetzt sind, l\u00e4sst sich anhand der ausgewerteten Ver\u00f6ffentlichungen nicht abschlie\u00dfend best\u00e4tigen. Deshalb w\u00e4re es nicht korrekt, das gesamte Areal bereits als fertiggestelltes Wohnquartier zu beschreiben. Fest steht, dass die Stadt und die Projektbeteiligten den fr\u00fcheren Industriestandort langfristig einer neuen Nutzung zuf\u00fchren wollen.<br>Ein St\u00fcck Industriegeschichte verschwindet<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Wandel des Knipping-Dorn-Gel\u00e4ndes steht beispielhaft f\u00fcr die Entwicklung vieler ehemaliger Industriestandorte im Ruhrgebiet. Unternehmen, die \u00fcber Jahrzehnte eng mit dem Bergbau und der Schwerindustrie verbunden waren, verloren mit dem Strukturwandel ihre wirtschaftliche Grundlage. Zur\u00fcck blieben Fl\u00e4chen, deren Geb\u00e4ude h\u00e4ufig nur schwer weiterzuverwenden waren. F\u00fcr die Stadtentwicklung er\u00f6ffnet der R\u00fcckbau solcher Areale neue M\u00f6glichkeiten. Wohnraum kann geschaffen, die Umgebung neu geordnet und Gr\u00fcnfl\u00e4chen k\u00f6nnen in dicht bebauten Stadtteilen erg\u00e4nzt werden. Gleichzeitig verschwindet mit den alten Werkshallen ein Teil der materiellen \u00dcberlieferung der Industriegeschichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim Schraubenwerk Dorn w\u00e4re deshalb eine umfassende fotografische und bauhistorische Dokumentation besonders wertvoll. Sie k\u00f6nnte den Zustand der Hallen, die Spuren der Produktion und die Entwicklung des Areals f\u00fcr die Nachwelt festhalten. Denn sobald die Geb\u00e4ude abgetragen sind, bleiben von der industriellen Vergangenheit oft nur Archivunterlagen, Fotografien und die Erinnerungen ehemaliger Besch\u00e4ftigter.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"603\" src=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/dorn_schrauben_herne1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10953\" srcset=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/dorn_schrauben_herne1.jpg 900w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/dorn_schrauben_herne1-300x201.jpg 300w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/dorn_schrauben_herne1-768x515.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Vom Zulieferer der Montanindustrie zur Fl\u00e4che f\u00fcr die Stadt von morgen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Schraubenwerk Dorn war mehr als eine Fabrik. Seit der Verlagerung nach Herne im Jahr 1900 entwickelte sich der Betrieb zu einem wichtigen Zulieferer f\u00fcr Bergbau, Eisenbahn, Fahrzeugbau und Maschinenindustrie. Zeitweise arbeiteten dort mehr als 700 Menschen. Mit dem Ende der Produktion 1993 verlor Herne einen traditionsreichen Industriebetrieb und einen bedeutenden Arbeitgeber. Der jahrzehntelange Leerstand machte das ehemalige Werk zu einem bekannten Lost Place. Fr\u00fchere Ansiedlungspl\u00e4ne scheiterten, bevor 2022 der R\u00fcckbau und die Bodensanierung als Vorbereitung f\u00fcr eine neue Wohnnutzung angek\u00fcndigt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die geplante Umgestaltung bietet eine Chance, die Fl\u00e4che wieder in das Stadtgef\u00fcge einzubinden. Sie bedeutet zugleich den Verlust weiterer Zeugnisse der industriellen Vergangenheit. Das Schraubenwerk Dorn steht damit f\u00fcr die zentrale Herausforderung des Strukturwandels: Neue Nutzungen m\u00fcssen geschaffen werden, ohne die Geschichte eines Ortes vollst\u00e4ndig aus dem \u00f6ffentlichen Bewusstsein verschwinden zu lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jahrzehntelang geh\u00f6rte das Schraubenwerk Dorn zu den wichtigen Zulieferbetrieben der Montanindustrie im Ruhrgebiet. 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