{"id":212,"date":"2016-04-26T21:02:10","date_gmt":"2016-04-26T19:02:10","guid":{"rendered":"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/?page_id=212"},"modified":"2026-08-30T13:30:42","modified_gmt":"2026-08-30T11:30:42","slug":"woher-kommt-die-leidenschaft-fuer-lost-places","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/rottenplaces.de\/rpweb\/woher-kommt-die-leidenschaft-fuer-lost-places\/","title":{"rendered":"Woher kommt die Leidenschaft f\u00fcr Lost Places?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Leidenschaft f\u00fcr verlassene Orte &#8211; so genannte &#8222;Lost Places&#8220; hat ihren Ursprung in den 70er Jahren und kommt &#8211; wie so vieles &#8211; aus den USA. Meist waren es Sch\u00fcler und Studenten, die sich in ihrer Freizeit zusammenfanden, und in waghalsigen Aktionen Br\u00fccken und Hochh\u00e4user erkletterten, in Tunnel- und Bunkersysteme einstiegen, oder sich Zugang zu U-Bahnen oder \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden verschafften, um diese zu erkunden und das Erreichte mit Fotos zu Beweiszwecken zu dokumentieren. Ein wesentlicher Aspekt, der eine ganze Szene pr\u00e4gte und die Leidenschaft zur Erforschung von Einrichtungen des st\u00e4dtischen Raums f\u00f6rderte, waren der Strukturwandel der Autoindustrie in St\u00e4dten wie beispielsweise Detroit, wo durch den fortw\u00e4hrenden Niedergang und dem Bedeutungsverlust einer ganzen Infrastruktur bis heute der Verfall dominiert. Zudem verf\u00fcgen St\u00e4dte wie Detroit, Chicago, San Francisco, New York und viele mehr \u00fcber ein riesiges Netz aus Kanalisationen und Tunnelsystemen. Ein Mekka f\u00fcr abenteuerlustige Heranwachsende also.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1977 gr\u00fcndeten Gary Warne, David Warren, Nancy Prussia und Adrienne Burk in San Francisco den so genannten &#8222;Suicide Club&#8220;. Bei der Wahl des Namens wurden die vier Gr\u00fcnder von drei Geschichten des Autors Robert Louis Stevenson inspiriert, in denen sich sterbewillige Menschen zum &#8222;Suicide Club&#8220; zusammenfanden, wo jeden Abend ein Mitglied durch eine Zufallsauswahl sterben sollte. So realit\u00e4tsfern diese Inspiration auch klingt, so bahnbrechend und wegweisend waren die &#8222;Unternehmungen&#8220; der Club-Mitglieder f\u00fcr viele &#8222;Gleichgesinnte&#8220; bis in das 20. Jahrhundert. Warne, Warren, Prussia und Burk machten es sich zur Leidenschaft, in erster Linie die weltbekannten und gigantischen Br\u00fccken ihrer Heimatstadt zu erklettern, ohne jegliche Sicherung und technische Hilsmittel &#8211; ein nicht nur lebensgef\u00e4hrliches, sondern auch h\u00f6chst illegales Unterfangen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Einsteigen in Kanalisationen, Tunnelsysteme oder U-Bahn-Stationen geh\u00f6rte ebenso zur Leidenschaft der Mitglieder, wie verlassene Industriekomplexe und Geb\u00e4ude aller Art, Katakomben oder noch aktive Staatsgeb\u00e4ude. Der Begriff &#8222;Urban Exploration&#8220; (Stadterkundung) wurde geboren. Viele dieser &#8222;Erkundungen&#8220; wurden als so genannte &#8222;Events&#8220; organisiert, von denen die meisten als Troph\u00e4e zum Beweis der erfolgreichen Absolvierung in Bild oder auf anderem Wege festgehalten wurden. Alle Events starteten und endeten in Warnes Buchladen, in dem dieser bis zu seinem Tod 1983 arbeitete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1985 schrieb Rolf Adams f\u00fcr die Gesellschaft f\u00fcr H\u00f6hlenforschung der Universit\u00e4t von Sydney die Serie &#8222;False Cave&#8220; (Falsche H\u00f6hle) des Newsletters. Adams ist Experte auf dem Gebiet und steigt in seiner Freizeit in Abwassersysteme hinab und erkundet diese. Ein Jahr sp\u00e4ter wird in Australien der Cave-Clan gegr\u00fcndet, dessen Logo dem von Coca-Cola stark \u00e4hnelt. Die Gr\u00fcndungsmitglieder &#8222;Woody&#8220;, &#8222;Doug&#8220; und &#8222;Sloth&#8220; lie\u00dfen sich von Alf Sadlier inspirieren, der f\u00fcr das Melbourne Metropolitan Board of Works (MMBW) Abwassersysteme installierte und bei jedem Projekt im letzten Segment seinen Namen und das Datum hinterlie\u00df. Zu den Aktivit\u00e4ten des Cave-Clans geh\u00f6rten &#8211; und geh\u00f6ren noch heute &#8211; neben der &#8222;Erkundung&#8220; von Abwassersystemen auch Bunkeranlagen, Festungen, D\u00e4cher hoher Geb\u00e4udekomplexe und verlassene Geb\u00e4ude. Zu den Mitgliedern geh\u00f6ren Menschen aller Schichten, vom einfachen Arbeiter bis zum Banker. 1989 erscheint der erste Newsletter von Gr\u00fcndungsmitglied Doug unter dem Namen &#8222;Il Draino&#8220; f\u00fcr den Cave-Clan. Erstmals ist die Rede von &#8222;Lost Places&#8220; und &#8222;Abandoned Places&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1990 gr\u00fcndete sich um Vadim Mikhailov die Gruppe &#8222;Diggers of the Underground Planet&#8220; in Moskau. Auch hier die gro\u00dfe Leidenschaft: Abwassersysteme, Katakomben und verlassene Geb\u00e4ude aller Art &#8211; wobei der Schwerpunkt klar im Untergrund zu finden war. Die Gruppe ger\u00e4t jedoch unter Gleichgesinnten schnell in negative Schlagzeilen, da den &#8222;Diggers&#8220; nachgesagt wurde, Touren f\u00fcr jedermann &#8211; gerne jedoch auch f\u00fcr Journalisten und Reporter anzubieten und sich diese gut bezahlen zu lassen. Mikhailov liebte die \u00d6ffentlichkeit, \u00fcber ihn wurden zahlreiche Zeitungsartikel und TV-Berichte produziert. 1994 zog die Gruppe das \u00f6ffentliche Interesse auf sich, als Mitglieder behaupteten, sie h\u00e4tten einen Zugang zu einem &#8222;geheimen&#8220; Tunnel in Moskau gefunden &#8211; genannt Metro-2 &#8211; der parallel zur eigentlichen Metrostation existiert, der zu Zeiten Josef Stalins erbaut und vom KGB mit dem Codenamen D-6 versehen wurde. Von \u00f6ffentlichen Stellen jedoch wurde dies zu dieser Zeit als reine Spekulation abgetan.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im selben Jahr gr\u00fcndeten sich in Sydney die &#8220; Bunker Boyz&#8220;, mit dem Ziel, verlassene Bunkeranlagen und Milit\u00e4rhinterlassenschaften zu erkunden. In Amerika bringen Dug Song und Greg Shewchuk die erste Ausgabe ihres Magazins &#8222;Samizdat&#8220; heraus. In diesem berichten sie \u00fcber kuriose &#8222;Erkundungen&#8220; im Untergrund oder dem Besteigen von D\u00e4chern &#8211; heute bekannt als &#8222;Rooftopping&#8220;. Es erscheinen insgesamt nur zwei Ausgaben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1996 kommt es zwischen den &#8222;Diggers of the Underground Planet&#8220; und der Moskauer Regierung zur gemeinsamen Kooperation unter dem Projektnamen &#8222;Center of Underground Research&#8220;. Im selben Jahr starten gleich mehrere Internetprojekte &#8211; darunter &#8222;Adventuring&#8220; von Wes Modes und &#8222;College Tunnels WWW Resource Site&#8220; von Ben Hines (die gleichzeitig eine Parallelseite zur Newsgroup &#8222;lt.college.tunnels newsgroup&#8220; ist). In den Staaten gr\u00fcndet &#8222;Max Action&#8220; und einige Mitstudenten von der University of Minnesota die Gruppe &#8222;Adventure Squad&#8220;, die sp\u00e4ter in &#8222;Action Squad&#8220; umbenannt wird und als solche noch heute aktiv ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jeff Chapman (Ninjalicious) bringt im selben Jahr das Magazin &#8222;Infiltration&#8220; und parallel die gleichnamige Webseite heraus. Insgesamt erscheinen \u00fcber die Jahre diverse Ausgaben und diese verschaffen dem Betrachter einen tiefen Einblick in ein zu dieser Zeit erstmals als Hobby bezeichnetes Genre. Ein Jahr sp\u00e4ter schreiben Lefty Leibowitz und L.B. Deyo Artikel zum Thema &#8222;Rooftopping&#8220; und \u00fcber verlassene Geb\u00e4ude f\u00fcr das &#8222;Jinx-Magazin&#8220;. Der Verein &#8222;Berliner Unterwelten&#8220; wird gegr\u00fcndet &#8211; mit dem Ziel den Berliner Untergrund zu erforschen und zu dokumentieren. Somit schwappte das breite Themenspektrum auch \u00fcber den gro\u00dfen Teich nach Europa.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1998 erscheint das erste Buch &#8222;Invisible New York: The Hidden Infrastructure of the City&#8220; zum Thema von Stanley Greenberg. Ebenfalls in diesem Jahr wird das erste deutsche Buch von Dietmar und Ingmar Arnold (Berliner Unterwelten) unter dem Namen &#8222;Dunkle Welten &#8211; Bunker, Tunnel und Gew\u00f6lbe unter Berlin&#8220; ver\u00f6ffentlicht. Ein Jahr sp\u00e4ter findet das erste Event in New York statt &#8211; &#8222;Dark Passage&#8220; unter der Organisation von Julia Solis. Der Sydney Cave Clan ver\u00f6ffentlicht die erste Ausgabe seines Magazins &#8222;Urbex&#8220;. In den Folgejahren erscheinen diverse Webseiten, Newsgroups, Projekte, Gruppierungen und B\u00fccher. Nach dem 11. September 2001 und den Terroranschl\u00e4gen auf die USA wird das Leben der abenteuerlustigen &#8222;Entdecker&#8220; verlassener oder \u00f6ffentlicher Orte zunehmend schwieriger.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2002 gr\u00fcndet die Schriftstellerin und Fotografin Julia Solis in New York das Projekt &#8222;Ars Subterranea&#8220; &#8211; das sich aus K\u00fcnstlern, Fotografen, Historikern und Stadtforschern zusammensetzt, sich als Schnittstelle zwischen Kunst und Architektur sieht, Veranstaltungen organisiert und \u00fcber Konzepte und M\u00f6glichkeiten gegen den Verfall informiert. Im selben Jahr ver\u00f6ffentlicht Solis das Buch &#8222;New York Underground: Anatomie einer Stadt&#8220;. Weitere Werke anderer Fotografen und Untergrund-K\u00fcnstler folgten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2004 fanden gleich mehrere Events statt. Zu nennen w\u00e4ren da die &#8222;Office Products Expo 94&#8220; in Toronto, eine mehrt\u00e4gige Urban Exploration-Convention, bei der sich mehr als 80 Gleichgesinnte zusammenfanden. Darauf folgte die &#8222;NEOPEX &#8211; North East Office Products Expo&#8220; in New York und das &#8222;Sexfest &#8211; South Eastern eXploration Festival&#8220; in Orlando, Florida. 2005 folgte die &#8222;Office Products Expo 95&#8220; in Montreal &#8211; eine Fortsetzung des Vorjahres-Events in Toronto. Zum ersten Mal folgten dem Aufruf zum Event Fotografen und &#8222;Abenteuerlustige&#8220; aus der ganzen Welt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ebenfalls in 2005 ver\u00f6ffentlichte Jeff Chapman das Buch &#8222;Access All Areas: A User&#8217;s Guide to the Art of Urban Exploration&#8220;, dass zu einem Meilenstein in der Historie zum Thema &#8222;Urban Exploration&#8220; wurde &#8211; genauer zu dem &#8222;must-read&#8220; f\u00fcr alle Neueinsteiger und Fortgeschrittene. Kurz nach der Ver\u00f6ffentlichung des &#8222;Ratgebers der Szene&#8220; &#8211; wie sein Buch heute noch oft genannt wird &#8211; starb Chapman im Alter von 31 Jahren an Krebs. Chapman galt als einer der einflussreichen Mitbegr\u00fcnder der Urban Exploration Szene und setzte sich f\u00fcr die Popularisierung und der damit verbundenen Einstellung zum Thema &#8222;Urban Exploration&#8220; ein. Ein Engagement, dass in der heutigen Zeit l\u00e4ngst nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Deutschland und Europa formte sich in den Jahren 2004 bis 2011 ebenfalls eine beachtliche Szene, die zuerst noch als Community fungierte und funktionierte. Diverse Webseiten und Foren entstanden und zogen ihre Zielgruppe an. Nennenswert hierbei sind Seiten wie &#8222;Sperrzone&#8220;, &#8222;Forbidden Places&#8220;, &#8222;Subterranea Britannica&#8220;, &#8222;Reactor4&#8220;, &#8222;Derelicta&#8220; oder Foren wie &#8222;28DaysLater&#8220;, &#8222;UER&#8220;, &#8222;UK Urbex&#8220;, &#8222;lost-places.com&#8220; und andere. Beobachten konnte man hier allerdings einen neuen Trend. Das Augenmerk der Fotografen und &#8222;Entdecker&#8220; lag nun nicht mehr auf dem eigentlichen Begehen von Lost Places und wenigen Bildern als Referenz, sondern auf der Dokumentation und Erfassung selbiger. Wo anfangs noch oberfl\u00e4chlich der Kick des Verbotenen im Vordergrund stand, konnte man nun ausf\u00fchrliche Bilderstrecken und historische Chroniken finden. Auf diesen Zug sprangen erfreulicherweise viele Projekte auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Themenvielfalt wurde konsequent erweitert. Ob Tunnelsysteme, Bunker- und Industrieanlagen, Sanatorien, Herrenh\u00e4user usw. &#8211; Lost Places gab und gibt es wie Sand am Meer. Es war die Leidenschaft eines jeden, selbige zu recherchieren und zu besuchen, zu dokumentieren. Hinzu kam das Erleben einer besonderen Atmosph\u00e4re &#8211; jeder Lost Place ist anders, erz\u00e4hlt seine eigene Geschichte &#8211; und der Reiz, m\u00f6glichst viel von allem aufzusaugen. Doch wo viele &#8222;Gleichgesinnte&#8220; aktiv sind und wo enorme Mengen an Objekten gesammelt oder zusammengetragen werden, finden sich nicht nur G\u00f6nner, sondern in erster Linie Neider &#8211; Trolle wurden magisch angezogen. Der Verfall einer ganzen Szene hatte begonnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2012 fand das erste offizielle, europ\u00e4ische Event in Deutschland statt, das &#8222;UEM &#8211; Urbex Europe Meeting&#8220;. Dieses wurde lange vor dem Stattfinden von diversen Seiten extremst attackiert und boykottiert &#8211; trotzdem fanden sich rund 70 Personen aus Belgien, Spanien, den Niederlanden und Deutschland ein. 2013 folgte das Fortsetzungs-Event des UEM, ebenfalls in Deutschland &#8211; hier kamen nur noch rund 50 Teilnehmer. Zu beobachten war hier nicht das steigende Desinteresse an der Veranstaltung, sondern der wachsende Druck einer gewissen &#8222;Front&#8220; auf interessierte Teilnehmer gerade in sozialen Netzwerken. Letztere bleiben auch heute noch einer Veranstaltung lieber fern, aus Angst zur Zielscheibe zu werden und sich Shitstorms ausgesetzt zu sehen. Zudem ist die Bef\u00fcrchtung gro\u00df, dass dann die oft sprudelnde Quelle mit Informationen zu Objekten versiegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den Jahren 2012, 2013 und 2014 kam es zu einem regelrechten Boom, nicht nur in Deutschland, auch in Europa, Amerika und anderen Kontinenten. Jeder entdeckte pl\u00f6tzlich seine Leidenschaft f\u00fcr verlassene Orte und dies musste nat\u00fcrlich, wo es nur geht, auch wirksam publiziert werden. Der Grund hierf\u00fcr waren in erster Linie soziale Netzwerke wie Facebook und Co., wo sich Anh\u00e4nger der &#8222;Lost Places&#8220; in ganzen Szenen und Gruppen nicht nur organisierten, sondern es auch zu regelrechten Machtk\u00e4mpfen kam und kommt. Jeder sah sich ab sofort als Historiker der ersten Stunde, der das Recht hat, nicht nur Regeln aufzustellen, sondern auch \u00fcber andere zu urteilen. Richtig anerkannt ist in Augen vieler Moralapostel bis heute nur der, der die geheimsten, ultimativsten, top-erhaltenen Orte besucht und die spektakul\u00e4rsten Fotos wie Troph\u00e4en pr\u00e4sentiert. Man ahnt, welche Risiken und Nebenwirkungen dies ausl\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erschreckend hierbei ist auch die Tatsache, dass der Gro\u00dfteil kein Risiko- und Rechtsbewusstsein mehr kennt, keinen Respekt vor Fremdeigentum hat und Orte handelt wie auf einer Tauschb\u00f6rse. Lange vorbei ist die Zeit der Selbstrecherche, die m\u00fchevollen Tage und Wochen der Tourplanung, das ehrf\u00fcrchtige Genie\u00dfen der vorgefundenen Atmosph\u00e4re &#8211; heute geht es um das schnellstm\u00f6gliche Abarbeiten ganzer Objektlisten. Wer darunter am meisten leidet, sind die Orte an sich &#8211; Schaden nehmen in erster Linie die erhaltenswerten Orte und Geb\u00e4ude, in Zeiten von Facebook und Co.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die kommenden Jahre werden zeigen, wohin die Reise geht. Wieder einmal kommt man zur Erkenntnis, dass fr\u00fcher alles besser war, oder doch nicht? Diese geschichtliche Abwandlung zeigt, wie alles begann und wie sich etwas entwickelt hat, das nur noch schwer zu kontrollieren und aufzuhalten ist. Ein Ergebnis auch der digitalen Revolution &#8211; der zweiten Moderne. Es hei\u00dft, jeder Hype ist einmal vorbei &#8211; wenn dem so ist, wo ist das Ende und wann ist dieses erreicht? Es wird Zeit, das erkannt wird, das das Thema &#8222;Lost Places&#8220; ein sensibles ist und man mit diesen Orten ebenso umgehen sollte. Respekt verdient der, der nicht mit dem Finger auf andere zeigt, um sein Gem\u00fct zu befriedigen &#8211; sondern der, der mit gutem Beispiel vorangeht und das macht, worum es bei dieser Leidenschaft geht: Objekte zu erfassen, diese zu erkunden und zu dokumentieren und die Sch\u00f6nheit des Verfalls sichtbar zu machen, egal wo auf der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es braucht mehr Menschen wie Jeff Chapman, die sich offen und in breiter \u00d6ffentlichkeit zu ihrem handeln bekennen und Aufkl\u00e4rungsarbeit leisten, ohne sich f\u00fcr ihr Tun unter &#8222;Gleichgesinnten&#8220; verstecken oder entschuldigen zu m\u00fcssen. Denn es sollte zum Wortschatz-Portfolio eines jeden Lost-Place-Fans geh\u00f6ren, bei Gespr\u00e4chen mit den Medien mehr als nur &#8222;illigal&#8220;, &#8222;Hausfriedensbruch&#8220; und &#8222;Urban Explorer&#8220; herauszubekommen. Diese sollten aufkl\u00e4ren k\u00f6nnen, warum es Menschen gibt, die sich Lost Places verschrieben haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">26.04.2016, Winternitz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Leidenschaft f\u00fcr verlassene Orte &#8211; so genannte &#8222;Lost Places&#8220; hat ihren Ursprung in den 70er Jahren und kommt &#8211; wie so vieles &#8211; aus den USA. 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