{"id":10904,"date":"2012-10-19T12:06:00","date_gmt":"2012-10-19T10:06:00","guid":{"rendered":"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/?p=10904"},"modified":"2026-10-19T12:09:42","modified_gmt":"2026-10-19T10:09:42","slug":"boerde-brauerei-magdeburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/lostplaces\/boerde-brauerei-magdeburg\/","title":{"rendered":"B\u00f6rde-Brauerei Magdeburg"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die ehemalige B\u00f6rde-Brauerei in Magdeburg ist ein bedeutendes Kapitel der regionalen Industriegeschichte. Mehr als 160 Jahre lang wurde an der Sieverstorstra\u00dfe Bier gebraut, zun\u00e4chst unter dem Namen der Gr\u00fcnderfamilie Bodenstein, sp\u00e4ter als volkseigener Betrieb der DDR. Nach dem Ende der Produktion blieben verfallende Industriegeb\u00e4ude zur\u00fcck. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der historischen Anlage wurde abgerissen, w\u00e4hrend der markante Sud- und Malzturm als bauliches Relikt erhalten blieb. Die Geschichte der Brauerei erz\u00e4hlt von technischem Fortschritt, Enteignung, wirtschaftlichem Niedergang und dem schwierigen Umgang mit einem historischen Industriestandort.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>August Bodenstein gr\u00fcndet eine Brauerei in Magdeburg<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte der sp\u00e4teren B\u00f6rde-Brauerei beginnt am 8. August 1823. An diesem Tag gr\u00fcndete der Kaufmann und Gutsbesitzer August Leberecht Bodenstein auf seinem Grundst\u00fcck in der Sieverstorstra\u00dfe in Magdeburg die Brauerei A. Bodenstein. Der Betrieb entwickelte sich zu einem wichtigen Unternehmen der regionalen Bierproduktion und gilt als \u00e4lteste industrielle Brauerei Magdeburgs. Die Gr\u00fcndung fiel in eine Zeit, in der sich die Stadt wirtschaftlich weiterentwickelte und die Herstellung von Bier zunehmend industrialisiert wurde. Bodenstein setzte fr\u00fch auf technische Neuerungen. Die Brauerei geh\u00f6rte zu den Unternehmen Magdeburgs, die eine Dampfmaschine einsetzten. Sp\u00e4ter kam eine Eismaschine hinzu, die eine zuverl\u00e4ssigere K\u00fchlung erm\u00f6glichte und damit bessere Voraussetzungen f\u00fcr die Lagerung und Herstellung von Bier schuf.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"603\" src=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/boerde_brauerei3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10907\" srcset=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/boerde_brauerei3.jpg 900w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/boerde_brauerei3-300x201.jpg 300w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/boerde_brauerei3-768x515.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders bekannt wurde der Betrieb durch sein Lagerbier, das sogenannte Bayerische Bier. Diese unterg\u00e4rige Biersorte stand f\u00fcr eine neue Qualit\u00e4t der Braukunst und trug dazu bei, dass sich die Brauerei in Magdeburg und der Umgebung etablierte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Der Aufstieg der Familienbrauerei Bodenstein<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Tod des Gr\u00fcnders im Jahr 1877 \u00fcbernahm sein Sohn Franz Bodenstein die Leitung des Unternehmens. Er hatte sich in Bayern mit dem Brauwesen besch\u00e4ftigt und brachte entsprechende Fachkenntnisse in den Betrieb ein. Um 1880 produzierte die Brauerei das in Magdeburg und Umgebung beliebte \u201eBodensteiner Kulmbacher\u201c. Mit dem Tod von Franz Bodenstein im Jahr 1885 endete diese Phase der unmittelbaren Familienf\u00fchrung. 1886 wurde die Brauerei in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Die Beteiligung blieb jedoch weitgehend in Familienhand. Emil Gr\u00fcnwald, ein Schwiegersohn des Gr\u00fcnders, \u00fcbernahm eine f\u00fchrende Position im Unternehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft schuf die Voraussetzungen f\u00fcr eine weitere wirtschaftliche Entwicklung. Die Brauerei wurde zu einem etablierten Unternehmen der Magdeburger Lebensmittelindustrie und baute ihre Stellung in der Region aus. Auch die Verbindung zu anderen Brauereien pr\u00e4gte die Unternehmensgeschichte. Die 1864 in Buckau gegr\u00fcndete Dampf-Bierbrauerei Reichardt &amp; Schneidewin ging 1914 an die Brauerei Bodenstein \u00fcber. Damit b\u00fcndelte das Unternehmen weitere regionale Brautraditionen unter seinem Dach.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"603\" src=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/boerde_brauerei5.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10909\" srcset=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/boerde_brauerei5.jpg 900w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/boerde_brauerei5-300x201.jpg 300w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/boerde_brauerei5-768x515.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>1924 bis 1945: Die Brauerei Bodenstein AG<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1924 firmierte das Unternehmen als \u201eBrauerei Bodenstein AG zu Magdeburg\u201c. In dieser Zeit verf\u00fcgte die Brauerei \u00fcber Zweigniederlassungen, unter anderem in Calbe an der Saale und in Wolmirstedt. Das Unternehmen war damit \u00fcber den eigentlichen Magdeburger Standort hinaus t\u00e4tig. Einen wichtigen architektonischen Einschnitt markierte das Jahr 1936. In diesem Jahr entstanden ein neues Sudhaus und ein markantes, rund 38 Meter hohes Malzsilo. Der Turm entwickelte sich zu einem weithin sichtbaren Erkennungszeichen des Brauereigel\u00e4ndes und pr\u00e4gte das Erscheinungsbild des Standorts \u00fcber Jahrzehnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Turmbau war nicht nur ein funktionales Element der Produktion. Er verk\u00f6rperte zugleich den industriellen Anspruch eines Unternehmens, das seine Herstellungsprozesse modernisierte und seine Position im regionalen Biermarkt behauptete. Das Ensemble aus Sudhaus, Malzsilo und weiteren Produktionsgeb\u00e4uden dokumentierte die Entwicklung vom traditionellen Braubetrieb zum industriell organisierten Unternehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Enteignung und Neuanfang unter staatlicher Kontrolle<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ende des Zweiten Weltkriegs brachte einen tiefgreifenden Einschnitt f\u00fcr die Brauerei. Nach der Enteignung der bisherigen Eigent\u00fcmer wurde der Betrieb in einen volkseigenen Betrieb \u00fcberf\u00fchrt. Aus der traditionsreichen Privatbrauerei wurde die VEB B\u00f6rde-Brauerei Magdeburg. 1947 wurde die Bierproduktion wieder aufgenommen. Damit begann ein neues Kapitel, in dem die Brauerei nicht mehr von der Gr\u00fcnderfamilie und privaten Anteilseignern gef\u00fchrt wurde, sondern Teil der staatlich organisierten Wirtschaft der DDR war. Der Betrieb blieb ein wichtiger Bestandteil der Magdeburger Brauindustrie.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"603\" src=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/boerde_brauerei4.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10908\" srcset=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/boerde_brauerei4.jpg 900w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/boerde_brauerei4-300x201.jpg 300w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/boerde_brauerei4-768x515.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Wechsel vom Familienunternehmen zum Volkseigentum war mehr als eine \u00c4nderung des Firmennamens. Er stand f\u00fcr den umfassenden wirtschaftlichen und politischen Umbau der Nachkriegszeit. W\u00e4hrend die industrielle Produktion fortgesetzt wurde, war die fr\u00fchere Eigent\u00fcmerstruktur unwiederbringlich verloren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Zusammenschluss der Magdeburger Brauereien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine weitere Ver\u00e4nderung erfolgte 1961. Die B\u00f6rde-Brauerei wurde mit der Diamant-Brauerei und dem Sudenburger Brauhaus zum VEB Vereinigte Brauereien Magdeburg zusammengeschlossen. Die B\u00f6rde-Brauerei fungierte innerhalb dieses Verbunds als Werk II. Die Diamant-Brauerei wurde als Werk I gef\u00fchrt, das Sudenburger Brauhaus als Werk III. Die Zusammenfassung mehrerer Standorte entsprach dem wirtschaftlichen Organisationsprinzip der DDR. Produktion und Betriebsabl\u00e4ufe sollten zentraler gesteuert werden. Die einzelnen Brauereien verloren damit einen Teil ihrer unternehmerischen Eigenst\u00e4ndigkeit, blieben jedoch als Produktionsstandorte Teil der Magdeburger Bierlandschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Name B\u00f6rde-Brauerei blieb in der Region pr\u00e4sent. Er stand f\u00fcr ein Bier, das \u00fcber Generationen hinweg mit Magdeburg verbunden war. Die Geschichte des Unternehmens zeigt damit auch, wie stark regionale Marken selbst dann fortleben k\u00f6nnen, wenn sich Eigent\u00fcmer, Organisationsformen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen grundlegend ver\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Das Ende der Bierproduktion<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der deutschen Wiedervereinigung gerieten zahlreiche ostdeutsche Industriebetriebe unter erheblichen wirtschaftlichen Druck. Auch die Magdeburger Brauereien mussten sich in einem ver\u00e4nderten Markt behaupten, der zunehmend von neuen Wettbewerbsbedingungen und strukturellen Umbr\u00fcchen gepr\u00e4gt war. 1991 wurde der Braubetrieb am Standort der ehemaligen B\u00f6rde-Brauerei eingestellt. Damit endete eine Tradition, die 1823 mit August Leberecht Bodenstein begonnen hatte. Die Geb\u00e4ude verloren ihre urspr\u00fcngliche Funktion, die Produktionsanlagen wurden nicht mehr regul\u00e4r genutzt und das Gel\u00e4nde entwickelte sich zunehmend zu einer stillgelegten Industriebrache.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den Standort begann damit eine lange Phase der Ungewissheit. Die ehemaligen Produktionsgeb\u00e4ude waren auf einen spezialisierten industriellen Betrieb zugeschnitten. Eine wirtschaftlich tragf\u00e4hige Anschlussnutzung h\u00e4tte erhebliche Investitionen und ein \u00fcberzeugendes Nutzungskonzept erfordert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Der Verlust eines historischen Brauereiensembles<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Ende der Produktion begann der langsame Niedergang der Bausubstanz. Die stillgelegten Geb\u00e4ude wurden \u00fcber Jahre hinweg nicht mehr in dem Umfang unterhalten, den eine dauerhafte Erhaltung erfordert h\u00e4tte. Der Komplex verlor zunehmend seine wirtschaftliche Bedeutung und entwickelte sich zu einem verlassenen Ort der Magdeburger Industriegeschichte. Obwohl Geb\u00e4udereste als Denkmal erfasst waren, wurde ein gro\u00dfer Teil der historischen Anlage abgetragen. Die Quellen nennen daf\u00fcr unterschiedliche Zeitpunkte: Ein Gro\u00dfteil der Geb\u00e4ude soll 2006 verschwunden sein, andere Darstellungen beschreiben den weitgehenden Abriss des Areals bis 2009. Der erhaltene Sud- und Malzturm blieb als markantes Relikt zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Verlust war erheblich. Mit den Produktionsgeb\u00e4uden verschwanden Teile eines Ensembles, das die Entwicklung der Magdeburger Brauindustrie seit dem 19. Jahrhundert dokumentiert hatte. Erhalten blieb lediglich ein kleiner Ausschnitt des einstigen Betriebsgel\u00e4ndes. Der Turm steht heute sinnbildlich f\u00fcr das Dilemma vieler ehemaliger Industriestandorte: Einzelne Geb\u00e4ude \u00fcberdauern den Abbruch, doch ohne eine dauerhafte Nutzung geraten auch sie unter Druck. Der Erhalt eines markanten Bauwerks allein kann die historische Gesamtanlage nicht ersetzen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"603\" src=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/boerde_brauerei1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10905\" srcset=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/boerde_brauerei1.jpg 900w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/boerde_brauerei1-300x201.jpg 300w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/boerde_brauerei1-768x515.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Loftwohnungen im Sudturm: Eine Vision ohne gesicherte Umsetzung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den erhaltenen Turm gab es Pl\u00e4ne, die den historischen Bestand mit einer neuen Nutzung verbinden sollten. Vorgesehen war, das Geb\u00e4ude in ein Wohnhaus mit Loftwohnungen umzubauen. Damit h\u00e4tte aus einem ehemaligen Produktionsbau ein ungew\u00f6hnlicher Wohnstandort entstehen k\u00f6nnen. Das Projekt wurde jedoch \u00fcber Jahre hinweg nicht wie geplant umgesetzt. Noch in sp\u00e4teren Berichten wurde der Turm als verlassener Bestandteil des ehemaligen Brauereigel\u00e4ndes beschrieben. Die Hoffnung auf eine Wiederbelebung durch Wohnen blieb damit lange Zeit ein Beispiel f\u00fcr die Schwierigkeiten, historische Industriearchitektur wirtschaftlich sinnvoll umzunutzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade bei industriellen Hochbauten ist eine solche Umnutzung anspruchsvoll. Tragwerk, Belichtung, Erschlie\u00dfung, Brandschutz und technische Ausstattung m\u00fcssen an die Anforderungen moderner Wohnungen angepasst werden. Hinzu kommen m\u00f6gliche Sch\u00e4den durch langj\u00e4hrigen Leerstand. Was von au\u00dfen wie eine attraktive Loftimmobilie wirkt, kann im Inneren erhebliche Sanierungskosten verursachen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Neue Freifl\u00e4chen und ein Spielplatz auf dem ehemaligen Brauereigel\u00e4nde<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das fr\u00fchere Brauereiareal wurde nicht ausschlie\u00dflich als Baufl\u00e4che betrachtet. Die Stadt Magdeburg entwickelte auf einem Teil des Gel\u00e4ndes an der Sieverstorstra\u00dfe eine inklusive Spiel- und Freizeitfl\u00e4che unter dem Namen \u201eAlte Brauerei\u201c. Nach Angaben der Stadt umfasste das Vorhaben rund 1.250 Quadratmeter. F\u00fcr die Umsetzung wurden etwa 650.700 Euro veranschlagt. Bei der Planung sollten die Interessen von Kindern und Menschen mit Behinderungen ber\u00fccksichtigt werden. Die Gestaltung griff mit dem Namen \u201eAlte Brauerei\u201c die industrielle Vergangenheit des Standorts auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit erhielt zumindest ein Teil des Areals eine \u00f6ffentliche Nutzung, die sich deutlich von der fr\u00fcheren industriellen Produktion unterscheidet. Wo einst Bier hergestellt und gelagert wurde, sollte ein Ort f\u00fcr Bewegung, Begegnung und Freizeit entstehen. Die neue Nutzung kann die verlorene Brauereianlage nicht ersetzen. Sie zeigt jedoch, dass Industriebrachen auch dann einen Beitrag zum Stadtleben leisten k\u00f6nnen, wenn eine vollst\u00e4ndige Wiederherstellung der historischen Geb\u00e4ude nicht mehr realistisch ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Die Marke Bodenstein kehrt zur\u00fcck<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine bemerkenswerte Wendung nahm die Geschichte der Brauerei im Jahr 2021. Olav Skowronnek, ein direkter Nachfahre der Gr\u00fcnderfamilie, belebte die Marke Bodenstein wieder. Damit kehrte ein traditionsreicher Name in die Magdeburger Bierlandschaft zur\u00fcck \u2013 allerdings nicht durch eine Wiederaufnahme der Produktion im historischen Sudhaus. Die Marke wurde auf dem Gel\u00e4nde der ehemaligen Zichorienfabrik von Emil Gr\u00fcnwald in der Sieverstorstra\u00dfe 50\/51 neu positioniert. Die Verwaltung der Marke nahm dort ihre Arbeit auf. Die eigentliche Bierproduktion wurde an andere Standorte verlagert. Laut der Brauereihistorie wird das Bodensteiner Bier inzwischen in Gommern im Jerichower Land gebraut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Wiederbelebung der Marke ist ein Beispiel daf\u00fcr, dass industrielle Tradition nicht zwingend an den Erhalt s\u00e4mtlicher historischer Produktionsgeb\u00e4ude gebunden ist. Rezepturen, Namen und famili\u00e4re \u00dcberlieferungen k\u00f6nnen weitergef\u00fchrt werden, selbst wenn der urspr\u00fcngliche Betrieb l\u00e4ngst verschwunden ist. Gleichzeitig muss zwischen der historischen B\u00f6rde-Brauerei und der heutigen Marke Bodenstein unterschieden werden: Die Marke kn\u00fcpft an die Geschichte des Familienunternehmens an, doch die Produktion findet nicht mehr im alten Brauereiturm statt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"603\" src=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/boerde_brauerei2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10906\" srcset=\"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/boerde_brauerei2.jpg 900w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/boerde_brauerei2-300x201.jpg 300w, https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/boerde_brauerei2-768x515.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Eine Brauereigeschichte zwischen Fortschritt und Verlust<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die B\u00f6rde-Brauerei steht f\u00fcr mehr als die Geschichte eines einzelnen Bierherstellers. Sie dokumentiert den Wandel der Magdeburger Wirtschaft vom privat gef\u00fchrten Familienunternehmen \u00fcber die staatliche Industrialisierung der DDR bis zum Strukturbruch nach der Wiedervereinigung. Der 1823 gegr\u00fcndete Betrieb setzte fr\u00fch auf technische Neuerungen und entwickelte sich zu einer festen Gr\u00f6\u00dfe der regionalen Bierproduktion. Nach der Enteignung, dem Zusammenschluss mit anderen Brauereien und dem Ende des Braubetriebs 1991 verlor das Gel\u00e4nde seine urspr\u00fcngliche Funktion. Der weitgehende Abriss beseitigte einen gro\u00dfen Teil des historischen Ensembles.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass die Marke Bodenstein wiederbelebt wurde, ist ein positives Zeichen f\u00fcr die Fortf\u00fchrung regionaler Brautradition. F\u00fcr die Baugeschichte bleibt der Verlust jedoch erheblich: Der erhaltene Sudturm kann die einstige Anlage nur noch fragmentarisch repr\u00e4sentieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Fall zeigt, wie eng der Fortbestand historischer Industriearchitektur mit einer rechtzeitigen Nachnutzung verbunden ist. Wo tragf\u00e4hige Konzepte ausbleiben, droht selbst denkmalgesch\u00fctzter Bestand zu verschwinden. Die Geschichte der B\u00f6rde-Brauerei ist damit sowohl ein St\u00fcck Magdeburger Wirtschaftsgeschichte als auch ein Lehrst\u00fcck \u00fcber den schwierigen Umgang mit dem industriellen Erbe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ehemalige B\u00f6rde-Brauerei in Magdeburg ist ein bedeutendes Kapitel der regionalen Industriegeschichte. 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